Trotz mit einer Mütze dem ungemütlichen Frühlingswetter: Union-Coach Urs Fischer beim Training in der Sportschule Barsinghausen.
Foto: Matthias Koch

 BarsinghausenMorgens halb zehn in Barsinghausen: Im Trainingslager des 1. FC Union trudeln die ersten Spieler auf dem am besten gepflegten Platz der Sportschule des Niedersächsischen Fußballverbandes ein. Verteidiger Christopher Lenz und Mittelfeldspieler Manuel Schmiedebach frösteln. Sie vermissen die Wärme des sommerlichen Wochenendes. Doch am Montagvormittag betragen die Außentemperaturen nur noch sieben, acht Grad. Dazu weht ein ziemlich eisiger Wind.

Wer clever ist, trägt Mütze. Cheftrainer Urs Fischer und seine beiden Assistenten Markus Hoffmann und Sebastian Bönig haben am dritten Tag des Aufenthalts in Barsinghausen vorgesorgt und eine Kopfbedeckung übergestülpt. Das Trio baut mit Stangen die Bereiche für die ersten Übungen auf – lange bevor der Großteil der 27 mitgereisten Akteure das Übungsgelände erreicht.

Die Anlage ist auf den Längsseiten von Bäumen und einem Wäldchen umgeben. Vögel zwitschern. Das Sporthotel Fuchsbachtal, in dem die Profis sowie die 14 Trainer und Betreuer untergebracht sind, trohnt über den drei Trainingsflächen – fast wie ein Schloss.

Die Abgeschiedenheit für das von der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorgeschriebene Quarantäne-Camp hat Union nicht ohne Grund gewählt, nachdem in Köpenick keine geeignete Unterkunft zur Verfügung stand. „Wir haben uns entschieden, lieber einmal länger zu fahren, dann aber immer vor Ort zu sein. In Barsinghausen ist es schön. Die A-Nationalmannschaft war auch schon da. Wir sind unter uns“, hatte Sportchef Oliver Ruhnert am Sonnabend vor der knapp vierstündigen Anreise erklärt.

Die Idylle und das Volksgemurmel der Fußballer finden am Montag mit drei Worten ein jähes Ende. „Martin, können wir“, sagt Fischer. Der Schweizer stellt keine Frage, es ist eher eine sanfte Aufforderung. Fitnesstrainer Martin Krüger darf um punkt 9.45 Uhr mit dem Vorprogramm beginnen. Was früher Gymnastik oder Erwärmung genannt wurde, trägt heute den englische Bezeichnung Prevention.

Nach einer guten Viertelstunde startet dann der Hauptakt. Es gibt zunächst zwei Stationen, an denen der Ball dabei ist. Die dritte fordert die Unioner koordinativ heraus. Es folgt eine längere Spielform, bei der die Spieler zunächst den Ball gruppenweise in ihren eigenen Reihen halten und dann in den Gegenangriff umschalten sollen. Voll dabei ist auch Angreifer Sebastian Andersson, der seine wochenlangen Knieprobleme überwunden hat. Nach rund 90 Minuten ist die Einheit zu Ende.

Auf den ersten Blick ist alles so wie früher. Ähnliche Übungen gab es auch im Sommertrainingslager in Österreich und im Wintercamp in Spanien. Doch der Mund- und Nasenschutz, den viele Betreuer an der Seitenlinie tragen, ist ein stummer Beweis für die aktuelle Corona-Pandemie.

Die Maskenpflicht gilt auch für die Fußballer, die am Sonntag (18 Uhr) im Geisterheimspiel gegen den FC Bayern München wieder um Punkte kicken dürfen. In den geschlossenen Räumen des Hotels müssen sie sich verhüllen. Jeder Spieler hat ein Einzelzimmer, vom Personal gereinigt wird nur der Sanitärbereich. Längere gemeinsame abendliche Aktivitäten in der Freizeit gibt es nicht.

Die Einnahme der Mahlzeiten zieht sich in die Länge, weil die Hygiene-Standards so hoch sind. „Beim Essen gibt es gefühlt 1000 Vorgaben. Man darf nicht selbst ans Buffet. Jeder muss beim Essenholen Atemschutzmasken tragen. Man gibt den Teller auf ein Tablett und das Personal befüllt ihn dann“ berichtet Mittelfeldmann Grischa Prömel. „Man muss sagen, was man haben will. Es ist alles ein bisschen umständlicher. Wir essen in einer riesigen Halle mit Abstand.“

Verteidiger Neven Subotic hat bei seinen zahlreichen Aussagen dieser Tage gegenüber der BBC und dem Deutschlandradio geäußert, dass die Bundesliga möglicherwiese zu früh starte. Zudem habe er eine Grundangst, sich zu infizieren. In der Tat ist die Wahrscheinlichkeit bei Union nun höher, weil seit Freitag auch wieder Zweikämpfe erlaubt sind.   Mitspieler Prömel verspürt jedoch keine große Angst vor dem Virus. „Wenn man sieht, wie wir trainieren und was es für Richtlinien gibt, ist man nirgends sicherer als hier im Hotel“, sagt Prömel. „Wir sind aber alle nicht verpflichtet zu spielen. Wenn einer Angst hat, wird ihm der Verein keine Steine in den Weg legen.“

Trainer Fischer strahlt auch in der Causa Subotic Ruhe aus. Eine Diskussion erstickt er vorab im Keim. „Auch Neven hat Lust, am Sonntagabend gegen die Bayern zu spielen“, sagte Fischer dem RBB.