Dragan Kostic geht in seine achte Saison bei Sparta Lichtenberg.
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BerlinLiegt Sparta Lichtenberg am Boden? Wie hat die Mannschaft von der Fischerstraße nahe dem Nöldnerplatz auf den hauchdünn verpassten Triumph in der Berlin-Liga reagiert? Hat Trainer Dragan Kostic die Lust verloren? Gibt Präsident Werner Natalis den Traum vom Aufstieg in die Oberliga auf? Nein, nichts von alldem. Eine Jetzt-erst-Recht-Stimmung hat Einzug gehalten. „Wir greifen wieder an, wir wollen es im dritten Anlauf schaffen und aufsteigen“, sagt Natalis. Das ist nicht selbstverständlich, nach dem, was zuletzt passiert war.

Riesengroß war der Frust bei Sparta, als der Verbandstag des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) am 20. Juni den Saisonabbruch wegen der Corona-Krise beschloss und die Vereine mit einfacher Mehrheit der Anwendung der umstrittenen Quotientenregel zustimmten. Denn bei dieser Regel wird die Anzahl der Punkte durch die Anzahl der Spiele geteilt, der Aufsteiger in die Oberliga war deshalb Stern 1900. Dragan Kostic, 40, der nun bereits in seine achte Saison als Trainer von Sparta Lichtenberg geht, sagt: „Das war alles nur sehr schwer zu verkraften. Ich hätte eine andere Regelung als angemessen empfunden. Man fühlt sich irgendwie betrogen.“

Nach der Quotientenregel stand es 2,36 (Stern) zu 2,33 (Sparta). Natalis war sauer: „Wir haben es hier mit einem Rennrodelergebnis zu tun, das hat beim Fußball eigentlich nichts zu suchen.“ Er meinte damit den Rückstand von 0,03 Punkten, die Sparta den Aufstieg verbauten. Inzwischen sagt Natalis: „Wir akzeptieren das jetzt, irgendwann muss ja auch wieder Ruhe einkehren.“ Das Verhältnis zum glücklichen Konkurrenten Stern 1900 ist völlig intakt.

Saisonstart für Sparta am 21. August

Der Fokus liegt auf der kommenden Saison, die in Berlins höchster Spielklasse am 21. August beginnen soll. Da es keine Absteiger, aber vier Aufsteiger gab, ist die Staffel nun mit 21 Mannschaften bestückt – die größte Liga innerhalb des BFV. Trainer Kostic sagt: „Das wird eine Mammutsaison. Für uns wird es schwierig, Training, die vielen Spiele und die Arbeit unter einen Hut zu bringen. Alle unsere Spieler gehen ja einer Arbeit nach.“

Er selbst verdient sein Geld bei einem Cateringservice. Kostic, den sein Präsident als „absoluten Glücksfall für den Verein“ bezeichnet, glaubt, dass Eintracht Mahlsdorf und auch der Aufsteiger 1.FC Novi Pazar  eine wichtige Rolle spielen werden. „Die holen alle starke Spieler.“ Er glaubt aber an die eigenen Stärken und verkündet: „Wir greifen an, wollen oben mitspielen und können es auch schaffen, aufzusteigen.“

Nach den Rängen vier (2017/18), zwei (2018/19) und nochmal zwei (2019/20) sind sich alle einig, die Oberliga als Ziel auszugeben. Das betrifft Spieler, Trainer, Vereinsführung und auch die Unterstützer. Natalis war heilfroh, dass der langjährige Hauptsponsor ATB (Aufzugtechnik Berlin) auch in schweren Zeiten sein Engagement aufrechterhielt und nun das „Unternehmen Meisterschaft“ maßgeblich unterstützen wird. ATB-Chef Dirk Zelle kennt jeden einzelnen Spieler und Dragan Kostic lobt: „Der ist mit dem ganzen Herzen dabei.“

Dennoch mussten die Verantwortlichen noch einen herben Verlust wegstecken. Mit dem offensiven Mittelfeldmann Sanid Sejdic, 31, kehrte der beste Mann und Anführer von Sparta dem Verein nach sieben Jahren überraschend den Rücken. Der wohl kompletteste Spieler der Berlin-Liga schließt sich dem Bezirksligisten FC Liria an. Das finanzielle Angebot war offenbar so gut, dass Sejdic nicht ablehnen konnte. „Wir waren alle sehr sauer“, so Werner Natalis. Sejdic schoss in 133 Spielen für Sparta 99 Tore und war eine Art Lebensversicherung für das Team. 35 Treffer waren es im Vorjahr, in der abgebrochenen Spielzeit kam er auf 18 Tore in 17 Einsätzen.

Trainer Kostic klagt nicht lange und sagt: „Das ist zwar ein herber Verlust, aber wenn ein Spieler unbedingt gehen will, halte ich ihn nicht. Ich habe nicht versucht, Sanid zu überreden, zu bleiben. Jetzt haben andere die Chance, zu Führungsspielern aufzusteigen.“

Auch Sparta meldet einige namhafte Zugänge, etwa den 1,91 Meter großen Mittelstürmer René Robben von Tasmania oder Mittelfeldmann Lukas Rehbein von Novi Pazar, der einst auch für den BFC Dynamo und Tennis Borussia spielte. In der Vorbereitungszeit bittet Kostic seine Spieler fünfmal in der Woche um 19 Uhr zum Training. Es läuft schon recht gut. Drei der ersten vier Testspiele konnte Sparta gewinnen. Kostic sagt: „Wir sind nicht zum Aufstieg verdammt, aber wir wollen es schaffen. Vielleicht spricht am Ende unsere Geschlossenheit für uns.“ Selbstbewusst fügt er an: „Und wir spielen den besten Fußball.“