Berlin - In der Staffel am Sonntag wurde der Sieger vom Sonnabend geschont. Mit dem Erfolg vom Massenstart im Rücken konnte sich Benedikt Doll das Rennen der deutschen Teamkollegen entspannt von außen anschauen. Auch ohne ihn, Johannes Kühn und die in Antholz aussetzenden Erik Lesser sowie Philipp Nawrath, also ohne vier Olympia-Starter, konnte die deutsche Biathlon-Staffel der Männer bei der Peking-Generalprobe überraschend auf das Podest laufen. In der Besetzung Roman Rees, Philipp Horn, David Zobel und Lucas Fratzscher zeigte das deutsche Team beim Weltcup eine tolle Vorstellung und wurde Dritter. Überlegen sicherte sich Weltmeister Norwegen über die 4x7,5 Kilometer in 1:12:14,7 Stunde den dritten Sieg im vierten Saisonrennen vor Russland.

Doll kocht Johannes Thingnes Bö am Schießstand ab

Das deutsche Männer-Team scheint knapp zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele einen optimalen Formaufbau hinbekommen zu haben. Schon am Vortag schüttelte Benedikt Doll ungläubig den Kopf, später bei der Siegerehrung war der Schwarzwälder nach seinem Coup hin und weg. „Yesss“, schrie der 31-Jährige und nahm seine Langlaufski in der Südtirol Arena liebevoll in den Arm. Keinen anderen als den großen Norweger Johannes Thingnes Bö hatte Doll im letzten Männer-Einzelrennen vor Olympia besiegt, den zwölfmaligen Weltmeister beim Massenstart nicht nur in der Loipe, sondern auch am Schießstand so richtig abgekocht. „Der heutige Tag war auf jeden Fall ein absolutes Highlight. Er macht mich sehr stolz“, sagte Doll.

Zuvor lag Doll nach nur einem Schießfehler über die 15 Kilometer 31,3 Sekunden vor dem Norweger Bö, der dreimal in die Strafrunde musste und am Ende bei der Jagd auf Doll aufgab. Für Doll war es der insgesamt dritte Weltcup-Sieg. Dritter wurde der Norweger Sturla Holm Laegreid (3 Fehler). In der vergangenen Woche war Doll bereits Sprint-Zweiter beim Heimweltcup in Ruhpolding geworden. „Ich bin unfassbar glücklich“, sagte Doll nach seinem ersten Sieg seit über zwei Jahren in der ARD. Später freute er sich über seine Vorstellung am Schießstand. Er habe die Nerven bewahrt, sagte er. Er sei bei sich geblieben und habe sich nicht ablenken lassen. „Und ich habe hintenraus mit einer Null Johannes sozusagen herausgefordert.“

Zum letzten Schießen war der große Favorit aus Norwegen als Erster gekommen, doch er musste in die Strafrunde. Diese Chance nutzte Doll, ging nach seinem fehlerfreien Schießen als Erster mit sieben Sekunden Vorsprung in die Loipe. „Er hat es noch einmal probiert, aber ich habe gewusst, ich habe heute unfassbar gute Ski, läuferisch geht es bei mir auch richtig gut“, sagte Doll. Der Sprint-Weltmeister von 2017 meinte: „Es ist richtig schön, dass es mit dem Sieg aufging und nicht nur mit einem Podestplatz.“ Doll hatte zuletzt am 19. Dezember 2019 den Sprint von Le Grand-Bornand gewonnen.

Jetzt kann Doll die letzte Phase vor den Olympischen Winterspielen in gut zwei Wochen in Peking gelassener angehen. „Mit dem Sieg habe ich Punkte für mein Selbstvertrauen gesammelt. Ich weiß jetzt, dass alles passt, und kann deshalb entspannter in die nächsten Tage gehen“, sagte Doll. Johannes Kühn kam bei seinem Comeback nach seiner Corona-Zwangspause auf Platz 19. Der 30-Jährige hatte nach sechs Strafrunden 3:21,4 Minuten Rückstand auf seinen Mannschaftskollegen ganz oben auf dem Podest. Roman Rees, der ebenfalls sechs Fehler verbuchte, beendete das 15-Kilometer-Rennen auf Rang 21 mit 3:33 Minuten Rückstand.

„Mir ging es nie wirklich schlecht, aber ich habe doch zwei Tage ein bisschen Husten gehabt“, berichtete Kühn über seine Corona-Erfahrungen. Seit Mittwoch letzter Woche sei alles wieder gut. „Das Rennen ist eigentlich dazu da, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Und dann die nächsten zwei Wochen bestmöglich zu nutzen“, sagte Kühn, der im Dezember in Hochfilzen den Sprint gewonnen hatte.

Horn zeigt sich beim Schießen verbessert

Am Sonntag aber konnten er und Doll das Staffelrennen der Teamkollegen entspannt von außen betrachten. Sie sahen, dass zunächst Startläufer Rees als Vierter an Horn übergab. „Mit einem Nachlader war es ein akzeptables Schießen. Es war eine brutal harte letzte Runde. Wie ich es durchgezogen habe, das war ganz in Ordnung“, sagte Rees, der genau wie Zobel für die Winterspiele nominiert wurde.

Der zuletzt am Schießstand nicht so ganz überzeugende Horn benötigte keine Reservepatrone. „Ich bin superglücklich, endlich mal wieder ohne Nachlader durchgekommen zu sein“, sagte Horn, der gerade erst eine Magen-Darm-Erkrankung überstanden hat. Zweimal musste dann der auf Position drei laufende Zobel nachladen. „Das war ein Traumtag, es hat wirklich Spaß gemacht. Ich bin wortwörtlich bis zum Kotzen gelaufen“, sagte Zobel. Schlussläufer Fratzscher war kurz vor Schluss sogar Zweiter, ehe er doch noch überholt wurde.