Gerührt, nicht geschüttelt: Serge Gnabry und sein Jubel, den er sich in der Basketball-Profiliga NBA abeschaut hat.
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MünchenEs hat mit Curry zu tun. Mit dem Gewürz? Das auch. Der Torjubel des deutschen Fußball-Nationalspielers Serge Gnabry, dieses imaginäre Rühren mit einem Löffel in einem Schälchen, ist nämlich eine Hommage an Stephen Curry, den Basketballer aus der NBA. „Er ist der Chefkoch“, hat Gnabry gesagt und damit gemeint, Curry sei einer, der stets die Zutaten eines Spiels bestimmt. Insofern passt die Geste.

Serge Gnabry, 24, geboren in Stuttgart und beim FC Bayern München unter Vertrag, ist so eine Art Johann Lafer des deutschen Fußballs. Nicht, weil sein Schnauzbart an die Oberlippenbehaarung des Fernsehkochs erinnert, sondern weil er wichtige Zutaten in die Auftritte der Nationalmannschaft mischt. Schärfe etwa durch seine Treffer. Drei hat er im letzten Spiel der EM-Qualifikation erzielt, bei jenem 6:1-Erfolg gegen Nordirland am Dienstag, der dem deutschen Team Platz eins in Gruppe C vor den Niederlanden einbringt und es bei der Auslosung zum Kontinentalturnier 2020 in Topf eins befördert. In diesem Länderspieljahr hat Gnabry neun Tore erzielt.

Das ist das eine, das Zählbare, das den Angreifer zum Star eines Kaders im Umbruch und Aufbruch werden lässt. Das andere würde Kochkollege Lafer auf gut Österreichisch beschreiben mit: Sahneee. Gnabry gibt den Vorstößen seiner Mannschaft das süße Etwas obendrauf, wie zum Beispiel beim Ausgleich gegen die Nordiren, dem 1:1 – Ballannahme, Drehung, Schuss, Tor.

Das Original: Serge Gnabry mit dem Beginn einer Oberlippenbehaarung.
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„Er ist einer, der durch seine Aktionen immer wieder ein Spiel belebt“, hat Oliver Bierhoff gesagt, der Direktor des Nationalteams hat erklärt: „Er kann durch schnelle Einzelaktionen die Mannschaft immer wieder aufwecken.“ Wie nach eben jenem 0:1 gegen Nordirland in der siebten Minute. Aber auch in vorangegangenen Begegnungen verlieh er den Mitspielern Sicherheit und der deutschen Qualifikation trotz personeller Ausfälle Souveränität.

Und Vorbild? Fernsehkoch Johann Lafer hat bei Curry etwas anderes im Sinn als Fußballer Serge Gnabry.
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Gnabry selbst musste oft verletzt passen, ist „immer so ein bisschen aus dem Rhythmus gekommen“, wie sein langjähriger Wegbegleiter und Teamkollege Leon Goretzka sagt. „Jetzt hat er sich stabilisiert, auch körperlich, das sieht man auf dem Platz.“ Um im Bild zu bleiben: Gnabry hat sich die Suppe nie versalzen lassen. Oder wie er es formuliert: „Immer, wenn man arbeitet, kriegt man etwas zurück. Ich habe nie den Kopf in den Sand gesteckt und immer an mich geglaubt.“

Nun glauben andere an ihn, glauben, er stehe für eine erfolgreiche Zukunft der deutschen Elf: Serge Gnabry, der mit der Curry-Note.