Man muss Jürgen Klopp in Schutz nehmen. In Schutz nehmen vor den Vorwürfen, welche Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin am Dienstag in einer Pressekonferenz gegen den Trainer des FC Liverpool erhoben hat.

Mag schon sein, dass Klopp die Fans seines Vereins dazu ermuntert hat, auch ohne Ticket zum Champions-League-Finale nach Paris zu reisen. Mag auch sein, dass der 54-Jährige in seiner Aufregung und seiner Enttäuschung über die 0:1-Niederlage gegen Real Madrid im Nachgang trotz einer unklaren Gemengelage nur das ihm Zugetragene als Anlass für eine vage Verdachtsäußerung genommen hat. Den Sicherheitskräften unterstellte, mit einer unangebrachten Härte gegen die ins Stadion drängende Anhängerschaft des Premier-League-Klubs vorgegangen zu sein. Aber in die Verantwortung kann man Klopp für das düstere Tohuwabohu am Stadiontor inklusive Reizgas-Einsatz und folglich auch 200 Verletzten nun wirklich nicht nehmen.

Verrückte Fans gibt es auch in Frankreich

Er hat mit dem Ticketing nichts zu tun, das ist die Sache des Veranstalters und damit Sache der Europäischen Fußball-Union (Uefa), die offensichtlich kein fälschungssicheres Ticketing-System, aber auch kein Unheil vermeidendes Einlass-System zur Anwendung gebracht hatte. Und mal ehrlich: Es braucht keinen Jürgen Klopp, um die Anhänger der Reds auf die Idee zu bringen, sich auch ohne Ticket oder vielleicht sogar mit einem gefälschten Ticket auf den Weg zu einem so wichtigen Spiel zu machen.

Darmanin ging in seinen Ausführungen auch so weit, das Problem als ein Problem zu bezeichnen, dass es „nur im Fußball bei bestimmten englischen Vereinen“ gebe. Verrückte Fans, und das leider im negativen Sinne, Monsieur Darmanin, gibt es aber auch in Frankreich zuhauf. Wer schon mal bei einem Spiel von Paris St. Germain oder Olympique Marseille zugegen war, weiß, dass auch da immer mit dem Schlimmsten gerechnet werden muss. So ist an dieser Stelle Gustav Walter Heinemann zu zitieren, der mal Folgendes zum Besten gegeben hat: „Wer auf andere mit dem ausgestreckten Zeigefinger zeigt, der deutet mit drei Fingern seiner Hand auf sich selbst.“