BerlinIn seiner täglichen Arbeit hat Marco Baldi in den vergangenen 31 Jahren allerhand Menschen kennengelernt und zahlreiche Kontakte geknüpft. Auf ein Gespräch mit dem Gesundheitsamt hätte der Geschäftsführer von Alba Berlin in diesen Tagen allerdings liebend gern verzichtet. Bereits nach dem positiven Coronafall in der eigenen Mannschaft am Sonntag nach der Rückkehr aus Moskau war diese Kontaktaufnahme unausweichlich geworden. Schließlich war die Zahl der Fragen groß, und die Antworten darauf konnten eben nur die Mitarbeiter vom Gesundheitsamt geben. Fakt ist seit Dienstag, dass sich die Zahl der infizierten Spieler im Profikader auf sechs erhöht hat. Fakt ist auch, dass sich die komplette Gruppe, egal ob nun seit Dienstag positiv oder negativ getestet, in Quarantäne begeben hat. „Jetzt haben wir zumindest für die nächsten 24 Stunden eine Faktenlage“, sagte Baldi am Dienstagnachmittag.

Er und Sportdirektor Himar Ojeda haben gut daran getan, dass sie sich in den vergangenen Wochen nicht in die Blase rund um diese Gruppe, welche aus Spielern, Trainern und Betreuern bestehend wieder auf Reisen gegangen war, begeben hatten. Um eine häusliche Quarantäne sind Baldi und Ojeda damit herumgekommen, die Liste der abzuarbeitenden Aufgaben ist nun allerdings größer geworden. „Das Gute an der Sache ist, dass die Gruppe abgeschlossen war und nach außen niemand betroffen ist“, so der Geschäftsführer. Aber: „Man spricht über Menschen, die erkrankt sind. Die Gesundheit steht über allem, alles andere kommt danach.“

Alles andere ist im Fall von Alba der Spielbetrieb des Profiteams. Als Folge des ersten Positivtests wurde bereits das Pokalspiel gegen Braunschweig am Sonntagabend abgesetzt. Die Folge der weiteren fünf positiven Befunde aber wird und könnte noch viel größere Ausmaße annehmen. Das für Donnerstagabend in der Arena am Ostbahnhof angesetzte Euroleague-Spiel gegen Baskonia Vitoria wurde bereits abgesagt. Dank einer Änderung in der Ausschreibung der europäischen Königsklasse hat Alba Berlin mit einer Mannschaft in Quarantäne die Möglichkeit, das Spiel zu verlegen. Aber: „Dafür haben wir aber erst einmal die Bestätigung vom Gesundheitsamt benötigt“, so Baldi.

Der Austausch mit dem Gesundheitsamt aber hat noch etwas ganz anderes ergeben: „Aktuell gehen wir davon aus, dass es eine 14-Tage-Quarantäne gibt“, so Baldi, „das würde bedeuten, dass wir am Pokal nicht teilnehmen können.“ Denn unabhängig vom bereits abgesagten Spiel in der Gruppenphase hätten die Berliner bereits am kommenden Wochenende zwei weitere Spiele in der Pokalvorrunde spielen sollen. Alba Berlin hat bei der Liga einen Antrag auf Verlegung gestellt. Die Antwort darauf bekommt Marco Baldi nicht vom Gesundheitsamt, sondern von der Bundesliga, die darüber nun schnell entscheiden muss.