Showdown gegen Costa Rica: Warum die Spielerfrauen erst mal außen vor bleiben

Danny Röhl, der Assistent von Bundestrainer Hansi Flick, gibt Einblick, wie sich die DFB-Elf auf das entscheidende Gruppenspiel vorbereitet. Ein Bericht aus Katar.

Bundestrainer Hansi Flick (l.) und sein Assistent Danny Röhl beim Training der Nationalmannschaft
Bundestrainer Hansi Flick (l.) und sein Assistent Danny Röhl beim Training der Nationalmannschaftimago/Perenyi

Danny Röhl brachte die wirklich wichtigen Dinge auf den Punkt, die sich in der Nacht nach dem für alle Beteiligten erfreulichen 1:1 gegen Spanien zugetragen hatten. Der Assistent von Bundestrainer Hansi Flick wurde tags darauf gefragt, ob denn die Spielerfrauen wieder Zugang zum Strand- und Wüstenresort des Deutschen Fußball-Bundes am Persischen Golf erhalten hätten. Röhl antwortete in vollumfänglicher Transparenz: „Die Frauen waren gestern Abend schon da. Deshalb ging es dann auch sehr schnell ins Bett.“

Schwer zu recherchieren, wie es da um die Kondition derjenigen noch stand, die zuvor bis zu 100 Minuten lang jeden noch so beschwerlichen Weg gegen die technisch hochbegabten Spanier gerannt waren. Niemand hatte sich geschont. Bundestrainer Hansi Flick, in den Vortagen bisweilen sichtbar übellaunig, sah plötzlich wieder glücklich aus. Es sei ihm ausnahmsweise großzügig verziehen, dass er in seiner Wortwahl eine Fußballersprache nutzte, die gerade nicht in die Zeit passt: „Wir haben Krieger auf dem Platz, die mit Herz spielen.“

Lob von den Spaniern

Dieses Herzblut hatte Flick zuvor gegen Japan in der entscheidenden Phase vermisst. Das war das große Überthema bei einer Teambesprechung der etwas anderen Art gewesen, als nicht nur der Trainer sprach, sondern jeder Spieler sich äußern durfte. Quintessenz: „Wir müssen mehr Zusammenhalt demonstrieren, auf dem Spielfeld und auch von der Bank aus. Sonst wird das gegen Spanien nichts.“ Gesagt, getan.

Hinterher gab es Hochachtung vom Gegner: „Wir haben gegen eine der besten Mannschaften der Welt gespielt“, sagte Spaniens Torschütze Alvaro Morata und fügte an: „Deutschland gehört zu den Titelfavoriten.“ Nun ja, das ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine kühne Voraussage. Vor allem aber haben sich die deutschen Spieler wieder verschüttgegangenes Vertrauen in sich selbst erspielt.

„Wenn wir diesen Aufwind mitnehmen und noch ein bisschen mehr Selbstvertrauen mitbekommen, kann vieles möglich sein“, sagt Flick. Offenbar hatte der Tiefschlag zum Auftakt fatale Auswirkungen, die nur mit einer „Energieleistung“ (so Thomas Müller) zu überwinden waren. „Die Niederlage gegen Japan“, räumte Ilkay Gündogan ein, „hat uns ein Stück weit einen Knacks gegeben.“

Mehr Bewegung ist gegen Costa Rica gefragt

Dieser Knacks ist jetzt eingerenkt. Am Montagabend mussten alle Frauen wieder abziehen. Denn am Donnerstag (20 Uhr, ARD) wartet mit den ultradefensiven Zentralamerikanern eine ganz andere Aufgabe auf das DFB-Team. „Da brauchen wir mehr Lösungen mit Ball“, sagt Hansi Flicks Vordenker Röhl. „Wir müssen uns viel bewegen, müssen viel Druck machen, dürfen aber auch die Restverteidigung nicht vergessen.“

Ob Mario Götze, der Mann für die kleinen Zwischenräume, dann eine kluge Option wäre? Eine klare Antwort gab es natürlich nicht, der Frankfurter selbst wollte sich nach dem Punkt gegen Spanien, der sich wie ein Sieg anfühlte, nicht zu seiner Situation äußern. Er sieht ja selbst, welch großartige Drehungen und Wendungen Jamal Musiala vollführt, wenn er vom Bundestrainer ins Zentrum geschoben wird.