Beim Internationalen Skiverband (Fis) hatten sie das Thema der dürren Springer, die hungern bis sie an der Grenze zur Magersucht sind, längst abgehakt. Auch, weil die Entwicklung der Sportart zuletzt dahin ging, dass es mehr auf den Absprung denn auf die Flugphase ankommt und kräftigere, muskulösere Athletentypen gefragt sind. Das Feld ist schwerer geworden, als es einmal war. Und so schien das Thema Hungerwahn beinahe schon ein Gespenst aus der Vergangenheit zu sein.

Athleten wie Sven Hannawald oder die beiden Finnen Janne Ahonen und Ville Kantee (51 Kilogramm bei 1,79 Meter Körpergröße war Kantees Rekord) hatten darauf seinerzeit in aller Ausführlichkeit aufmerksam gemacht. Und selbst Martin Schmitt hatte vor den Olympischen Spielen 2010 Probleme mit seinem leichten Gewicht. Er machte vier Wochen Pause. Der Grund: ein Erschöpfungssyndrom – verursacht durch den permanenten Zwang zum Hungern. Seither hat die Fis den Body-Mass-Index (BMI) auf 18,5 erhöht. Und seither war es um dieses Thema still.

Maximale Aufmerksamkeit

Aber jetzt, wo die Olympischen Spiele maximale Aufmerksamkeit garantieren, hat es Andreas Bauer, der Bundestrainer der deutschen Skispringerinnen, wieder in den Raum gestellt. Von seiner Persönlichkeitsstruktur ist Bauer nun kein Mensch, der sich grundlos in den Vordergrund drängt. Wenn der sonst eher stille Allgäuer im Kampf gegen viel zu leichte Leichtgewichte härtete Maßnahmen fordert, dann gibt es da noch immer ein grundlegendes Problem. Dann hat Bauer eine Lücke im System entdeckt. Er fordert, dass Athleten mit einem BMI von unter 18,5 von der Fis ein Startverbot erhalten.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt ein Mensch mit dem BMI-Index von 18 als an der unteren Grenze normal. Die Fis legt 18,5 zugrunde. Und alle Springer, die darunter liegen, bestraft der Weltverband mit einer Verkürzung ihrer Ski, um damit die Tragfläche zu verkleinern. Viele Sportler, bei den Männern ebenso wie bei den Frauen, handeln trotzdem noch immer nach dem Grundsatz: leichter fliegt weiter. Sie wagen sich auf eine Gratwanderung, um beim Springen keinen Nachteil zu haben. So wiegt etwa die amerikanische Weltmeisterin Sarah Hendrickson bei 1,61 Metern Körpergröße laut offizieller Angabe nur 44 Kilogramm.

„Wenn die Weltgesundheitsorganisation einen Wert als Grenze festlegt und alles darunter als ungesund definiert wird, dann sollte dieser auch eingehalten werden“, sagt Bauer nun. Fis-Renndirektor Walter Hofer argumentiert dagegen: „Wenn ein Athlet einen BMI von 16 hat und sich subjektiv als gesund empfindet, wird er einen Rechtsanwalt in New York finden, der sagt: Der Athlet ist gesund. Er darf starten und wir dürfen ihm nicht seine Arbeit verweigern. Das hat ja eine hohe rechtliche Konsequenz.“

Da hat er wohl recht. Aber zu wenig Körpergewicht muss ja nicht gleich mit Arbeitsverbot geahndet werden. Viel einfacher wäre es doch damit getan, den BMI-Wert noch weiter nach oben zu setzen. Oder gleich Verstöße gegen die BMI-Regel einfach mit härteren Kürzungen der Skilängen zu strafen.