Berlin - Die Nachwirkungen der Meisterfeier waren auch am Montagnachmittag noch nicht verklungen. Geschäftsführer Peter John Lee, der ja bekanntlich seinen achten Titel mit den Eisbären feierte, sprach mit einer derart heiseren Stimme, das man glauben konnte, er habe die Freude über diesen Triumph Tage lang herausgeschrien. Die wichtigsten Nachrichten hatte aber ohnehin Sportdirektor Stéphane Richer zu verkünden, der bereits einen detaillierten Einblick in den neuen Kader gab.

Jonas Müller und Kai Wissmann verlängern um drei Jahre

In der Abwehr setzen die Berliner auf langfristige Planungssicherheit: Jonas Müller, 25, und Kai Wissmann, 24, der mit einem starken Fore-check das Tor zur Meisterschaft vorbereitete, haben ihre Verträge gleich um drei Jahre verlängert und bilden somit in der Abwehr auch das Gerüst für die kommenden Jahre. Und wie Eric Mik, 21, der sich in der Profimannschaft etabliert hat, unterzeichnete auch Kapitän Frank Hördler, 36, ein neues Arbeitspapier, das ein Jahr Gültigkeit hat. Womit er der Marke von 1000 Spielen für seinen Herzensverein näherkommen dürfte.

Richer sagt: „Frank war in der abgelaufenen Spielzeit ein super Kapitän und herausragender Führungsspieler. Mit seiner Erfahrung und beständigen Leistung war er einer der Eckpfeiler der Mannschaft. Jonas Müller und Kai Wissmann sind als deutsche Nationalspieler wichtige Stützen in unserer Verteidigung. Eric Mik hat sich im vergangenen Jahr enorm weiterentwickelt und war fester Bestandteil unserer Meistermannschaft.“

Bei den ausländischen Abwehrprofis hingegen herrscht noch Ungewissheit. Assistenzkapitän John Ramage, 30, wird den EHC auf jeden Fall verlassen. Mit Simon Després, 29, der erst spät in die Hauptstadt wechselte, und dem wertvollsten Spieler in den Playoffs, Ryan McKiernan, 31, laufen die Verhandlungen noch. Bei McKiernan spielt natürlich auch eine Rolle, dass er sich in der K.-o.-Runde regelrecht in einen Rausch spielte und somit auch das Interesse von anderen Clubs auf sich gezogen hat. Richer machte aber deutlich: „Natürlich möchten wir ihn gerne hierbehalten.“

Eisbären können Leistungsträger im Sturm halten

Positive Nachrichten gibt es auch aus der Abteilung Attacke zu verkünden: Matt White und Zach Boychuk, beide 31, sowie Giovanni Fiore, 24, die erst ziemlich spät zum Team gestoßen sind, spielen mindestens ein weiteres Jahr für die Eisbären. „Alle haben bedeutende Rollen innerhalb des Teams ausgeübt und waren wesentliche Faktoren für den Gewinn der Meisterschaft. Ich freue mich, dass wir alle in Berlin halten konnten“, freut sich Richer.

Aber trotz einer so berauschenden Saison gibt es auch traurige Nachrichten: Insbesondere der Abschied von PC Labrie, 34, der sich in der vergangenen Saison so sehr in die Herzen der EHC-Fans gespielt hatte und seinem Sohn den Vornamen Bären gab, wird den Anhang schmerzen, auch wenn die Entscheidung sportlich nachvollziehbar ist. Zudem werden Fabian Dietz, 22, Thomas Reichel, 22, Mark Olver, 33, und Kris Foucault, 30, ihre Zelte in der Hauptstadt abbauen.

Und auch hinter der Bande wird es zu Veränderungen kommen: Assistenztrainer Gerry Fleming wird zur neuen Saison einen anderen Job annehmen. Immerhin: Nachdem Cheftrainer Serge Aubin bereits vor einigen Wochen seinen Vertrag beim EHC um zwei weitere Jahre verlängert hatte, zog nun sein zweiter Co-Trainer Craig Streu nach. Vor dem Titel mit den Eisbären hatten die beiden bereits die österreichische Meisterschaft mit den Vienna Capitals 2017 gewonnen.

Und dann gibt es eine Personalie, die zugleich Wehmut und Vorfreude erzeugt. Denn mit Lukas Reichel haben die Eisbären einen Spieler in der Mannschaft, der in absehbarer Zeit in die nordamerikanische Profiliga NHL wechseln wird, nachdem die Chicago Blackhawks ihn beim Draft des Vorjahres ausgewählt hatten. „Wenn er geht, ist das für uns schade“, sagt Richer, „aber als Eisbären macht uns das stolz.“ Allerdings könnte es sein, dass der 18-Jährige ein Jahr in Berlin dranhängt, um weitere Spielpraxis zu sammeln und sich dann womöglich mit einer Titelverteidigung zu verabschieden.