Hat die ganze Sportwissenschaft im Blick: Fitness-Trainer Werner Leuthard.
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Berlin-CharlottenburgNach dem missratenen Debüt als Cheftrainer von Hertha BSC hat Jürgen Klinsmann, 55, seinem Team anstrengende Trainingseinheiten in Aussicht gestellt. „Wir haben den Spielern noch einmal deutlich gemacht, dass jetzt sehr viel mehr Arbeit auf sie zukommt“, erklärte der ehemalige Bundestrainer nach dem 1:2 gegen Borussia Dortmund. Klinsmann verspricht für die heute beginnende kurze Trainingswoche, bevor am Freitagabend das Spiel bei Eintracht Frankfurt stattfindet, dass er und sein Trainerteam „die Intensität nach oben schrauben werden“. Im taktischen Bereich wird das eine Aufgabe für Herthas neuen Co-Trainer Alexander Nouri. Für die Fitness der Profis ist seit vergangenen Mittwoch Werner Leuthard zuständig.

Der 57-jährige Niederbayer, einstiger Oberleutnant in der Bundeswehr, arbeitete jahrelang unter Trainer Felix Magath, wurde beim FC Bayern „General“ getauft und genießt in der Branche inzwischen einen exzellenten Ruf. „Er ist ein sehr kompetenter Fachmann. Wir haben sehr erfolgreich zusammengearbeitet“, sagt Magath.

Leuthard der eigentliche "Quälix"

Seit sie sich 2002 beim VfB Stuttgart kennenlernten, gab es Magath und Leuthard nur noch im Doppel-Pack: in München, in Wolfsburg, auf Schalke, wieder in Wolfsburg und beim FC Fulham. Zusammen feierten sie drei Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Beim VfB bekam Magath damals seinen berühmten Spitznamen verpasst. Der eigentliche „Quälix“ war aber Leuthard.

Nach seiner sechsjährigen Zeit als Gebirgsjäger bei der Bundeswehr kam Leuthard über Umwege zum Profisport. Nach jahrelanger Arbeit mit den Tennisspielerinnen Steffi Graf und Anke Huber zog es ihn zum Fußball. Leuthard gilt als harter Hund, der selbst gestandene Profis zur völligen Erschöpfung bringt. Spaniens ehemaliger Nationalstürmer Raúl, der nach seinem Wechsel von Real Madrid zum FC Schalke noch mal aufblühte, sagte mal über Leuthard: „Das Medizin-Ball-Training hat mich fünf Jahre jünger gemacht.“ In Frankfurt formte Leuthard unter Trainer Adi Hütter vergangene Saison die „Bullenherde“. Die mittlerweile abgewanderten Stürmer Ante Rebic, Luka Jovic und Sébastian Haller überrollten mit ihrer Physis die halbe Liga.

Bei Hertha hoffen sie, dass  der neue Mann mit seiner Arbeit ähnliche Effekte erzielt. Klinsmann schwebt ja ein laufintensives Spiel vor, bei dem der Gegner im Idealfall durch ein gut funktionierendes Gegenpressing erst gar nicht zur Entfaltung kommt.

Assistent von Urs Fischer

Doch Leuthard machte sich nicht nur als reiner Konditionsbolzer einen Namen, sondern auch als Muskel-Versteher. „Wir waren so erfolgreich, weil wir nicht nur konditionell spitze waren, sondern über Jahre hinweg die wenigsten Verletzten hatten. Das war sein Verdienst“, lobt Magath. Dagegen zieht sich bei den Blau-Weißen das Thema „Muskel-Verletzung“ seit Jahren wie ein roter Faden durch den Trainingsbetrieb. „Bei einer großen Mehrheit der Verletzungen im Fußball gibt es keine gegnerische Einwirkung. Man kann in diesem Bereich sehr großen Einfluss nehmen“, sagte Leuthard einst der Basler Zeitung.

Magath hätte ihn liebend gerne mit nach China genommen, als er im Sommer 2016 den SD Luneng übernahm. Doch Leuthard stand beim FC Basel im Wort. Trainiert wurde der FCB damals von Urs Fischer. „Er hat ein unheimliches Wissen und die Zahlen sprechen für sich“, sagte der heutige Coach des 1. FC Union einst  über Leuthard.

Beim Köpenicker Stadtrivalen soll Leuthard nun die Spieler fit und robust genug machen, um möglichst schnell den Tabellenkeller zu verlassen. Richtige Veränderungen wird er aber erst in der Vorbereitung auf die Rückrunde vornehmen können. „Man kann während einer Saison nicht großartig eingreifen. Jetzt zählen andere Aspekte. Man braucht Ergebnisse“, erklärt Magath vor Herthas Spiel bei der Eintracht.