Berlin - Braune Matschpiste statt prachtvollem weißen Band, trostlose Geisterkulisse anstelle rauschender Partyatmosphäre – und dazu die omnipräsente Angst vor Omikron: Den Heimweltcup in Oberhof begleitet ein Sammelsurium von Problemen. Die Bedenken sind vielfältig, die Sorgen enorm. Der Start ins Olympiajahr wird für die Biathletinnen und Biathleten zur Reise ins Ungewisse.

Gleich bei der Ankunft der Athleten gab es den ersten Rückschlag: Der Sprint der Männer muss von Donnerstag (14.15 Uhr) auf Freitag (11.30 Uhr) verschoben werden. Und zur Überbrückung der Zeit wird nicht einmal zusätzliches Training möglich sein – denn das Wetter spielt den Biathleten in Oberhof mal wieder einen Streich. Nach tagelangem Dauerregen, fast zweistelligen Plustemperaturen und einem Sturm am Neujahrswochenende ist von der über 50 Zentimeter dicken Schneepiste kaum noch etwas übrig.

Matsch und grüne Wiesen prägen derzeit das Bild am Rennsteig, nur der ab Mittwoch angekündigte Temperatursturz gibt Hoffnung. Dabei sahen sich die Organisatoren wesentlich besser aufgestellt als in den vergangenen Jahren, Absagen wegen Schneemangels oder ebenso teure wie umstrittene Schneetransporte aus Skihallen in Nordrhein-Westfalen oder Bispingen in der Lüneburger Heide sollten endgültig der Vergangenheit angehören.

Zwei neue Depots mit über 25.000 Kubikmetern Schnee, dazu eine neue Beschneiungsanlage – angesichts des fortschreitenden Klimawandels waren selbst diese Maßnahmen für die Generalprobe vor der WM 2023 nicht ausreichend. Darüber hinaus bereitet die Coronalage große Sorgen, der Landkreis Schmalkalden-Meiningen ist mit einer Inzidenz von über 400 ein Hotspot. Dazu kehren Sportler aus aller Welt aus ihrem weihnachtlichen Heimaturlaub zurück. Positive Coronafälle scheinen bei der Rückkehr in die Blase fast programmiert.

Der Biathlon-Weltverband IBU verschärfte wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante vorsorglich zum Jahreswechsel das Hygienekonzept. Für die Rennpause wurde eine Empfehlung zur Boosterimpfung ausgesprochen. Dazu ist nun selbst für Geimpfte bereits vor der Anreise nach Oberhof ein erster PCR-Test nötig, zweimal wöchentlich sind zudem Schnelltests vorgeschrieben. Für Ungeimpfte stehen alle 48 Stunden PCR-Tests an.

So soll zumindest der Sportbetrieb weiterlaufen, selbst wenn die Kulisse wie schon im Vorjahr trostlos sein wird. Wegen der dramatischen Coronalage in Thüringen wurden bereits Ende November Zuschauer von den Wettkämpfen vom 7. bis 9. Januar ausgeschlossen, für die Veranstalter wird der Weltcup damit erneut zum großen Verlustgeschäft. Man arbeite daran, so Organisationschef Thomas Grellmann, „die zugegebenermaßen nicht einfache Situation zu meistern“. Das ist auf verschiedenen Feldern nötig.