Es war in dieser Trainingswoche offensichtlich, dass Herthas Cheftrainer Pal Dardai wieder bessere Laune hat. Kein Wunder, da die Blau-Weißen nach zuvor sieben sieglosen Spielen zuletzt wieder zwei Erfolgserlebnisse gegen Hamburg und Luhansk sowie ein kurioses Remis in Wolfsburg vor der Länderspielpause feiern konnten. Dardai stand ja plötzlich zum ersten Mal in der Kritik, zwar nur kurz, und doch hatte ihm diese neue, unliebsame Erfahrung ordentlich aufs Gemüt geschlagen.

Die gute Stimmung ist also rechtzeitig zurück, da das Heimspiel am Samstag (18.30 Uhr) gegen Borussia Mönchengladbach den Endspurt der Hinrunde einläutet: Mit sieben Spielen in vier Wochen steht für Hertha erneut ein straffes Programm an. Für Dardai ist die Partie gegen die vier Punkte besseren Rheinländer – Hertha ist Elfter, Gladbach Achter – deswegen ein „Schlüsselspiel“. Der Ungar hofft neben drei Punkten auf weiteren Rückenwind für den heißen Herbst, in dem Hertha um den Einzug in die Zwischenrunde in der Europa League kämpft, vor allem aber um den Anschluss an das obere Tabellendrittel vor Weihnachten. 

„Wenn du gewinnst, kann das einen Schubs geben“, sagt Dardai. Manager Michael Preetz beschreibt die Ausgangssituation als eine, „die alles offenlässt für beide Richtungen“. Setzt es im siebten Heimspiel der Saison die zweite Niederlage, müssen sich die Berliner in der ausgeglichen Bundesliga erst mal nach unten orientieren. „Wir haben alle Chancen. Es wird eine spannende Rückrunde“, beurteilt Preetz die Ausgangslage.

Gibt es die Doppelspitze? 

Dardai musste in dieser Woche auf 15 Nationalspieler verzichten – so viele wie kein anderer Bundesligatrainer. Darüberhinaus gibt es zahlreiche Verletzungen zu beklagen, sodass sich zu Wochenbeginn nur acht Feldspieler auf dem Schenckendorffplatz tummelten. Mittelfeldabräumer Vladimir Darida droht mit einer weiterhin schmerzhaften Außenbanddehnung sogar das Hinrunden-Aus. Auch das defensive Multitalent Niklas Stark fehlt mit Wadenproblemen wohl noch zwei Wochen. Fraglich ist zumindest der Einsatz von Innenverteidiger Karim Rekik, der mit Schnupfen von der niederländischen Nationalmannschaft zurückgekehrt war. Fällt Rekik aus, steht Jungprofi Jordan Torunarigha bereit.

Dennoch hat der Trainer mehrere knifflige Personalentscheidungen zu treffen. Über allem steht die Frage: Dürfen die Stürmer Vedad Ibisevic und Davie Selke erstmals gemeinsam von Beginn an ran? Von der Entscheidung Doppelspitze oder nicht, leiten sich die weiteren Überlegungen ab. „Wenn beide vorne spielen, musst du eine andere Mischung finden, mehr mit Flanken agieren“, sagt Dardai. Für zwei Stoßstürmer spricht, dass die Mönchengladbacher defensiv nicht sattelfest sind (19 Gegentore). Zumal das Duo mit vereinten Kräften die schwache Torschuss-Statistik aufbessern könnte: Mit nur 64 Torschüssen sind die Herthaner das mit Abstand harmloseste Team der Liga. „Wenn wir das entschieden haben, können wir darüber nachdenken, wer im defensiven Mittelfeld spielt“, sagt Dardai.

Die Konsequenzen trägt der Trainer

Durch Daridas und Starks Fehlen, kämpfen Routinier Fabian Lustenberger und Talent Arne Maier um den Platz neben Per Skjelbred. „Arne ist ein offensiver Spieler, der mehr ins Risiko geht und mit Torvorlagen dem Spiel seinen Stempel aufdrücken kann“, lobt Dardai die Nachwuchskraft aus Ludwigsfelde. Lustenberger sei dagegen „mehr Stabilisator“.

Für welche Mischung sich Dardai letztlich auch entscheiden mag, die Konsequenzen sind ihm bewusst: „Wenn wir das Spiel gewinnen, sagen alle: Der Trainer hat richtig entschieden. Wenn wir verlieren, hat der Trainer schlecht entschieden – egal, wer spielt.“