Jerez de la Frontera - Manchen Sportlern kann man schlecht das Wasser reichen. Sebastian Polter, Mittelstürmer in Diensten des 1.FC Union, fällt bei den Eisernen in diese Kategorie. Stets freundlich, höflich − und dabei äußerst erfolgreich. Sieben Tore in 12 Spielen sind der beste Beweis. Witzig wird es, wenn er anderen das Wasser reicht. Im Trainingslager in Jerez de la Frontera machte sich der 27-Jährige einen Jux daraus, aus dem mit Zitronenwasser gefüllten Wasserspender erst einmal jedem am Tisch feixend ein Glas zu servieren, ehe er sich zum Interview niederließ. Ein typischer Polter eben, der abseits des Platzes immer irgendwie wie ein zu groß geratener Junge wirkt.

38 Tore in 79 Spielen für den 1. FC Union (2014/15 und seit Januar 2017) stehen bei ihm zu Buche. Entspricht fast einer Quote von 0,5 Treffern pro Spiel. „Ich will versuchen, diese Quote zu halten“, so Polters Vorsatz für das Jahr 2019.

Einige bange Blicke hatte es deshalb gegeben, als der Wilhelmshavener am Dienstag nach einem Zweikampf das Training abbrechen musste und mit einem dicken Tapeverband zurück ins Hotel gefahren wurde. Denn schon zwischen März und September war Polter nach einem Achillessehnenriss arg vermisst worden.

Druckverband gegen den Schreck

Erst Ende September gab er gegen Holstein Kiel sein Comeback. Mit einem sagenhaften Treffer per Fallrückzieher, der dieser Tage in der ARD-Auswahl zum Tor des Jahres steht. Ein neuerlicher Ausfall des Torjägers wäre ein herber Dämpfer für die eisernen Ambitionen gewesen. „Ich habe einen Schlag auf den Nerv bekommen. Da ist der Fuß dick geworden. Ich habe zwar noch einen Druckverband, aber es geht schon“, erklärte Polter jedoch nach einer eintägigen Schonfrist − und mischte am Donnerstag schon wieder im Mannschaftstraining mit. Auch weil er beim heutigen Doppeltest gegen Drittligist Unterhaching (14 Uhr) und den Schweizer Zweitligisten Lausanne Sport (16 Uhr) nicht fehlen will.

Golf zur Entspannung

Zudem konnte der gesunde Polter auch sogleich wieder das tun, was er stets am liebsten macht – seinem Team helfen. Auf der Rücktour vom Trainingsplatz kam der Stürmer am Putting Green des Hotel-Golfplatzes vorbei. Am Vortag hatte der Angreifer wegen seines maladen Fußes noch auf eine angedachte Runde mit einem Union-Sponsor verzichtet. Polter besitzt mit Handicap 54 immerhin Platzreife − und ging aus dem kurzen Match mit dem Sponsor doch tatsächlich als Sieger hervor. Zur Belohnung gab es 100 Euro für die Mannschaftskasse. „Ich sage ja, ich versuche dem Team immer zu helfen.“ Auf und neben dem Platz eben.