Sidka kritisiert WM-Kritik: Minister hat „Diener gemacht“

Ein früherer Bundesliga-Trainer kritisiert die Katar-Kritiker. Aber: Die Fußball-WM hätte in allen Golf-Staaten stattfinden sollen.

ARCHIV - Der frühere Spieler und Trainer von Werder Bremen, Wolfgang Sidka.
ARCHIV - Der frühere Spieler und Trainer von Werder Bremen, Wolfgang Sidka.Winnie Schmitz/dpa/Archivbild

Doha-Angesichts der politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Deutschland und Katar hält der frühere Bundesliga-Trainer Wolfgang Sidka die Kritik an der Fußball-WM in dem kleinen Emirat für überzogen. Der 68-Jährige trainierte zwischen 2000 und 2011 zwei Clubteams in Katar sowie die Nationalmannschaften von Bahrain und Irak.

„Ich bin immer wieder gefragt worden: Darf man unter diesen Bedingungen für die Arbeiter vor Ort oder bei der Konfliktlage damals im Irak dort überhaupt den Trainer machen?“, sagte Sidka der Deutschen Presse-Agentur.

„Und ich kann dazu nur sagen: Wie viele Deutsche ich dort getroffen habe und wie viele Firmen dort unterwegs sind, um gerade in Katar Geschäfte zu machen - und jetzt sollen sich gerade Sportler dafür rechtfertigen? Unser Wirtschaftsminister war in Katar, unser Bundeskanzler in Saudi-Arabien - und beide haben einen Diener gemacht. Dass die Arbeiter dort ausgebeutet werden, ist klar. Wie man mit ihnen umgeht, ist nicht richtig. Aber: Diese WM ist auch eine Gelegenheit, dort Einfluss zu nehmen und die Bedingungen zu verbessern.“

Sidka ist seit 2021 Präsident des Drittliga-Aufsteigers VfB Oldenburg, den er 1992 als Trainer beinahe in die Bundesliga geführt hätte. Selbst spielte der gebürtige Berliner in der ersten Liga für Hertha BSC, 1860 München und Werder Bremen. Trainer war er unter anderem bei Werder, dem VfB Oldenburg, Arminia Bielefeld und Tennis Borussia Berlin.

Nach seinen eigenen Erfahrungen in Katar und Bahrain hätte er sich für die Region ein anderes Turnier gewünscht. „Diese WM könnte in allen Staaten am Golf stattfinden“, sagte Sidka. „Ich habe dort unten gearbeitet und weiß, wie fußballverrückt die Menschen dort sind. Das wäre das richtige Signal der FIFA gewesen bei den Problemen, die diese Länder dort untereinander haben.“