BerlinSimon Ernst versucht, sich so gut wie möglich die Zeit in der eigenen Wohnung zu vertreiben. Seit dem zweiten Corona-Fall befinden sich er und die anderen Spieler der Füchse seit Freitag in Quarantäne. Aktuell kann er nur darauf warten, dass nach der ersten negativen Testreihe die zweite Untersuchung am Donnerstag zum gleichen Resultat führt und er wieder das Training aufnehmen kann. Eine sportliche wie mentale Herausforderung.

Da nach Marian Michalczik auch Milos Vujovic das Virus von der Nationalmannschaftsreise mitgebracht hatte, blieb den Berlinern nichts anderes übrig, als ihre Vorbereitung für das Spiel am Sonnabend in Düsseldorf gegen den Bergischen HC (18.30 Uhr) ins Homeoffice zu verlegen. Für die Krafteinheiten wurden Hanteln und Stretchbänder zur Verfügung gestellt, Taktikbesprechungen werden über Videoschalten durchgeführt. Der Ball muss allerdings ruhen. „Klar fehlt es, dass wir nicht das tun können, was wir gerne machen“, sagt Ernst, „aber das geht der Unterhaltungsbranche nicht anders, und es gibt viele Schicksale, die das mindestens in dem gleichen Maß betrifft.“ Der Illusion, dass der Handball von Infektionen befreit bleiben würde, hatte er sich gar nicht erst hingegeben.

Simon Ernst: Viele Interessen treffen aufeinander

Der Respekt vor dem Virus ist indes groß, vor allem da zuletzt – wie zum Beispiel beim Nationalspieler Juri Knorr – von schweren Krankheitsverläufen bei Sportlern berichtet wurde. „Darüber denkt man natürlich nach“, erklärt der 26-Jährige. Doch er hat Zuversicht in das Hygienekonzept und die regelmäßigen Testungen an der Charité. Deswegen positioniert er sich sich im Streit um die Durchführbarkeit internationaler Begegnungen deutlich: „Im Idealfall können wir alle Wettbewerbe spielen.“

Er weiß aber gleichermaßen, dass hier viele Interessen aufeinandertreffen, und setzt darauf, „dass gute Entscheidungen von den Verantwortlichen getroffen werden – in erster Linie in gesundheitlicher Hinsicht und genauso wirtschaftlich den Vereinen entsprechend“. Ein schwieriger Spagat in einer extremen Situation. Die Mitsprache der Spieler ist für ihn dabei gegeben: „Man sieht beispielsweise in Amerika, dass die Sportler gewerkschaftlich organisiert sind. Das gibt es auch in der Handball-Bundesliga, allerdings noch nicht in diesem Ausmaß. Aber wir haben durchaus die Option, uns einzubringen.“ Ernst fühlt sich jedenfalls in seinen Interessen vertreten.

Bei der ganzen Kontemplation der aktuellen Lage ist es seiner Meinung nach jedoch ebenso wichtig, von Zeit zu Zeit abzuschalten. Sein Masterstudium „Digital Management and Transformation“ bietet dahingehend nicht weniger eine willkommene Ablenkung als die neu entdeckte Liebe fürs Backen. Auf dem Feld treten die Sorgen dann ohnehin in den Hintergrund – und dahin will Ernst so schnell wie möglich zurück.