Berlin - Mathias Niederberger ist es in den vergangenen Wochen gewohnt gewesen, inmitten einer Spielertraube zu stehen und von den verschwitzten Kollegen liebkost zu werden. Der 28 Jahre alte Eishockey-Torwart gehörte schließlich zu den Schlüsselspielern zur achten deutschen Meisterschaft der Eisbären Berlin. Am Montagabend kulminierte die Anerkennung der Mitspieler zu einer Art Verehrung. Denn mit 39 teils unglaublichen Paraden sicherte der Nationalmannschafts-Schlussmann den 3:1-Sieg gegen Kanada in Riga, den ersten WM-Triumph gegen das Eishockey-Mutterland seit 25 Jahren.

Niederberger bekommt ein Jackett als Belohnung

Wie schon bei den Olympischen Spielen 2018, als das deutsche Team Kanada im Halbfinale bezwang, führte die kollektive Aufopferungsbereitschaft zu diesem unerwarteten Triumph. Die Art und Weise, wie der gebürtige Düsseldorfer die gegnerischen Angriffe entschärfte, bietet allerdings ausgiebigen Stoff für Lehrmaterial, wie ein perfektes Torwartspiel auszusehen hat. „Er hat die Scheiben einfach absorbiert, die sind bei ihm liegen geblieben im Bauch“, sagte Kapitän Moritz Müller. Gerade in Unterzahl, wo die Scheiben in Sekundenabständen auf ihn zuflogen, behielt Niederberger stets den Überblick. Und vergaß dabei sogar die körperlichen Schmerzen, die dieser Abend allen bereitet hatte. „Ich hatte Krämpfe nach dem zweiten Drittel“, berichtete der Berliner Profi hinterher. „Vielleicht habe ich mir die Schlittschuhe zu fest gebunden. Aber ich war so im Fluss, das hat dann letztendlich auch nichts mehr ausgemacht.“

Dass zahlreiche Profis wegen der Playoffs in der nordamerikanischen Profiliga NHL nicht in Lettland dabei sind, fällt dieser Tage kaum auf. Weil sich die Mannschaft nicht nur wegen des grellen Jacketts, das der Spieler des Abends in der Kabine überreicht bekommt, glänzend präsentiert. Und ganz speziell die Statistik ihres Torwarts Niederberger spricht dafür, dass dieses Turnier für sie noch lange nicht endet. Nach sechs von sieben WM-Spielen ging der Eisbären-Profi im Nationaltrikot bislang als Sieger vom Eis. Bei weiteren Paraden wie gegen Kanada dürften in den kommenden Tagen noch einige dazukommen.