Simon Ernst hat den Willen, bald wieder mit den Füchsen auf dem Feld zu stehen.
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BerlinEs liegt im Naturell des Leistungssportlers, seinen Körper stets an die Grenzen und manchmal darüber hinaus zu treiben. Der Handballer Simon Ernst ist dafür ein Paradebeispiel. Nachdem sich der Profi der Füchse im Oktober letzten Jahres seinen dritten Kreuzbandriss zugezogen hatte, rechneten viele mit dem Karriereende. Am Mittwoch gab der 26-Jährige nun allerdings offiziell bekannt, dass er sein Comeback anstrebt und zum Saisonstart der Bundesliga am 1. Oktober fit und einsetzbar sein will.

„Es ist keine Überraschung, dass ich Gedanken ans Aufhören hatte. Unmittelbar danach war es die schwerste Zeit“, blickt Ernst zurück, „aber mit jedem Schritt, den es besser lief, kribbelte es auch wieder in den Fingern.“ Kontinuierlich verwandelte sich die anfängliche Frustration in Motivation, schließlich wurde aus Zuversicht die Gewissheit, noch einmal eine Rückkehr auf das Parkett zu forcieren. Anders als nach seinen Knie-Verletzungen 2017 und 2018 in Gummersbach schlug der Spielmacher dieses Mal den Weg einer konservativen Behandlungsmethode ein, verzichtete auf eine Operation und fokussierte den muskulären Aufbau. Anscheinend mit Erfolg. Nach der Zustimmung der Ärzte stieg Ernst am Freitag zusätzlich zur Rehabilitation zum Saisonstart ins Mannschaftstraining ein.

„Neben der sonst eher trockenen Reha ist es natürlich schön, mal wieder handballspezifische Übungen zu machen“, erzählt der 39-fache Nationalspieler, der auch von Bundestrainer Alfred Gislason Zuspruch für seine Entscheidung erhalten hatte. „Wenn man den Ball in der Hand hat, denkt man nicht mehr nach. Das läuft wie blind. Das verlernt man genauso wenig wie Fahrrad fahren“, sagt der Spielmacher. Bedenken über eine eventuelle erneute Verletzung würden beim Trainieren in den Hintergrund treten, die Finte im Eins-gegen-Eins sei einfacher als die ersten Gehversuche.

Für die Füchse wäre Ernsts Genesung eine langersehnte Verstärkung für den Rückraum und die bestmögliche Ergänzung der deutschen Achse um Paul Drux, Fabian Wiede und Marian Michalczik. „Ich bin unheimlich froh, dass Simon wieder zum Kader gehört“, sagt Sportvorstand Stefan Kretzschmar, „er wird oft unterschätzt, ist von der Mentalität her ein absoluter Anführer. Nicht nur aus sportlicher Sicht ist er für uns ein sehr wichtiger Baustein, sondern gleichermaßen als Persönlichkeit.“

Neben Ernst beziehen derzeit nur der Allrounder Mattias Zachrisson und der Mittelmann Fabian Wiede, die beide noch Schulterverletzungen auskurieren, zusätzliche medizinische Behandlungen. Wiede nimmt allerdings ebenfalls bereits am Mannschaftstraining teil. Ein Grund mehr, dass bei den Füchsen der Traum von der Champions League trotz der coronabedingten erschwerten Verhältnisse weiterlebt. Ein Traum, der Kretzschmar zufolge zwar „sehr ambitioniert“ sei, aber den er „optimistisch“ betrachte.

Gegen einen Auftritt in der Königsklasse hätte sicherlich auch Ernst nichts einzuwenden. Doch der gebürtige Rheinländer versucht sich zunächst kurzfristige Ziele zu setzen und sich auf seinen Körper zu konzentrieren. „Ich bin mir bewusst, dass es keine Garantie gibt,“ räumt er ein, „doch die Leidenschaft ist noch zu einhundert Prozent da. Das ist der Grund, warum ich so verrückt bin und es noch einmal probiere.“