Mönchengladbach - Nach einem Jahr der Demut fassen zumindest die Anhänger von Borussia Mönchengladbach so langsam den Mut, wirklich große Ziele zu formulieren. „Marco Reus, Dich lassen wir nur mit dem Double gehen“, stand auf einem Banner, das die Zuschauer beim aufregenden 3:1 (2:0)-Erfolg zur Rückrundeneröffnung gegen Bayern München hoch hielten, andere forderten: „Macht Träume wahr, Borussia wieder in Europa“. Und nach diesem Sieg gegen den FC Bayern erscheinen diese Sprüche nur noch ein klein wenig größenwahnsinnig. Denn die Borussia machte exakt dort weiter, wo sie in der Hinserie aufgehört hat, in vielen Phasen erweckte dieses Spiel sogar den Eindruck, dass die Mannschaft noch besser geworden ist. „Wir haben sehr gut gespielt“, lobte denn auch Borussia-Coach Lucien Favre sein Team, das seiner Ansicht nach vor allem „gut verteidigt“ hatte.

Die Winterpause mit der Unruhe rund um die Entscheidung von Reus, im Sommer nach Dortmund zu wechseln, und die Horrorszenarien scheinen jedenfalls keinen größeren Schaden bei der Borussia angerichtet zu haben. Und Reus, der Mittelpunkt der winterlichen Debatten, zeigte auch im ersten Spiel nach der Winterpause seine außergewöhnlichen Fähigkeiten, als sei nichts gewesen. Zehn Minuten waren gespielt, da unterlief Manuel Neuer, dem Münchner Torhüter, ein furchtbarer Fehler. Weit neben seinem Tor spielte er nur leicht bedrängt von Patrick Herrmann einen katastrophalen Fehlpass in den Fuß von Reus, der den Ball geschickt annahm und aus 25 Metern ins verlassene Tor schoss. Es war eine merkwürdige Parallele zum Hinspiel, als ein Neuer-Fehler den 1:0-Siegtreffer Igor de Camargos ermöglichte. Und es war ein perfekter Start für die Gladbacher in diese Partie.

Denn jenseits aller Jubelarien, die in den vergangenen Monaten auf Reus gesungen wurden, ist die kostbarste Stärke der Mannschaft von Lucien Favre ihre fabelhafte Defensivarbeit. Seit Februar 2011 hat das Team nur in einem einzigen Spiel mehr als einen Treffer zugelassen. Die Bayern bemühten sich nach dem Rückstand dennoch engagiert um den Ausgleich, sie hatten Ballbesitz und erzeugten auch ein bisschen Torgefahr. Mario Gomez scheiterte mit einem gefährlichen Kopfball an Gladbachs Torhüter Marc-André ter Stegen (14.), und Anatoli Timoschtschuk feuerte zwei gefährliche Fernschüsse ab (27./34.). Eine wirklich klare Chance erspielte der Tabellenführer sich in der ersten Hälfte aber nicht.

Ganz im Gegensatz zu den Gladbachern, die zunächst einige Kontergelegenheiten etwas zu ungenau zu Ende spielten. Doch dann kam die 41. Minute. Arjen Robben bleib an Juan Arango hängen, der Venezolaner eröffnete den Gegenangriff mit einem schnellen Ball auf Mike Hanke, der das Spiel mit einen großartigen Pass auf Patrick Herrmann fortsetzte. Herrmann hatte freie Bahn und traf kühl zum 2:0.

Danach zeigte sich wieder einmal, dass es sehr schwer ist, gegen diese hervorragend organisierte Defensive Tore zu erzielen. Und das Selbstvertrauen, mit dem Mönchengladbach sich nach Balleroberungen aus der Defensive befreit, war beeindruckend. So wie vor dem 3:0, das Reus mit einem brillanten Pass auf Herrmann vorbereitete, der Neuer umspielte und einschob (71.).

Vielleicht fehlte den Bayern das Tempo des nach einer Gelb-Roten Karte gesperrten Franck Ribéry. Zwar drängten die Bayern Gladbach immer tiefer in die Defensive und Bastian Schweinsteiger traf nach einer Ecke noch zum 3:1 (76.), das änderte aber nichts daran, dass der Rekordmeister einen ziemlich üblen Start in dieses Jahr erwischte. „Man kann sich vorbereiten, wie man will, am Ende zählt es auf dem Platz“, sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm, der bei seinem Team nachdem „unnötigen Rückstand“ vor allem „zu viele Fehler“ gesehen hatte.