Berlin - Schon zum Auftakt des Wahlkampfs hat der erste der drei Anwärter für die Nachfolge von DOSB-Chef Alfons Hörmann seine Kandidatur aufgegeben. Inmitten neuer Vorwürfe gegen die scheidenden Bosse des Dachverbands erklärte CSU-Politiker Stephan Mayer seinen überraschenden Verzicht am Sonntag in Düsseldorf bei einer Konferenz der Mitgliedsverbände des Deutschen Olympischen Sportbunds. „Das ist aus seiner Sicht sicher die richtige Entscheidung. Und die ganzen Gräben, die sich hier aufgetan haben, haben entscheidend dazu beigetragen, dass er seine Kandidatur zurückgezogen hat“, sagte Martin Engelhardt, Präsident der Deutschen Triathlon-Union.

In der Düsseldorfer Messe sollte Mayer eigentlich wie seine Mitbewerber Claudia Bokel und Thomas Weikert den Teilorganisationen seine Pläne für einen Neuanfang beim tief zerrissenen DOSB erläutern. Die jüngsten Erschütterungen um seinen CSU-Parteifreund Hörmann und Vorstandschefin Claudia Rücker sorgten aber wohl für ein Umdenken. Erst am Vortag hatten drei Vorstände in einem Schreiben an die DOSB-Mitarbeiter Hörmann und Rücker den Verstoß gegen einen Vorstandsbeschluss zur Last gelegt.

Bokel und Weikert kandidieren für das Spitzenamt

Die immer neuen Erschütterungen und offensichtlichen Zerwürfnisse im Dachverband wirken als schwere Hypothek für einen Neustart. „Das wird eine schwierige Aufgabe sein, jetzt diese Dinge zurechtzurücken“, sagte der frühere Bundespräsident Christian Wulff.

Der 62-Jährige hatte im Auftrag des DOSB mit einer Findungskommission das Kandidaten-Trio für das Präsidenten-Amt nominiert, das am 4. Dezember in Weimar neu besetzt werden soll. „Wir brauchen das für alle, dass der Sport sich wieder um das Eigentliche kümmert und nicht um seine internen Konflikte“, sagte Wulff dem Deutschlandfunk. Neben Mayer sah das Gremium Fechterbund-Chefin Bokel und den Tischtennis-Weltverbandspräsidenten Weikert als Kandidaten für den Spitzenposten an.

Doch der Bundestagsabgeordnete Mayer, derzeit noch Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium auf Abruf, überlegte es sich schnell anders. Er verließ die Messe nach knapp zwei Stunden kommentarlos.

In ihrem Schreiben offenbarten Leistungssport-Vorstand Dirk Schimmelpfennig, Sportjugend-Geschäftsführerin Christina Gassner und Finanzvorstand Thomas Arnold den Riss in der Verbandsspitze. Über das juristische Vorgehen gegen das frühere Vorstandsmitglied Karin Fehres seien sie „nicht oder nicht vollständig informiert sowie in wesentliche Entscheidungen nicht eingebunden“ gewesen. Rücker wird ihr Amt nun zum Jahresende aufgeben.