BerlinDie Daten wiesen Sheraldo Becker als so etwas wie den „man of the match“, den Spieler des Spiels, aus. 17 von 18 Pässen hatte der Niederländer an den Mann gebracht (94 Prozent), seine 126 Sprints, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 35km/h, waren der Spitzenwert im Team der Eisernen. Ebenso wie seine fünf Abschlüsse und seine zwölf Flanken – genauso viele wie Kapitän und „Flankengott“ Christopher Trimmel.

Wie schon in den Vorwochen war auch beim 1:1 gegen Freiburg zu sehen, dass Becker mit einer etwa zwölfmonatigen Verzögerung endlich in Berlin angekommen ist. Bereits im vergangenen Jahr war der 25-Jährige, der die berühmte Nachwuchsschmiede von Ajax Amsterdam durchlaufen hat, nach dem Bundesliga-Aufstieg der Eisernen als große Hoffnung an die Wuhle gekommen. Nicht umsonst statteten die Unioner ihn mit einem Vierjahresvertrag aus, nachdem sie ihn ablösefrei aus Den Haag losgeeist hatten. Doch  lief seine erste Saison im Berliner Südosten nicht so, wie sich das beide Seiten erhofft hatten.

„Sein erstes Jahr war unglücklich. Ich glaube aber auch, dass es eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigt“, erklärt Union-Trainer Urs Fischer und ergänzt: „Die ist bei jedem Einzelnen anders. Der eine braucht länger, der andere weniger lang.“ Doch bei allem Verständnis wurde in der Sommerpause hausintern auch darüber debattiert, ob bei Becker der Knoten noch platzen würde.

Manager Oliver Ruhnert war es, der sich dabei stark für einen Verbleib des Niederländers einsetzte. Was sich nun auszuzahlen scheint. „Am Schluss halfen ihm auch die Erfahrungen, die er im ersten Jahr machen durfte. In seiner Einstellung und in seinen Entscheidungen hat er dazugelernt. Und auch wir wussten nach einem Jahr, wo wir die Hebel bei ihm ansetzen müssen“, so Fischers Resümee über den Flügelflitzer.

Wie genau er den Cousin von Hertha-Star Javairo Dilrosun schließlich in den Tritt bekam, wollte Fischer aber nicht preisgeben, deutete nur an: „Wir haben bei einigen Dingen angesetzt, auch er hat an sich gearbeitet. Im Moment nutzt er seine Chance, er macht das wirklich gut. Aber weder er noch wir dürfen uns ausruhen.“

Becker kannte keine Defensivaufgaben

Einen weiteren Erklärungsansatz liefert Ruhnert: „Das 4-3-3  wird in Holland komplett anders interpretiert als bei uns. Für mich kam es gar nicht so unerwartet, dass ein Sprinter wie Sheraldo gewohnt ist, nicht nach hinten arbeiten zu müssen, und sich daher umgewöhnen muss.“

Dass der Turbo nicht immer von Begin an zündet, ist bei Spielern aus dem Ausland ohnehin keine Seltenheit. Das ist schon ganz anderen Kickern passiert. Einen Kevin Keegan hätten sie einst beim Hamburger SV nach dem ersten Jahr am liebsten vom Hof gejagt. Zwölf Monate später führte er die Rothosen 1979 zur Meisterschaft.

Auch deshalb nahmen sich die Eisernen Sheraldo Becker zur Brust, zeigten Verständnis für seine Startschwierigkeiten, forderten ihn aber weiterhin. „All sein Verletzungspech war ärgerlich für ihn. Wenn er gesund und fit bleibt, ist er mit Sicherheit ein Spieler, der uns guttut“, hatte Unions Manager Oliver Ruhnert schon in der Sommervorbereitung gesagt und Becker im gleichen Zug in die Pflicht genommen: „Irgendwann muss es Klick machen.“ Das hat es nun getan.