Da haben sie sich ja was ganz Feines überlegt, die russischen Olympia-Organisatoren. Auf dem Weg zu den Winterspielen 2014 soll die olympische Flamme an Bord des Atomeisbrechers „50 Jahre des Sieges“ einen kleinen Abstecher zum Nordpol machen. Als würde den dort beheimateten Eisbären im Rahmen der allgemeinen Klimaerwärmung der Boden unter den Füßen nicht schon heiß genug. Insgesamt soll die Fackel an 123 Tagen 2 000 russische Städte abklappern und nebenbei in der Raumstation ISS 49 Mal die Erde umrunden. Von dort wird sie der Österreicher Felix Baumgartner mit einem gekonnten Sprung direkt ins Olympiastadion von Sotschi befördern. Okay, letzteres war ein kleiner Scherz.

Es wird inzwischen eine Menge Unfug getrieben mit der Flamme, die den Griechen bei ihren antiken Spielen völlig unbekannt war und erst 1928 Eingang ins olympische Programm fand. 1936 erfanden die Nazis dann den Fackellauf, zur Strafe wurde die Flamme beim Durchqueren Tschechiens und Jugoslawiens von antifaschistischen Demonstranten gelöscht. Vor den Spielen in Peking 2008 wurde dem feurigen Schmuckstück weltweit von tibetischen Löschkommandos nachgestellt, sogar auf dem Mount Everest, der deshalb für Bergsteiger gesperrt wurde. Den Engländern ging sie dann ganz ohne tibetische Einwirkung ein paar Mal von selbst aus. Das Wetter, kennt man ja!

Bleibt die Frage, wie Rio 2016 und Pyeongchang 2018 die Russen noch toppen können. Ein Besuch am Grunde des Marianengrabens? Oder in einer Favela? Das Beste wäre es wohl, die ganze Sache einfach aufzugeben und endlich wieder zu Vornazisitten zurückzukehren. Ist natürlich schwierig, weil die Sponsoren die Bühne des Fackellaufs lieben und viele Leute viel Geld zahlen, um die Flamme mal tragen zu dürfen. Das klingt nach einer echten Aufgabe für einen starken IOC-Präsidenten, den wir ja nun zum Glück haben: Schluss mit der Zündelei! Pyrotechnikverbot olympiaweit!