Berlin - Daniela Maier hatte sich nach dem abgesagten Skicross-Weltcup in Russland gerade umorientiert, als sie erfuhr, dass sie keine olympische Medaillengewinnerin mehr ist. „Ich bin von der neuen Situation ehrlich gesagt überrascht“, sagte die Skicrosserin nach der Entscheidung des Ski-Weltverbandes (Fis), ihr die in Peking gewonnene Bronzemedaille abzuerkennen. Zudem, so Maier, sei sie „gespannt, was nun passiert“. Sie werde mit dem Deutschen Skiverband (DSV) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) alle juristischen Mittel prüfen.

Ihr dritter Platz, den sie nach dem emotionalen Finale im Genting Snowpark von der Rennjury nach einem Videobeweis zugesprochen bekommen hatte, ist jedenfalls erst mal weg. Die Berufungs-Kommission der Fis gab einem Protest des Schweizer Skiverbandes Swiss Ski statt, die Medaille ginge somit an die Schweizerin Fanny Smith. Diese war nach dem Finale wegen Behinderung von Maier zunächst auf Rang vier zurückgestuft worden.

Der DSV prüft rechtliche Schritte

Der DSV will die Entscheidung der Fis nicht so stehen lassen und für Maier kämpfen. „Wir werden in Abstimmung mit dem DOSB alle rechtlichen Schritte prüfen“, sagte DSV-Präsident Franz Steinle. Der DSV würde wohl bis zum Internationalen Sportgerichtshof gehen.

Was mit der Bronzemedaille geschieht, liegt abschließend in den Händen des Internationalen Olympischen Komitees. Das IOC hat bereits angekündigt, den Fall prüfen zu wollen, wenn alle Prozesse auf Fis-Ebene beendet sind. Es ist auch eine Vergabe von zwei Bronzemedaillen denkbar.

Die Berufungs-Kommission der Fis nahm die Videoaufzeichnungen des Rennens nach eigenen Angaben bei vier Sitzungen über Stunden hinweg in Augenschein und überprüfte auch schriftliche Aufzeichnungen. Ursprünglich war eine Aktion von Smith kurz vor dem Ziel nachträglich als Behinderung Maiers mit einer Gelben Karte geahndet worden – sie wurde nach langwierigen Beratungen auf Rang vier zurückgesetzt.

Fis spricht von Berührung im normalen Renngeschehen

Smith war kurz vor dem Ziel mit ihrem linken Ski klar erkennbar in die Fahrlinie von Maier geraten und hatte die Deutsche damit behindert – die Fis wertete dies nun jedoch als eine Berührung im normalen Renngeschehen, „die nicht zu verhindern gewesen“ sei und demzufolge lediglich eine „Offizielle Warnung“ hätte nach sich ziehen dürfen.

„Ich bin natürlich erleichtert über diesen Entscheid“, wird Smith in einer Mitteilung von Swiss Ski zitiert. Sie sei stets überzeugt gewesen, „dass ich keinen Fehler gemacht habe. Gleichzeitig schmerzt es mich aber für Daniela Maier, welche nun die Leidtragende der Situation ist“.

Tatsächlich hatte auch Maier nach dem Zieleinlauf die fragliche Situation nicht als strafwürdig für ihre Konkurrentin angesehen. „Nein, nein, nein, nein, nein“, rief sie während der minutenlangen Überprüfung der Szene durch die Rennjury und schüttelte immer wieder den Kopf: „Das war ganz normales Skicross.“