Geiger gelingt starker Tournee-Start bei Sprung-Party – Granerud siegt

Während Karl Geiger knapp das Podest verpasst, denkt Markus Eisenbichler bereits über einen Tournee-Abschied nach. Katharina Althaus wird in Villach Zweite.

Der Norweger Halvor Egner Granerud jubelt nach seinem Sieg beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf.
Der Norweger Halvor Egner Granerud jubelt nach seinem Sieg beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf.dpa/Angelika Warmuth

Karl Geiger ließ sich nach einer packenden Wintersport-Show von 25.000 völlig begeisterten Fans im Skisprung-Tollhaus Oberstdorf feiern: Der Lokalmatador bescherte dem deutschen Team einen unerwartet guten Start in die 71. Vierschanzentournee. Geiger musste sich am Donnerstag als Vierter nur dem überragenden norwegischen Sieger Halvor Egner Granerud sowie den beiden Polen Piotr Zyla und Dawid Kubacki geschlagen geben. Andreas Wellinger landete auf Rang sechs. Geiger erarbeitete sich eine gute Ausgangsposition für den weiteren Tournee-Verlauf. Auch Wellinger konnte mit seinem Start sehr zufrieden sein.

„Mir ist ein richtig guter Sprung gelungen“, sagte Geiger zu seinem Satz auf 134 Meter bei schwierigen Bedingungen im zweiten Durchgang. Zuvor hatten die besten Springer wegen wechselnder Verhältnisse lange warten müssen. Insgesamt dauerte der Wettkampf fast zweieinhalb Stunden. „Ich bin schon zufrieden mit dem Tag“, sagte Geiger.

Karl Geiger erlebt bislang eine durchwachsene Saison

Der 29-Jährige erlebt bislang eine eher durchwachsene Saison. Im vergangenen Jahr war der Team-Weltmeister noch im Gelben Trikot des Spitzenreiters im Gesamtweltcup auf seiner Heimschanze angetreten. Diesmal startete er als Siebtplatzierter. Ein dritter Rang in Titisee-Neustadt als bislang einziger Podestplatz in dieser Saison ist für die Ansprüche des Skisprung-Tüftlers eigentlich zu wenig.

Weite Flüge bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg sowie ein gelungener Qualifikationstag nach der Weihnachtspause mit seiner Frau Franziska und seiner Tochter Luisa ließen das Vertrauen in die eigene Stärke aber wieder wachsen. Obwohl Geiger nicht zu den Topfavoriten zählte, war die Vorfreude auf den Tournee-Auftakt in seinem sportlichen Wohnzimmer riesig gewesen. „Das ist ein großes Privileg, das ich sehr zu schätzen weiß“, sagte Geiger zur Fan-Unterstützung. „Voll geil!“

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie erlebten die Athleten beim Allgäuer Skisprung-Festival wieder Partystimmung vom Feinsten. Schon lange bevor der erste Springer abhob, feierten die Fans in den Straßen und Gassen des ansonsten so beschaulichen Ortes. 25.000 Skisprungfans in dem 10.000-Einwohner-Ort bedeuteten Ausnahmezustand. Blaskapellen vor den Kneipen, eine Open-Air-Bühne, sogar die Polizei sorgte für Volksfestatmosphäre: Aus den Lautsprechern auf einem großen Polizeitransporter am Bahnhof schallten den Menschen Schlagermusik und Partyhits entgegen.

Überhaupt nicht in Feierlaune war Markus Eisenbichler. Der Dreifach-Weltmeister von Seefeld 2019 steckt seit Wochen in einer sportlichen Krise und erlebte seinen nächsten Tiefpunkt. Für den 31-Jährigen war der Wettkampf bei wechselnden Winden nach einem Sprung auf nur 115 Meter bereits nach dem ersten Durchgang beendet.

„Da glaubst du wirklich, da läuft der Mist jetzt auch noch bergauf“, sagte der frustrierte und ratlose Eisenbichler im ZDF. „Die Verfassung stimmt hinten und vorne nicht“, ergänzte der emotionale Bayer. Angesichts seiner anhaltenden Leistungsprobleme denkt er sogar über eine Pause nach. „Ich muss mal mit den Trainern reden, ob es Sinn macht, sich noch weiter zu quälen“, sagte er. Neben Geiger und Wellinger holten auch Philipp Raimund (14. Platz), Stephan Leyhe (20.) und Constantin Schmid (29.) noch Weltcup-Punkte.

Katharina Althaus belegt in Villach Platz zwei

Eine Tournee der Frauen gibt es auch in diesem Jahr nicht. Dafür waren die Skispringerinnen um Katharina Althaus beim Silvester-Turnier im Einsatz. Die 26-Jährige belegte  im österreichischen Villach nach Sprüngen auf 92 und 92,5 Meter den zweiten Platz und musste sich nur der Österreicherin Eva Pinkelnig geschlagen geben. Pinkelnig sprang 94,5 und 94,5 Meter, sie führt sowohl den Gesamtweltcup als auch das Silvester-Turnier an. Nach den beiden Wettbewerben in Österreich stehen weitere Springen im slowenischen Ljubno an.

Hinter Althaus sprangen auch Selina Freitag als Vierte und Anna Rupprecht auf Rang fünf auf hohem Niveau. Rupprecht befand sich an ihrem 26. Geburtstag nach dem ersten Durchgang (92,5 Meter) noch auf Podestkurs, patzte dann aber im zweiten Sprung (88,5 Meter). „Eva springt einfach richtig gut. Wir sind aber super happy. Katharina hat einen superstarken Auftritt hingelegt, Selina und Anna auch“, sagte Bundestrainer Maximilian Mechler im ZDF. „Ich bin superglücklich.“ Althaus selbst sagte: „Es war deutlich besser heute, ich bin zufrieden. Ich freue mich jetzt auf Ljubno.“

Tagesdritte wurde die Slowenin Nika Kriznar. Bereits am Mittwoch hatte Pinkelnig das Einzel für sich entschieden. Das Silvester-Turnier gilt als aktueller Ersatz für eine Vierschanzentournee, die es für die Frauen frühestens in der Saison 2024/25 geben soll.