Sofian Chahed weiß, wovon er spricht. Oft genug hatte der Ex-Profi von Hertha BSC und Hannover 96 als Spieler die Schwergewichte der Liga vor der Brust. Nun wartet auf den 39-Jährigen mit dem VfL Wolfsburg der nächste „ganz schön große Brocken“, wie er sagt. Denn ausgerechnet den Titelverteidiger muss Chahed mit seinen Spielerinnen von Turbine Potsdam noch aus dem Weg räumen, um sich den DFB-Pokal zu schnappen.

In seiner zweiten Saison auf der Trainerbank des Frauen-Bundesligisten ist der Einzug ins Finale am Sonnabend (16.45 Uhr, ARD und Sky) gelungen. „Die Vorfreude ist groß“, erzählt Chahed im Gespräch. Auch wenn man gegen den Seriensieger aus Wolfsburg „klar von einer Underdog-Rolle sprechen“ könne. Immerhin liegt der letzte große Titel zehn Jahre zurück. Auf dem Weg in das Finale in Köln haben die Potsdamerinnen vier Gegner aus dem Weg geräumt. Auf ein klares 5:1 bei Hannover 96 folgte ein 2:0-Sieg beim 1. FC Köln und ein noch klareres 7:0 beim SV Henstedt-Ulzburg. Im Halbfinale bei Bayer Leverkusen aber brauchte es etwas Glück beim 5:4-Sieg nach Elfmeterschießen.

Der sechsmalige Meister aus Potsdam ist Chaheds erste Station im Fußball der Frauen, vorher habe er „ab und zu ein Spiel angeschaut. Vor allem die Welt- und Europameisterschaften“. Seine bisherigen Trainererfahrungen sammelte er unter anderem im Jugendbereich von Hertha, für den Hauptstadtklub hatte Chahed während seiner aktiven Karriere 89 Spiele in der Bundesliga bestritten. Dort waren im Trikot von Hannover 96 später noch einmal 63 Partien hinzugekommen.

Sofian Chahed: „Es ist Fußball, der Ball ist rund und das Ziel ist dasselbe“

Im Frauenfußball habe ihn die derzeitige Entwicklung gereizt, „die ich als sehr positiv erachte“. Auch wenn es ein bisschen anders sei, die „Umstellung war nicht schwer“, erzählt Chahed. „Es ist Fußball, der Ball ist rund und das Ziel ist dasselbe: Spiele gewinnen und ein Tor mehr schießen als der Gegner.“

Umso größer sind jedoch die Unterschiede abseits des Platzes. Diese seien im Vergleich zum Männerbereich „enorm“, betont Chahed. Jedoch gäbe es dort auch „viel mehr Zuschauereinnahmen und TV-Gelder“. Man müsse bei den Frauen versuchen, „eine eigene Schiene zu fahren“ und „die Vermarktung und die Professionalisierung der Vereine weiter voranzutreiben“.

Seinen Teil will er beim Tabellenvierten der abgelaufenen Saison beitragen. Warum es den gebürtigen Berliner dorthin verschlagen habe? „Erstens liegt es vor der Haustür, zweitens war das Interesse da und drittens ist Turbine Potsdam ein Traditionsverein.“ Und viertens ganz nah dran am Pokal.