BerlinAuch zu Beginn des neuen Jahres bleibt der Wandel bei Alexander Zverev die Konstante. Dabei, das hatte er betont, fühlte er sich doch endlich angekommen. „Perfekt“ sei David Ferrer für ihn. Genau der richtige Coach, um die ganz großen Ziele zu realisieren, sagte der deutsche Tennis-Topspieler seit dem Sommer oft. Doch nun ist alles aus, nach nur sechs Monaten steht der 23 Jahre alte Hamburger ohne Cheftrainer da, der ihn zum ersten Grand-Slam-Triumph führen sollte. 2021 beginnt mit Turbulenzen.

Kurz vor Zverevs Abflug nach Australien sorgte das überraschende Ende der Zusammenarbeit für Aufsehen in der Szene. Nach den geräuschvollen Trennungen von Juan Carlos Ferrero und Ivan Lendl verlief der Abschied zwar diesmal friedlich, das Ergebnis allerdings ist das gleiche. Statt endlich langfristig mit einem früheren Weltklassespieler die entscheidenden Prozentpunkte herauszuholen, steht Zverev vor dem nächsten Neuanfang.

„Ich möchte David für die Monate danken, die wir gemeinsam verbracht haben, die Zeit auf und neben dem Platz, und ihm nur das Beste für die Zukunft wünschen“, schrieb die deutsche Nummer eins, nachdem Ferrer sich in spanischen Medien zu Wort gemeldet hatte. Für ihn sei es „nicht der richtige Zeitpunkt“ für eine Zusammenarbeit, die Familie stehe über allem, sagte der 40-Jährige: „Wir dachten, die Zeit sei reif, aber am Ende war sie es nicht.“

Es sei, das betonte Ferrer, „absolut nichts zwischen uns vorgefallen, alles ist gut“. Sein Engagement bei Zverev fiel in eine sehr bewegte Zeit mit sportlichen Erfolgen, in der sich der Weltranglistensiebte aus Hamburg aber auch mit Vorwürfen häuslicher Gewalt seiner Ex-Freundin Olga Scharipowa konfrontiert sah.

„Die Zusammenarbeit wirkte nach außen gut“

Bei seinem Saisondebüt Down Under im Rahmen des ATP Cups (1. bis 5. Februar) und den Australian Open ab dem 8. Februar wird Zverev wieder allein auf den Rat seines Vaters Alexander Senior und seines Bruders Mischa vertrauen. Bisher hat sich noch kein prominenter Trainer länger als ein Jahr im Kreise der Zverevs bewegt, nach dem Lendl-Aus 2019 wurden auch Kompetenz-Streitigkeiten publik.

Mit Ferrer schien es besser zu passen, auch für Zverev-Kenner Michael Kohlmann, den Herren-Chef des Deutschen Tennis Bundes (DTB). „Die Zusammenarbeit wirkte nach außen gut, sehr fruchtbar. Die Erfolge waren da, die Harmonie war da. Es kam auch für mich überraschend“, sagte Kohlmann. Zverev schaffte es ins Finale der US Open, blieb in schwierigen Matchphasen bei sich, kämpfte. Ferrers Handschrift wurde durchaus deutlich. Nun erneut der Bruch.

„Ich glaube, dass es für die Entwicklung sicher ratsam ist, eine längerfristige Zusammenarbeit zu haben“, sagte Kohlmann. Wenn man sich die Profis an der Spitze der Weltrangliste anschaue, handele es sich zumeist um Zusammenarbeiten über mehrere Jahre. Kurzfristig sieht Kohlmann aber keinen zu großen Rückschlag für seinen besten Spieler. Zverev habe die Konstante mit seinem Vater und auch seinem Bruder Mischa, der beim ATP Cup in Melbourne das deutsche Team betreuen wird.