Der ehemalige Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart und frühere deutsche Nationalspieler hat sich öffentlich zu seinem Schwulsein bekannt. „Ich äußere mich zu meiner Homosexualität, weil ich die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen möchte“, sagt der 31-Jährige in der aktuellen Ausgabe der "Zeit", für die er seit 2009 als Kolumnist tätig ist.

Er habe das Gefühl, dass jetzt, nach dem Ende seiner Karriere, ein guter Moment dafür gekommen sei. Das Bewusstsein, homosexuell zu sein, sei "ein langwieriger und schwieriger Prozess" gewesen. "Erst in den letzten Jahren dämmerte mir, dass ich lieber mit einem Mann zusammenleben möchte", so Hitzlsperger.

Homosexualität werde im Fußball "schlicht ignoriert". Bis heute kenne er keinen Fußballer persönlich, der das zu seinem Thema gemacht habe. "Ich habe mich nie dafür geschämt, dass ich nun mal so bin".

Der ehemalige Bundesliga-Profi des VfB Stuttgart und des VfL Wolfsburg, der lange in England spielte und dort wegen seiner Schussstärke "The Hammer" genannt wurde, bestritt zwischen 2004 und 2010 52 Länderspiele.

Zuletzt stand er beim FC Everton unter Vertrag, bestritt allerdings nur sieben Spiele für den Verein. Im September 2013 beendete er seine aktive Karriere: Die Entscheidung sei „Folge eines Prozesses mit vielen Vereinswechseln und einigen Verletzungen“, sagte er damals der Süddeutschen Zeitung.

Lob von Zwanziger und Westerwelle

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger hat das Coming-out des früheren Nationalspielers begrüßt. „Endlich hat ein Fußballer den Mut, seine Homosexualität öffentlich zu machen - zumindest in engem Zeitabstand zu seiner Karriere“, sagte Zwanziger am Mittwoch gegenüber „Zeit online“.

Hitzlspergers Schritt habe „hoffentlich eine positive Wirkung auf die Gesellschaft und den Profifußball der Männer. Der ist nämlich nach wie vor ein hartes Geschäft, ein offener Umgang mit Homosexualität ist leider immer noch nicht selbstverständlich.“

Auch der ehemalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) lobte Hitzlsperger. "Dieser Mut verdient größten Respekt", sagte er. "Der Schritt in die breite Öffentlichkeit liest sich viel leichter, als er tatsächlich ist."

Westerwelle betonte, er erhoffe sich von Hitzlspergers Entscheidung, seine Homosexualität öffentlich zu machen, "Ermutigung, Respekt und Anerkennung für die vielen, die im Hinblick auf ihre gleichgeschlechtliche Orientierung noch mit sich, ihrem Umfeld und der Gesellschaft ringen". Er selbst hatte seine Homosexualität im Jahr 2004 öffentlich gemacht. 

Im Netz hagelte es Glückwünsche und Respektbekundungen für das Coming-out: „Mutig - und richtig. Respekt, Thomas Hitzlsperger! Ein wichtiges Zeichen in der heutigen Zeit“, twitterte Nationalspieler Lukas Podolski unmittelbar nach Bekanntwerden der Meldung. Podolski und Hitzlsperger hatten unter anderem bei der WM 2006 in Deutschland zusammen in der Nationalmannschaft gespielt.

"Ich hoffe er wird nicht der letzte sein... wir leben im Jahr 2014 und nicht im 14. Jahrhundert! Danke Thomas!", schrieb der Ballsportblog beim Kurznachrichtendienst Twitter, wo #Hitzlsperger am Mittwochmittag sofort zur Nummer Eins bei den Trending Topics, den meistgesuchten Themen, aufstieg.

Zugleich wurde Bedauern über den Zeitpunkt des Interviews laut. "Schade, dass es ihm im homophoben Umfeld des Männerfußballs offensichtlich erst nach dem Karriereende möglich war, sich zu outen", kommentiert ein Leser bei "Zeit Online". "Wer als Fußballprofi über die eigene Homosexualität sprechen will, der braucht viel Mut. Das ist ein Skandal", schreibt auch "Zeit Online"-Kommentator Bernd Ulrich über das Tabu im Profisport.

Im Profi-Fußball sorgte zuletzt das Outing von Robbie Rogers für Aufsehen. Der 26-jährige Mittelfeldspieler von Los Angeles Galaxy hatte sich im Februar 2013 geoutet und gelichzeitig seinen Rücktritt als US-Nationalspieler erklärt. Bei seinem ersten Spiel für David Beckhams Ex-Club begrüßten ihn die 24.811 Zuschauer im kalifornischen Stadion mit Standing Ovations.

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) hat das Coming-out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger positiv aufgenommen. „Das ist ein sehr ermutigendes Zeichen, insbesondere für junge schwule Fußballer, dass sie sich zu ihrer Identität bekennen können und kein Versteckspiel führen müssen“, sagte stellvertretend Jörg Steinert, der Geschäftsführer vom LSVD Berlin-Brandenburg. (mit sid/dpa)