Berlin - Max Verstappen und Charles Leclerc wussten kaum, wohin mit ihrem Überschuss an Adrenalin und Euphorie. Aufgepumpt vom irren Schlussrunden-Krimi von Dschidda verabredeten sich die neuen WM-Zweikämpfer der Formel 1 gleich für die nächsten Duelle. „Jedes Rennen sollte so sein“, sagte WM-Spitzenreiter Leclerc, obwohl er doch als Zweiter hinter dem Weltmeister ins Ziel von Saudi-Arabien gerast war. Aber der minimale Rückstand von 0,5 Sekunden und die Stärke seines Ferrari zeigten dem Monegassen und dem Rest der Welt, dass diese Rivalität die Saison prägen könnte.

Als „cool und wirklich hart“ beschrieb Red-Bull-Star Verstappen den packenden Schlagabtausch mit Leclerc, bei dem sie mit allen taktischen Tricks ans Limit gingen. Von einem Gift-Duell, wie es sich der Niederländer noch knapp vier Monate zuvor an gleicher Stelle mit Lewis Hamilton geliefert hatte, wollten beide aber nichts wissen. „Wir haben eine Menge Respekt voreinander, das ist wichtig, deshalb haben wir diese guten Kämpfe“, sagte Verstappen.

Leclerc fühlte sich prompt an gemeinsame Kart-Zeiten in der Jugend erinnert. „Da hatten wir auch schon tolle Duelle. Wir sind zusammen aufgewachsen, das hat uns geholfen, uns auf unsere Weise zu entwickeln“, sagte der 24-Jährige. Schon beim Auftakt in Bahrain hatte der rundenlange Schlagabtausch des Duos die Fans elektrisiert, ehe der Weltmeister von einem Technikdefekt gestoppt wurde. Nun scheinen Leclerc und Verstappen aus den Rad-an-Rad-Raufereien eine dramatische Serie zu machen. 20 Punkte Vorsprung auf Verstappen nimmt Leclerc mit ins dritte Saisonrennen in zwei Wochen. Teamkollege Carlos Sainz rangiert als WM-Zweiter noch zwischen den beiden. Das spricht dafür, dass Ferrari sich nach zwei Jahren aus dem Formloch befreit hat.

Aber kann die Scuderia das Tempo von Red Bull und Verstappen auch über die Langstrecke mitgehen? 2017 und 2018 hatten die Italiener mit Sebastian Vettel auch schon das stärkste Auto, ehe im Wettlauf der Ingenieure Mercedes die Oberhand gewann. In dem ist Rekordweltmeister Lewis Hamilton vorerst abgehängt. Die Hoffnung auf Titel Nummer acht könnte schon früh platzen. „Siege fühlen sich sehr weit entfernt an“, klagte der 37-Jährige nach seiner Fahrt auf einen unglücklichen zehnten Platz in Dschidda. Mercedes habe derzeit „überall Defizite“, bekannte Teamchef Toto Wolff. „Aber die Saison ist noch unglaublich lang“, fügte der Österreicher kämpferisch hinzu.