Berlin - Den Corona-Schock verarbeitete Silvio Heinevetter mit einem Eierpunsch. Der Keeper der deutschen Handballer schüttelte den Kopf, fasste sich an die Stirn – und genehmigte sich dann einen Kurzen. „Eggnog (Eierpunsch) soll helfen“, schrieb Heinevetter zu dem kurzen Video bei Instagram – nachdem das Virus auch ihn erwischt hatte.

Neben dem prominenten Torhüter sind bei der zuletzt schon arg coronagebeutelten MT Melsungen auch der ebenfalls für die WM nominierte Timo Kastening sowie Yves Kunkel betroffen – glücklicherweise mit nach Klubangaben „maximal leichten Symptomen“. Das für Dienstag geplante Ligaspiel gegen den TVB Stuttgart wurde abgesagt, alle MT-Spieler begaben sich in häusliche Isolation.

Während die zweite Team-Quarantäne in Melsungen als „echter Schock“ (Geschäftsführer Axel Geerken) aufgenommen wurde, sind die Auswirkungen für das DHB-Team noch nicht abzusehen. Je nachdem, welche Isolationszeit vom örtlichen Gesundheitsamt festgelegt wird, könnten sämtliche deutsche MT-Nationalspieler, zu denen neben Heinevetter und Deutschlands Handballer des Jahres Kastening auch Kai Häfner, Tobias Reichmann und Julius Kühn gehören, den Start der WM-Vorbereitung am 3. Januar verpassen.

Beim Deutschen Handballbund (DHB) reagierten die Verantwortlichen am Dienstag besonnen auf den neuen Corona-Wirbel. „Axel Geerken hat uns nach Eingang der Testergebnisse direkt kontaktiert, woraufhin wir auch mit den Spielern in Kontakt getreten sind“, sagte Sportvorstand Axel Kromer: „Wir sind bester Hoffnung, dass die Infektion ohne Symptome bleibt und gehen von einer rechtzeitigen Genesung aus.“

Zur Erinnerung: Bei Frauen-Bundestrainer Henk Groener hatte ein wochenlang positives Testergebnis eine gemeinsame Turnier-Vorbereitung mit dem Team und auch zunächst die Anreise zur EM nach Dänemark verhindert.

Drei Wochen vor dem Abflug zur WM nach Ägypten bleibt das Thema Corona in der Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason damit ein hochaktuelles. „Wir haben die Spieler darauf hingewiesen, dass wir von ihnen erwarten, dass sie sich schon im Vorfeld des 3. Januars für fünf Tage in Isolation begeben“, sagte Kromer. Ein ähnlicher Ausbruch wie im November, als im Anschluss an einen DHB-Lehrgang die positiven Tests von vier Nationalspielern öffentlich geworden waren, soll unbedingt vermieden werden.

Damals wie heute betroffen: Die MT Melsungen. Schon wegen ihrer ersten coronabedingten 14-tägigen Zwangspause, als es Kapitän Finn Lemke erwischt hatte, haben die ambitionierten Nordhessen vier Spiele weniger absolviert als einige Liga-Kontrahenten – und nun dürfte neben der Stuttgart-Partie auch das Spiel am zweiten Weihnachtstag in Ludwigshafen ausfallen.

„Wir denken jetzt überhaupt nicht daran, wie es für uns in der Liga weitergeht, sondern das Wichtigste ist, dass sich die betroffenen Spieler in Ruhe und vollständig erholen“, sagte MT-Vorstand Geerken.

Heinevetters Rezept zur Selbsthilfe hat sich jedenfalls schon herumgesprochen. Kastening nahm den Eierpunsch-Hinweis seines Kumpels sofort auf. „Wie war das?“, schrieb der Rechtsaußen bei Instagram an Heinevetter gerichtet und postete seinerseits ein kurzes Glas, garniert mit den Emojis eines lachenden Smileys und SOS: „Eggnog hilft?“