Skiunfall Michael Schumacher: Michael Schumacher nach Skiunfall lebensgefährlich verletzt

Erst am späteren Sonntagabend bestätigten sich alle Befürchtungen nachdem sich den ganzen Tag über die Nachrichtenlage immer mehr zugespitzt hatte. Michael Schumacher, deutscher Rekordweltmeister der Formel 1, kämpft nach einem schweren Skiunfall in den französischen Alpen um sein Leben. Er stürzte fünf Tage vor seinem 45. Geburtstag beim Skifahren in Méribel in der früheren Olympia-Region Hoch-Savoyen offenbar so schwer, dass er nach Angaben seines Managements „ein Kopftrauma mit Koma“ erlitt. Trotz Notoperationen konnten die Ärzte gestern auch zwölf Stunden nach dem Unfall noch keine Entwarnung geben.

Für gewöhnlich bedeutet das Karriereende eines Formel-1-Fahrers, dass sich seine Familie weniger Sorgen machen muss. Das Leben scheint weniger in Gefahr, wenn einer nicht mehr mit anderen und über 300 Stundenkilometern um die Wette rast.

Allerdings gibt es auch viele Beispiele dafür, dass Piloten ihren ständigen Adrenalinrausch auch später kompensieren müssen. Als Michael Schumacher sich 2006 von Ferrari und das erste Mal aus der Formel 1 verabschiedete, versuchte er sich als professioneller Motorrad-Pilot. 2009 stürzte er dabei so schwer, dass eine Fraktur im Bereich der Schädelbasis und eine weitere in der Halswirbelsäule zuzog. Wie schwer die Verletzungen waren, erfuhr die Öffentlichkeit erst nach und nach, vor allem auch durch die langwierigen Nachwirkungen, die sich bis in das Jahr 2010 zeigten, als Schumacher bei Mercedes sein Comeback in der Formel 1 gab.

Nun müssen Familie, Freunde und Fans sich wieder um Schumacher sorgen. Ein Jahr nach seinem endgültigen Abschied aus der Formel 1 verletzte sich der frühere Rennfahrer am Sonntagvormittag um 11.07 Uhr beim Skifahren in Frankreich schwer. Weil sein Umfeld gestern bis zum späten Abend keine genauen Angaben über Unfallhergang und die Konsequenzen machte, war der Gesundheitszustand Schumachers lange unklar.

Offenbar war Schumacher jenseits der Piste in Méribel im Dreiländereck von Frankreich, Italien und der Schweiz in Begleitung unterwegs gewesen. Dass sein 14 Jahre alter Sohn Mick mit ihm fuhr, wurde nicht bestätigt, nur dass Schumacher offenbar mit einem Felsen kollidierte und trotz eines Helms schwere Kopfverletzungen erlitt. Die Polizei sprach von „einem technischen Fehler“, der auf einer Kreuzung der roten Piste Chamois mit der blauen Piste Biche zum Unfall geführt habe.

Es heißt, bereits um 11.15 Uhr, acht Minuten nach dem Unfall, sei Hilfe bei ihm gewesen. Schumacher sei mit dem Helikopter dann ins Krankenhaus nach Albertville-Moûtiers geflogen worden, zwar in einem Schockzustand, aber bei Bewusstsein, sagte der örtliche Stationschef Christophe Gernignon-Lecomte.

Er veranlasste umgehend um 12.45 Uhr Schumachers Verlegung in die Universitätsklinik von Grenoble. Deren Sprecher bestätigte lediglich, dass Schumacher am Kopf verletzt worden ist.

Die Klinik ließ dann offenkundig einen Spezialisten einfliegen. Nach ersten Untersuchungen im Traumazentrum von Grenobles CHU-Klinik traf am Nachmittag mit einer Polizeieskorte Professor Gérard Saillant ein. Der frühere Leiter einer Abteilung für Orthopädie und Traumatologie an der Pariser Klinik Pitié-Salpétrière, gründete ein Institut zur Behandlung von Hirn-Erkrankungen, das er auch leitet.

Saillant kennt Michael Schumacher offenkundig von einem früheren Unfall. Er soll den Formel-1-Fahrer nach dessen schwerer Havarie mit dem Ferrari beim Großen Preis von England in Silverstone behandelt haben. Schumacher hatte 1999 einen Schien- und Wadenbeinbruch erlitten, als bei seinem Wagen die Bremsen bei einem Tempo von 107 Stundenkilometern, wie die Telemetriedaten Ferraris bewiesen, versagten und Schumacher in einen Reifenstapel krachte.

Vor dem Krankenhaus wurden Sicherheitsabsperrungen aufgebaut. Es trafen Fans ein mit Ferrari-Devotionalien. Auch Schumachers früherer französischer Kollege Olivier Panis eilte nach Grenoble und kam abends im Krankenhaus an. Er sagte, er sei „beunruhigt“ über den Gesundheitszustandes seines Freundes. Französische Medien meldeten dann in der Nacht, dass Schumacher eine Gehirnblutung erlitten habe. Radio Monte Carlo berichtete, seine Ehefrau Corinna, mit der Schumacher seit 1995 verheiratet ist, und seine beiden Kinder Gina-Maria und Mick seien bei ihm Krankenhaus. Die Familie lebt in der Schweiz.

Kurz vor halb elf gestern Nacht gab es schließlich die erste offizielle Erklärung zum Gesundheitszustand Schumachers, die die dramatischen Ondits bestätigte: Der deutsche Rekordweltmeister der Formel 1, der sieben Titel und 91 Rennsiege schaffte, befindet sich nach seinem Skiunfall in Lebensgefahr. Laut einer Mitteilung seines Managements erlitt Schumacher beim Unfall „ein Kopftrauma mit Koma, das umgehend eine neurochirurgische Behandlung erforderte“. Trotz der Behandlung in der Universitätsklinik von Grenoble und des operativen Eingriffs schrieb das Management gestern Nacht: „Michael Schumacher bleibt in einem kritischen Zustand.“ (mit dpa, AFP, sid)