Peter Schröcksnadel beschert seinen Landsleuten ein Luxusproblem. Sie verdanken ihm funktionierende Bergbahnen, prosperierende Skigebiete und vor allem das Panoramabild, das viele Alpenkanäle von Bayern bis Südtirol senden, und das unkundige Touristen aus dem Norden durchaus für die Wiedereinführung eines Sendeschlussbildes in bunt halten dürfen.

Das Bundesministerium für Wissenschaft hat Schröcksnadel 1992 daher mal eben einen Professorentitel geschenkt. Doch weil der Unternehmer seit 1990 auch den nationalen Skiverband anführt, der dem Selbstbewusstsein der Alpenländler mit Medaillen merkliche Schübe zu verschaffen versteht, reden viele ihn im Dilemma zwischen so vielen Titeln wie einen heimlichen Staatsführer an: Herr Präsident.

Bei soviel Untertänigkeit darf niemanden wundern, wenn Schröcksnadel seinen Führungsstil noch lieber länger zurückliegenden Epochen entlehnt: der Monarchie.

Ski-Weltmeisterschaften in Schladming

Für gewöhnlich würde die Kunde davon innerhalb der Bergketten der Sissi-Heimat bleiben. Doch führt der Herr Präsident sein Selbstverständnis gerade in Schladming vor. Das ist zwar auch nur ein kleines 4500-Einwohnernest in der Steiermark, die durchaus zum Hoheitsgebiet des Präsidenten zählt. Doch bringt Schröcksnadel sich dort bei den Vorbereitungen zu den alpinen Ski-Weltmeisterschaften ein, die in 53 Tagen eröffnet werden sollen. Damit erklingen die Klagen des steirischen Dorfes über seine feindliche Übernahme und deren chaotische Folgen plötzlich zu einem internationalen Auditorium vor: Selten drohte eine Gemeinde durch eine Ski-WM so zur Lachnummer zu werden wie Schladming.

Das Unheil bahnte sich schon mit Schröcksnadels großer PR-Offensive im Frühjahr an. Da trommelte der Herr Präsident aus altgedienten Skihelden, Schladminger Werbestrategen und internationalen Journalisten eine etwa 100 Reisefreudige umfassende Schar zusammen, um sie zur WM-Reklametour für Schladming einzuladen − nach Grönland. In der unberührten Natur der Inuit wollte er die Bemühungen seines WM-Ortes um Umweltschutz und Nachhaltigkeit herausstellen. Was der Mann, der für einen Haufen Bergbahnen Wald vernichten lassen hat, wirklich denkt, hat er Österreichs Standard verraten: „Nachhaltig? Was ist nachhaltig? Wenn ich eine Fliege erschlage, dann ist sie nachhaltig tot.“

Grönland war auch nicht nachhaltig. Da das Wetter mies war, drehte die Maschine mit dem kuriosen WM-Tross um: Schladming wurde einige Tage in Island präsentiert. Als Österreichs Fußvolk im Internet den Aufstand wagte („blöder geht echt nicht mehr! und was macht der hans - dopingsünder - knaus da dabei?“), muckten daheim gar Prominente wie der Volksmusiker Hubert von Goisern auf: „Ewige Narrenfreiheit im ewigen Eis?“

Da war der Loop im Weg

In ähnlicher Tradition trieb Schröcksnadel in der kleinen Gemeinde die Geschäfte voran. Der Ort wähnte sich wohlpräpariert. 400 Millionen Euro Investitionen für Hotels, Straßen und Tankstellen in und um Schladming locken auch profitsüchtiges Gesindel. Schladming hatte sich für etwa 300.000 Euro im vorigen Jahr eine Verschönerung der Talstation gegönnt, eine Art riesigen blauen Bumerang, den „Loop“. Der flog dem Ort vor Wochen grausam um die Ohren. „Der Präsident“, jammerte Bürgermeister Jürgen Winter, habe mehr Zuschauerplätze für die WM kalkuliert. Da war der Loop im Weg und musste wieder weg. Es heißt, das habe nochmal 100.000 Euro gekostet.

Der Chef der örtlichen Planai-Bahnen und des WM-Organisationskomitees hatte dagegen gemeutert: Ernst Trummer legte sich oft mit Schröcksnadel an. Im August beschlossen die Mächtigen, Trummer möge dasselbe Schicksal ereignen wie den Loop: Auch er musste weg. Offiziell, weil er sich unzulässigerweise ein Zweitgehalt vertraglich zusichern lassen hat. Im Ort halten sie eine andere Variante für wahrscheinlicher: Es heißt, dass das Land Steiermark als Eigentümer der Planai-Bahnen bald durch deren Veräußerung die klammen Kassen aufbessern wolle. Trotz eines Dementis gilt einer als wahrscheinlichster Käufer: Schröcksnadel.