Dass der Fußball ein schnelllebiges Geschäft ist, ließ sich an der Alten Försterei in den Tagen vor dem Auswärtsspiel beim SV Sandhausen (Sonntag, 13.30 Uhr) im positiven Sinne beobachten. Waren die Eisernen zum Ende des vergangenen Spieljahres, nach der schweren Verletzung von Fabian Schönheim und dem feststehenden Abgang von Toni Leistner, noch dringend auf der Suche nach einem neuen Fixstern in der Innenverteidigung, so schwang sich zu Saisonbeginn plötzlich mit Marvin Friedrich ein Eiserner zur Führungskraft auf, der zuvor in Köpenick trotz zwölf Rückrundeneinsätzen eher unter dem Radar der Beobachter gekickt hatte.

Lernen von den Alten

Von den ersten vier Pflichtspielen dieser Saison verpasste der gebürtige Kassler keine Minute. Und während Trainer Urs Fischer neben ihm zunächst auf Michael Parensen, gegen St. Pauli dann auf Florian Hübner setzte, blieb Friedrich in der defensiven Schaltzentrale der Eisernen bislang unangetastet. Wohlgemerkt obwohl gleich sieben eiserne Kaderspieler um seine Position ringen − so viele, wie in keinem anderen Mannschaftsteil. Während mit Lars Dietz bereits ein Konkurrent am Freitag leihweise zu den Sportfreunden Lotte abgegeben wurde, genießt der 22-Jährige die Wertschätzung seines Trainers − zeigt sich aber auch selbstkritisch: „Ich kann noch so viel dazulernen, gerade von den älteren Spielern. Luft nach oben ist immer.“

Dass es bei Friedrich im Moment dennoch richtig rund läuft, ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Eisernen zuletzt umgedacht haben: „Als ich nach Berlin gekommen bin, haben alle vom Aufstieg gesprochen. Jetzt schauen wir nur noch von Spiel zu Spiel, das gibt dem Verein Ruhe.“

Dass Marvin Friedrichs Durchbruch im Profifußball eher früher als später erfolgen würde, war auch bei seinen früheren Vereinen, Schalke 04 und dem FC Augsburg, gefühlter Konsens. So sicherten sich zunächst die Schalker 2016 bei Friedrichs Wechsel in die Fuggerstadt eine Rückkaufoption. Als es ihn im vergangenen Januar schließlich nach Köpenick zog, vereinbarte der FC Augsburg vorsichtshalber die gleiche Klausel mit den Eisernen.

Beeindruckende Reife

Hier besticht Friedrich nicht nur mit starkem Überblick in der Defensive und einem konzentrierten Spielaufbau, sondern mit einer für sein Alter beeindruckenden Reife. Auch deshalb wurde er schon nach einem halben Jahr bei den Eisernen gemeinsam mit Felix Kroos zum Stellvertreter für Kapitän Christopher Trimmel gewählt.

Vor der kommenden schweren Aufgabe beim Tabellenschlusslicht warnt der neue Führungsspieler: „Sandhausen ist eine Charakterfrage, hier tut sich jeder schwer. Das wird ein richtig ekliges Spiel.“ Eines aber, welches er wieder von Beginn an bestreiten wird. Denn so schnelllebig der Fußball ist − Marvin Friedrichs Entwicklung dürfte nachhaltig sein.