Tadellose Ballbehandlung: Michael Parensen im Trainingslager des 1. FC Union in Spanien. Zurück im Bundesliga-Alltag will er wieder angereifen.
Foto: Ottmar Winter

OrihuelaBesuche im Trainingslager der Eisernen sind seit Jahren Routine für Bernd Parensen. Auch diesmal ließ es sich der Vater von Michael Parensen nicht nehmen, nach Spanien zu reisen, wo sich sein Filius mit den Kollegen des 1. FC Union auf die am kommenden Sonnabend beginnende Bundesliga-Rückrunde vorbereitet. „Ich muss das ja machen, sonst sieht man sich ja nie“, scherzt Bernd Parensen und schiebt eilig nach: „Ganz so schlimm ist es ja nicht, wir habe uns ja grade erst Weihnachten gesehen.“

Weil Parensen junior in sein nunmehr elftes Jahr bei den Köpenickern geht, hat Parensen senior inzwischen zahlreiche Freunde im Union-Anhang gefunden. Mit denen verbringt er nun in Orihuela viel Zeit abseits der Trainingsplätze, auf denen sich sein Sohnemann tummeln muss. Muss? Eher darf, wenn man ihn persönlich fragt. „Fußball ist der schönste Job, den ich mir vorstellen kann“, sagt der 33-Jährige, der auf ein Halbjahr zurückblicken kann, dass seine kühnsten Erwartungen übertroffen hat.

Parensen profitiert von einer Umstellung

Als Stand-by-Profi noch einmal mit einem 12-Monats-Kontrakt ausgestattet, bestritt er in der Herbstserie sieben von 19 möglichen Pflichtspielen. Nicht schlecht für einen, den die meisten ungeachtet seiner Verdienste für den Klub eher als Tribünenhocker denn als echte Kaderalternative angesehen hätten. „Das Schönste für mich daran“, sagt Michael Parensen: „Ich habe auch gemerkt, dass es möglich ist, mit dem, was ich drauf habe, auch in der Bundesliga mitzuhalten.“ Und dies trotz des höheren Tempos, der größeren Handlungsschnelligkeit. „Man hat einfach weniger Ruhephasen im Spiel. Sobald du ein bisschen passiv wirst, gerätst du permanent unter Druck, so dass die Gegner dann auch Tore machen. Das war ein extremer Unterschied. Den habe ich auch gemerkt, als ich auf dem Platz stand.“

Mit dazu beigetragen hat natürlich, dass Trainer Urs Fischer mitten in der Halbserie von Vierer- auf Dreierkette umstellte. „Dadurch gibt es einen Platz mehr in der Innenverteidigung und einen Platz mehr für mich in der Mannschaft“, sagt Parensen. „Auch von der Spielweise mit Dreierkette profitiere ich. Man kann offensiv verteidigen, das liegt mir mehr, als im Raum zu verteidigen. Man weiß, dass da noch einer ist, der absichern kann.“

Erwartet hat er das vor der Saison nicht zwingend. „Ich hatte vor der Saison wenige Überlegungen, wie es laufen könnte. Für mich war die Mission Union mit dem, was ich zum Aufstieg beigetragen hatte, eigentlich erfüllt“, sagt Parensen. Danach sei etwas von ihm abgefallen, von dem er zunächst gar nicht so recht wusste, dass es da war. „Nach dem Motto: Das, worauf ich jahrelang hingearbeitet habe, ist geschafft. Ich habe mir vorgenommen, ohne Erwartungen in die Saison zu gehen und jedes Spiel, in dem ich dabei bin, und jedes Training zu genießen.“ Gesagt, getan.

„Allein das Gefühl zu haben, dass ein gewisser Druck weg ist, irgendwelche Erwartungen erfüllen zu müssen, hat dazu geführt, dass ich die Spiele freier angehen kann.“ Das hat Vorteile: „Man wird ein bisschen schneller im Kopf und kann Situationen auch besser einschätzen. Somit habe ich mich als Fußballer noch mal weiterentwickelt.“

Auch wenn durch das Verletzungspech der Kollegen Keven Schlotterbeck (Rekonvaleszent nach einem Innenbandriss), Florian Hübner (zunächst Rippe, dann Infekt) und auch Lennard Maloney (Knie) die Aussichten, in Leipzig am kommenden Sonnabend (18.30 Uhr) wieder auflaufen zu dürfen, stark gestiegen sind, leitet der 207-malige Zweitligaspieler der Köpenicker daraus keine Ansprüche ab. „Was ich definitiv sagen kann: Je mehr man spielt, desto mehr Spaß macht es, gerade wenn man merkt, dass man mithalten kann und in den Spielen nicht doof aussieht. Der Anspruch ist kein anderer geworden als vor der Saison.“

Ich könnte reinen Gewissens sagen: Ok, das war’s jetzt. Ich habe kein Problem damit, wirklich aufzuhören. Aber ich finde es genauso interessant, noch weiter Fußball zu spielen.

Michael Parensen

Das gilt auch für Union insgesamt: 20 Punkte sind kein Ruhekissen. „Ich glaube, dass es schwerer wird“, sagt Parensen, „den einen oder anderen Bundesligisten haben wir auf dem falschen Fuß erwischt, das wird definitiv nicht mehr so oft passieren.“ Wie sie damit umgehen, ist ein Thema, das Parensen beschäftigt. Was ihn derzeit nicht beschäftigt, ist die Frage nach seiner Zukunft. „Das wird sich nicht am 30. Juni entscheiden, sondern vielleicht in den nächsten zwölf bis 16 Wochen. Ich bin da sehr flexibel. Ich könnte reinen Gewissens sagen: Ok, das war’s jetzt. Ich habe kein Problem damit, wirklich aufzuhören. Aber ich finde es genauso interessant, noch weiter Fußball zu spielen.“ Wie schon gesagt: „Weil es das Schönste ist, was ich mir als Job vorstellen kann.“

Zum einen müsse die Familie mitspielen: Michael Parensen hat ja nun zwei kleine Kinder. Zum anderen müsse der Klub wollen. Will Union? Manager Oliver Ruhnert sagt im Trainingslager in Orihuela: „Denkbar ist alles. Micha wird im Verein bleiben. In welcher Rolle auch immer.“ Halb ernst, halb scherzend schiebt er hinterher: „Ob er weiter Fußball spielt, muss man sehen. Vielleicht wird er ja auch Leiter der Lizenzspielerabteilung. Oder er wird Mediendirektor.“ Oliver Ruhnert grinst. Neben ihm am Tisch sitzt Christian Arbeit, Unions Geschäftsführer Kommunikation.