Sotschi: Demaskiertes Regime

Leider sind es nur noch hundert Tage bis zur Eröffnungsfeier der XXII. Winterspiele, die auf jeden Fall als die bis dato deplatziertesten, kostspieligsten, korruptesten und deshalb wohl auch umstrittensten in die Geschichte des olympischen Sports eingehen werden. Leider, denn so bleiben nur noch hundert Tage, um sich aus der Ferne dank der gesteigerten Aufmerksamkeit der internationalen Reporter ein noch besseres Bild von diesem Putin-Russland machen zu können.

Ein Russland ist das, in dem die Hälfte der ungeheuerlichen Gesamtkosten (etwa 40 Milliarden Euro) mir nichts, dir nichts im Dickicht von unlauteren Bauaufträgen verschwindet. In dem rücksichtslos die Natur geschändet wird, nur damit der Staatspräsident bei einer weiteren sportlichen Großveranstaltung seine Allmacht zur Schau stellen kann. In dem Homosexuelle, Systemkritiker, neuerdings sogar Umweltschützer um ihre Freiheit, wenn nicht sogar um ihr Leben fürchten müssen. Insofern ist jede Schreckensmeldung aus Russland und dem Olympiaort Sotschi auch irgendwie eine gute Meldung, dient doch jede einzelne immerhin der Demaskierung eines von Macht- und Geldsucht durchdrungenen Regimes.

Der unverbindliche Duckmäuser

Es ist noch keine zwei Monate her, da philosophierte Thomas Bach bei seiner Inthronisierung zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Buenos Aires mit den blumigsten Worten über die (übrigens vollkommen überdrehten) Ideale seiner Organisation. Und natürlich auch über seine Funktion in dem großen Ganzen. Er wolle ein Präsident für alle sein, einer der alle unterschiedlichen Interessen in der olympischen Bewegung berücksichtigen werde. Ein Mann, ein Versprechen.

Dieser Tage ist Thomas Bach in Sotschi, zum ersten Mal, immer an der Seite von Wladimir Putin, und immer schön in der Rolle des unverbindlichen Duckmäusers, der zwar da und dort mal betont hat, dass Russland niemanden diskriminieren dürfe und stets die olympische Charta einhalten müsse, vor Ort aber offensichtlich den Begeisterten gibt. Der Agentur Itar-Tass zufolge soll Bach gestern jedenfalls Folgendes gesagt haben: „Wir sind voll davon überzeugt, dass die Spiele auf einer fantastischen Ebene stattfinden werden. Wir sind dankbar, für eine große Entwicklung hier und für die gute Zusammenarbeit mit den Organisatoren der Olympischen Winterspiele. Sotschi und die Umwelt − wir sind sehr beeindruckt. Ich bin überzeugt, dass die Spiele in Sotschi ein hohes Niveau haben werden.“

Da sagt Russland: „Spassibo, Thomas, za krassivye slova.“ („Danke, Thomas, für die schönen Worte.“)