Siegemund verpasst Achtelfinale nach großem Kampf, Djokovic beißt sich durch

Laura Siegemund verlässt erhobenen Hauptes die Australian Open, die ohne deutsche Beteiligung weitergehen. Novak Djokovic erreicht das Achtelfinale.

Laura Siegemund (r.) musste sich Caroline Garcia knapp geschlagen geben.
Laura Siegemund (r.) musste sich Caroline Garcia knapp geschlagen geben.AP/Asanka Brendon Ratnayake

Als Laura Siegemund nach dem hitzigen Duell mit einer Turnierfavoritin erhobenen Hauptes die Arena verließ, brandete Applaus auf. Die deutsche Tennisspielerin bedankte sich beim Publikum und lächelte. Nicht glücklich, aber zufrieden mit ihrer Leistung. Die Weltranglisten-158. hatte der an Nummer vier gesetzten Französin Caroline Garcia im Drittrundenmatch alles abverlangt und ihr erstes Achtelfinale bei den Australian Open nach dem 6:1, 3:6, 3:6 nur knapp verpasst.

„Ich bin immer noch enttäuscht, denn ich habe gut gespielt und Chancen gehabt, mehr erreichen zu können“, sagte die 34-Jährige zweieinhalb Stunden nach dem letzten Ballwechsel: „Ich muss aber stolz auf meine Leistung und mein ganzes Turnier sein.“ Es sei „gigantisch“ gewesen, „solche tollen Tennismomente“ in der vollen Kia-Arena noch einmal erleben zu dürfen.

Bundestrainerin Barbara Rittner ist beeindruckt

Auch Bundestrainerin Barbara Rittner war beeindruckt. „Hut ab, sie hat ein tolles Turnier gespielt“, sagte die Eurosport-Expertin, die Siegemund auch in Zukunft noch öfter im Einzel sehen würde, „denn das hat richtig Spaß gemacht“. Die Schwäbin wollte eigentlich ihren Fokus noch stärker aufs Doppel richten, kommt nun aber „ein bisschen ins Grübeln“.

Die zweite Wettkampfwoche beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres geht dennoch erstmals seit 2010 ohne deutsche Einzel-Beteiligung über die Bühne. Acht deutsche Spieler und Spielerinnen waren bereits an der Auftakthürde gescheitert, Olympiasieger Alexander Zverev folgte in der zweiten Runde. Siegemund war die einzige positive Überraschung.

Sie wollte gegen die große Favoritin „aktiv“ und „variabel“ spielen und sich „nicht auf ihr Power-Tennis einlassen“ – und das gelang ihr anfangs hervorragend. Bei der Deutschen, die am vierten Tag nacheinander auf dem Hartplatz stand, war von Müdigkeit nichts zu sehen. Sie machte zunächst wenig Fehler und nahm Garcia im ersten Satz zweimal den Aufschlag ab.

Ab dem zweiten Durchgang fing sich Garcia, die US-Open-Halbfinalistin setzte sich mit ihrer größeren Qualität knapp durch. Am Ende wurde es beim Stand von 3:5 und Einstand hitzig, als der Schiedsrichter die deutsche Spielerin zum zweiten Mal wegen einer Zeitüberschreitung vor dem Aufschlag ermahnte und ihr den ersten Aufschlag wegnahm. „Niemand würde das bei Rafa machen“, schimpfte Siegemund in Anspielung an Tennisstar Rafael Nadal mit dem spanischen Schiedsrichter. Beim Punktgewinn direkt danach jubelte Siegemund exzessiv.

Siegemund hatte ihr Soll mit dem Einzug in die dritte Runde bereits übererfüllt. Die Weltranglisten-158. aus Metzingen richtet ihre Turnierplanung seit ihrer schweren Knieverletzung hauptsächlich aufs Doppel aus. Dort war sie jedoch in Melbourne bereits am Freitag mit ihrer belgischen Partnerin Kirsten Flipkens in der ersten Runde ausgeschieden.

Angeschlagener Novak Djokovic beißt sich durch

Turnierfavorit Novak Djokovic erreichte derweil das Achtelfinale – sein Fitnesszustand sorgt aber weiter für Gesprächsstoff. Der serbische Tennisstar setzte sich gegen den Bulgaren Grigor Dimitrov mit 7:6 (9:7), 6:3, 6:4 durch, musste sich jedoch erneut wegen seiner Oberschenkelprobleme behandeln lassen.

Nach zwei spektakulären Fünfsatzsiegen fehlte dem Briten Andy Murray in seinem Drittrundenmatch gegen den Spanier Roberto Bautista Agut die Kraft für eine erneute Aufholjagd. Der dreimalige Grand-Slam-Turniergewinner schied nach dem 1:6, 7:6 (9:7), 3:6, 4:6 aus.

Doppelspieler Andreas Mies erreichte dagegen beim ersten Grand-Slam-Auftritt mit seinem neuen Partner John Peers das Achtelfinale. Der zweimalige French-Open-Gewinner setzte sich am Samstag an der Seite des Australiers gegen André Göransson aus Schweden und Marc-Andrea Hüsler aus der Schweiz mit 6:4, 7:6 (7:5) durch. Im Kampf um das Viertelfinal-Ticket treffen die an Nummer 14 gesetzten Mies/Peers auf die australischen Qualifikanten Alex Bolt und Luke Saville.