Flensburg - Sind die Füchse Berlin reif für die Champions League? Auf diese Frage hatte Keeper Silvio Heinevetter schon vor der Partie gestern Abend in Flensburg eine Antwort gegeben, nämlich in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Heinevetter kam dabei zu folgendem Schluss: „Nein!“ Die Terminhatz, die Doppelbelastung und so fort, so einer Herausforderung sei der Klub noch nicht gewachsen, sagte der 33-Jährige. Und: Mit dem aktuellen Kader sei das nicht zu schaffen, unter anderem auch, weil man mit Petar Nenadic in der Winterpause einen Schlüsselspieler ziehen lassen musste.

Für den Moment, soll heißen, nach der Partie in Flensburg, kann man dem Frontmann der Berliner Handballbewegung in jedweder Hinsicht nur beipflichten. Denn nach einer schwungvollen Anfangsphase, die Anlass zur Hoffnung auf einen Auswärtscoup gab, offenbarte das Team von Trainer Velimir Petkovic bei der 21:29 (10:14)-Auswärtsniederlage doch allerlei Schwächen. Mitunter war gar ein Klassenunterschied auszumachen, nämlich der zwischen einer Mannschaft, die über internationales Format verfügt (Flensburg), und einer Mannschaft, die an einem normalen Handballarbeitstag wie diesem dann doch nur gehobenes Bundesliganiveau repräsentiert (Füchse). Die logische Folge: In der Tabelle zogen die Flensburger (40:10 Punkte, Platz zwei) an den Füchsen (38:10 Punkte) vorbei.

Die Gastgeber gaben den Gästen an diesem Abend vor 6 300 Zuschauern jedenfalls eine Lehrstunde in Sachen Siegermentalität. 3:6 nach 13 Minuten – kein Problem für die Nordlichter. Ein Heinevetter, der seine gute Form der vergangenen Wochen auch mit an die Förde gebracht hatte – kein Problem für den Champions-League-Sieger von 2014. Schneller waren die Flensburger, wirkten eingespielter, selbstverständlicher in ihren Aktionen. Allen voran Holger Glandorf, der zwar auch ein paar Fehlversuche hatte, aber seit Donnerstagabend mit nun 2 264 Treffern der beste Feldtorschütze der Ligageschichte ist. Der 34-Jährige hat zwei Tore mehr erzielt als der bisherige Rekordhalter Kyung-shin Yoon.

Mächtiger Mittelblock

Die Füchse hingegen mehrten ihre Zweifel von Minute zu Minute, scheiterten immer wieder an Keeper Kevin Möller, der aber auch davon profitierte, dass der Mittelblock vor ihm, gebildet von Tobias Karlsson und Anders Zachariassen, die Berliner Schützen in komplizierte Wurfsituationen brachten.

Letztlich wirkte die Spielanalyse von Petkovic ob der Flensburger Überlegenheit schon ein wenig verwunderlich, der Serbe klagte nämlich über die Leistung der Schiedsrichter, und sagte: „Das ist ein verdienter Sieg für Flensburg. Aber wir haben keine faire Chance für ein besseres Ergebnis bekommen. Wir haben nicht gut gespielt, aber gut gekämpft, aber wenn du immer Siebenmeter gegen dich bekommst, Zeitstrafen, dann hast du keine faire Chance. Ich hatte vorher schon darauf hingewiesen, aber es hat nichts gebracht.“

Füchse-Rückraum Fabian Wiede hingegen betrachtete die Angelegenheit weitaus nüchterner: „Das ist sehr schmerzhaft. Wir wussten, dass das hier ein Vier-Punkte-Spiel ist, aber konnten nicht das umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten.“ (BLZ)