Badminton draußen müsste unter Beachtung der Auflagen eigentlich ganz gut funktionieren. Badminton drinnen ist allerdings noch nicht erlaubt.
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BerlinNach den Lockerungen, die am Mittwoch von der Bundesregierung verkündet wurden, wird am Donnerstag im Berliner Senat diskutiert, wie es im Breiten- und Freizeitsportsport weitergehen soll. „Zurzeit ist nur Individualsport möglich. Ich kann noch keinen genauen Termin nennen, aber es wird bald wieder möglich sein, in Fünfer- oder Achtergruppen Sport zu treiben – unter Einhaltung der Abstandsregeln. Zuerst draußen, im nächsten Schritt dann auch drinnen. Danach kommt der Mannschaftssport“, sagt Sportsenator Andreas Geisel.

Der Berliner Landessportbund (LSB) hatte anhand einer Umfrage unter den etwa 2 500 Berliner Sportvereinen einen Bedarf von sechs Millionen Euro an staatlicher Hilfe ermittelt, die den durch die Coronakrise gebeutelten Klubs die Existenz sichern sollen. „Wir werden für die gemeinnützigen, ehrenamtlichen Vereine, einschließlich des Behinderten- und Reha-Sports, also für die gesamte Bandbreite, die vom Landessportbund abgedeckt wird, einen Rettungsschirm zur Verfügung stellen“, verspricht Geisel. „Nicht um Einnahmeausfälle zu 100 Prozent zu kompensieren, das möchte ich noch mal betonen, denn Einnahmeausfälle haben alle. Hier geht es um existenzbedrohende Situationen, die wir ausgleichen müssen. Nehmen Sie als Beispiel Reitvereine. Reitvereine müssen eine Infrastruktur unterhalten. Und die Pferde bewegen, damit diese gesund bleiben. Die haben also die vollen Kosten, es finden aber keine Reitkurse statt. Volle Kosten, null Einnahmen – das werden die Vereine nicht lange durchhalten.“

In den Sportvereinen in und um Berlin   begrüßen Mitglieder und Vorstände die Lockerungen, die neben dem Sonderweg für die Fußball-Bundesliga dem Breitensport wieder mehr Bewegungsfreiheit geben – erst mal unter freiem Himmel.

Wie  funktioniert das nun   in der Praxis? Wo liegen Probleme, Hindernisse, Chancen?

Beim SC Siemensstadt ist das Schwimmbad leer, kein Training, kein Wasser. Dass sich zumindest Letzteres zeitnah ändert, ist gesetzt. „So langsam müssen wir das Wasser mal wieder reinlassen, damit uns die Kacheln nicht abfallen“, sagt Enrico Giese, „die brauchen ja immer einen Gegendruck.“ Dem Teamleiter für Kundenservice, Marketing und Verein   im 7 000 Mitglieder starken Klub, der zu den zehn größten Berliner Sportvereinen zählt, hat es   in den schwierigen Wochen von Corona nicht die Laune verhagelt.

Auf dem Vereinsgelände nahe des U-Bahnhofs Rohrdamm ist man kreativ gewesen. Im Reha-Sport wurden von den Krankenkassen geförderte Kurse über Software für Videokonferenzen in die Haushalte übertragen. Drehort war die Sporthalle auf dem eigenen Gelände des Vereins. Der auf der Videoplattform YouTube ins Leben gerufene Kanal „SCSTV“ soll die Corona-Pandemie überdauern, angeleitete Sportkurse im Internet sind ein Erfolg. Hinter den geschlossenen Türen des Sport Centrums wurde noch mehr umgesetzt. „Wir haben das Foyer modernisiert. Unter anderem haben wir dort eine TV-Videowand installiert und bespielen die mit einem Mediaplayer, um dort tagesaktuelle News oder die Abfahrten vom Bus um die Ecke zu zeigen“, erzählt Giese.

Die jährliche Grundreinigung des Schwimmbeckens hat der SC Siemensstadt vorgezogen. Doch auch gefüllt, wird es eine Weile nicht zugänglich sein, anders als die drei Sportplätze im Freien. „Allerdings muss ja alles kontaktlos sein“, sagt der Teamleiter, „wir haben aber ein großes Angebot, das kontaktlos stattfindet. Das könnte man nach draußen verlegen und das wird bei uns jetzt das Stichwort sein.“   Eine Kabinennutzung im Hauptgebäude wird es nicht geben, dafür kann das Außengebäude genutzt werden.   „Wir müssen Hygienemaßnahmen ergreifen, ein Wegeleitsystem entwickeln, damit die Leute wissen, wo sie rein und raus gehen können und damit nicht zu viele Menschen auf einem Fleck sind“, sagt Giese. „Das Hauptgebäude bleibt geschlossen, aber wir werden draußen Möglichkeiten finden.“ Für Tennis und andere Sportangebote, wohl nicht für Fußball. Auf Amateurebene spricht sich Giese für einen Saisonabbruch aus, im Verein gebe es keinen Druck, dass wieder gespielt werden solle.

Beim SV Glienicke/Nordbahn, einem Verein mit etwa 950 Mitgliedern im nördlichen Berliner Speckgürtel des Landkreises Oberhavel, „haben sich alle neun Abteilungen etwas überlegt“, sagt die Vorsitzende Sabine Krüger, „aber die Vorschläge zur Lockerung treffen bislang auf keine unserer Abteilungen zu.“ Bisher durften sich maximal zwei Mitglieder draußen oder am Sportplatz zusammen bewegen. Für die Fußballer könnten die Coaches unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln   Kleingruppentraining anbieten. „Aber dazu müsste die Gemeinde den Sportplatz erst mal aufmachen“, sagt Krüger.

Aufgabe der Vereine sei es, ein Hygienekonzept zu erstellen, genehmigen zu lassen und dann dafür zu sorgen, dass es eingehalten wird. Für etwaige Verstöße, die Bußgelder nach sich ziehen, liege die Verantwortung beim Verein, der dann in seine Kasse greifen muss. „Diese Verantwortung kann ich nicht übernehmen“, sagt Krüger. „Oder ich müsste immer jemanden haben, der auf die Einhaltung der Regeln aufpasst.“

Die Schützen des SV Glienicke, meint sie, „könnten eigentlich schon lange trainieren“. Sie haben acht Stände, die zwischendrin könne man freilassen, die Sportler haben eigene Waffen. Auch die Kegler könnten zu zweit wieder auf die vier Bahnen, die Kugeln haben verschiedene Farben, man kann sie desinfizieren. „Vorher müsste aber erst das Bistro öffnen, denn die Betreiberin ist die Pächterin der Kegelbahn.“ Im Tischtennis und Badminton hielte Krüger die Einhaltung der Abstandsregeln – anders als im Kindervolleyball für leicht umsetzbar.   Aber Hallen bleiben ja vorerst geschlossen.

Der Gesundheitssport findet derzeit online statt. Auch da könnte man in Kleingruppen draußen oder drinnen trainieren, findet Krüger, die froh über bislang nur drei Vereinsaustritte ist, weil die Mietkosten von etwa 1 300 Euro im Monat für Halle und Plätze ja weiterlaufen. „Bis das, was Frau Merkel bekannt gegeben hat,   bei uns zur Umsetzung kommt, müssen unsere Ideen noch eine   ganze Weile warten“, fürchtet sie.