Jokerrolle beim 1. FC Union? Nichts für Sebastian Polter.
Foto: Imago Images

OrihuelaTrainingslager sind keine Vergnügungsreisen, das ist jedem klar. Zwei Vormittage in Folge sah Stürmer Sebastian Andersson im Royal Golf Club Campoamor keinen Ball. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist grundsätzlich kein gutes Zeichen. Denn hinter ihm stehen Sebastian Polter und Anthony Ujah bereit. Und beiden ist gemein, dass sie in den ersten Tests des Jahres getroffen haben, während Unions Topangreifer – acht Saisontore – leer ausging.

Aber in diesem speziellen Fall hatte die Torflaute nichts mit Anderssons Qualität als Feldspieler zu tun, sie war schlicht dem Programm geschuldet. Denn nachdem am Dienstag nur regenerativ gearbeitet wurde, mussten die Union-Profis auch am Mittwochmorgen auf ihr Lieblingsspielobjekt verzichten. Zirkeltraining stand auf dem Programm. Erst am Nachmittag kam der Ball wieder ins Spiel.

Andersson spricht mit Fischer

Natürlich sind Vorbereitungscamps auch immer die Abschnitte des Jahres, in denen miteinander gesprochen wird. So nahm sich Trainer Urs Fischer die Stürmer beiseite und redete rund eine halbe Stunde mit jedem von ihnen. Wobei es angeblich nicht um die Zukunft Anderssons gegangen sei, wie der Schwede mitteilte. Und falls doch, dann nur in Bezug auf die kommenden Monate bis Mitte Mai. „Ich sollte sagen, wie ich meine Leistung in der Hinrunde gesehen habe und was ich besser machen kann“, erzählte Andersson.

Auf die Frage, ob er über den Sommer hinaus eisern bleibe, gab es keine Antwort. Selbst einen Winterwechsel schloss Andersson nicht ganz aus, auch wenn dieser unwahrscheinlich erscheint. „Ich will nicht über meinen Vertrag reden. Ich denke nicht an andere Optionen, solange ich hier bin. Im Fußball ist es aber nicht möglich, sechs Monate im Voraus zu planen. Es kann so viel passieren“, sagte der 1,90 Meter große schwedische Nationalspieler.

Nachvollziehbares Interesse an seiner Person verneinte er hingegen nicht. „Wenn mich englische Klubs wollen, dann wollen sie mich. Aber die Vereine müssten sich erst mal einigen, dann müsste ich zustimmen. Die Chance ist groß, dass ich bis zum Sommer bleibe.“

Ehrliche Worte. Wenn auch wenig erhellend. Und so bleibt offiziell weiter unklar, ob Union seine besten Angreifer im Sommer gar ablösefrei ziehen lassen muss. Ein Horrorszenario aus Unions Sicht, das aber nicht eintreffen dürfte, wenn man Manager Oliver Ruhnert genau zuhört. Der ist bei diesem Thema so entspannt, dass eine wie auch immer geartete Klausel wirksam sein muss, die den Angreifer weiter an die Eisernen bindet.

Seb hat einen guten Lauf und ich hoffe, er kann so weitermachen

Anthony Ujah über Sebastian Andersson

Anderssons Gedanken gelten derzeit also vor allem der Rückrunde. Und Unions Klassenerhalt. „Ich will einer sein, der der Mannschaft hilft“, meinte Andersson. Dazu wird er die Gelegenheit erhalten. Er bleibt bei Fischer gesetzt. Doch ebenfalls ersichtlich ist, dass die Variante mit zwei Angreifern in den Überlegungen des Schweizers mehr und mehr eine Rolle spielt. Egal ob im 3-5-2 wie in Spanien vermehrt geübt oder mit einem flachen 4-4-2. Was natürlich Ujah und Polter, zuletzt nur im zweiten Glied, erfreuen wird.

„Seb ist einer der besten Stürmer in der Liga“, betont Ujah, der Andersson eher unter die Arme greifen will, denn sich als unmittelbarer Konkurrent versteht. „Seb hat einen guten Lauf und ich hoffe, er kann so weitermachen“, betonte der Nigerianer, der aber auch zugibt, dass die Hinrunde für ihn eher enttäuschend verlaufen ist. „Natürlich will ich mehr spielen. Ich mache meine Arbeit und will da sein, wenn ich meine Chance bekomme“, sagte der 1,80 Meter große spurtstarke Mittelstürmer.

Ähnlich argumentiert Polter, dessen Vertrag im Gegensatz zu dem von Ujah im Sommer endet. Nur dass er seinem Wunsch deutlich mehr Nachdruck verleiht. „Der Trainer hat mir gesagt, dass ich derzeit mit Anthony nur Stürmer Nummer zwei hinter Seb bin. Ich glaube aber auch, dass ich die Qualitäten habe, um zu spielen. Ich will mehr spielen als in der Hinrunde. Die war enttäuschend für mich in jeder Hinsicht“, sagte der 28-Jährige.

Ich werde mich für den Verein zerreißen. Und was dann am Ende dabei rauskommt, ob es ein Vertrag oder kein Vertrag wird, müssen wir schauen.

Sebastian Polter

Mit einer Jokerrolle ist der Derbyheld auf Dauer nicht zufrieden. „Ich bin im besten Fußballeralter, keine 34 oder 36. Ich bin kein Claudio Pizarro“, sagte der gebürtige Wilhelmshavener. Bislang wartet er vergeblich auf ein neues Angebot Unions. „Momentan würde ich aufgrund der geringen Spielzeit in der Hinrunde sagen, dass man erst mal schauen muss, ob es dann weiter Sinn macht.“ Polter verweist auf seine Trefferquote. „Ich spiele gerne für Union und identifiziere mich total damit. Ich habe immer meine Tore gemacht, wenn ich gespielt habe.“ In 100 Einsätzen hat er 46 Mal getroffen für die Köpenicker, dazu stehen 15 Assists auf seinem Konto. „Ich werde mich für den Verein zerreißen“, sagt Sebastian Polter. „Und was dann am Ende dabei rauskommt, ob es ein Vertrag oder kein Vertrag wird, müssen wir schauen.“