Interessiert sich für einen Einstieg bei Tasmania: Souleymane Sané.
Imago Images

BerlinWas sich im Moment beim Fußball-Oberligisten SV Tasmania abspielt, wird von der Konkurrenz argwöhnisch beobachtet. Von einer „Neuorientierung“ und „umfangreichen strukturellen Veränderungen in der Vorstandsebene“ spricht der Vorsitzende Detlef Wilde, der den Traditionsverein aus Neukölln seit 20 Jahren führt und nun ins zweite Glied zurücktreten wird. Andere Funktionäre aus dem Berliner Amateurfußball befürchten, aus der Distanz gesehen, eine Art „feindliche Übernahme“ einer Investorengruppe oder wieder einmal ein Projekt, das sich als Luftblase entpuppen könnte. 

Was sind die Fakten? Der Vorsitzende Detlef Wilde, ein Mann mit großen Verdiensten um den Klub, wird Anfang März zurücktreten und als Zweiter Vorsitzender dem Verein weiter zur Verfügung stehen. Weit gravierender scheint eine Entscheidung zu sein, die den Trainerstab des nach der Hinrunde Tabellen-Zwölften der Oberliga Nordost betrifft. Tim Jauer, der die Mannschaft nach sieben Jahren in der Berlin-Liga 2018/19 in die Oberliga führte und den Dauerkonkurrenten Sparta Lichtenberg am Ende mit zwei Punkten Vorsprung hinter sich ließ, musste nun seinen Posten unfreiwillig räumen und das „trotz sehr guter Arbeit“, wie es Wilde formuliert.

Geschichte mit Beigeschmack

Und da beginnt die Geschichte einen Beigeschmack zu bekommen. Der Wechsel auf der Position des Cheftrainers war eine Bedingung einer neuen Gruppe, die Veränderungen bei Tasmania herbeiführen und den Verein professioneller aufstellen will. Es soll sich dabei um Personen um den ehemaligen Bundesliga-Profi Souleymane Sané, 58, handeln, dem Vater des deutschen Nationalspielers Leroy Sané von Manchester City. Ob hinter Sané Senior, einst 55-maliger Nationalspieler für den Senegal und Rekordtorschütze von Wattenscheid 09 in der Ersten Bundesliga, eine Agentur oder eine Investorengruppe steht, ist bislang nicht bekannt geworden.

Der im März zu wählende Erste Vorsitzende soll jedenfalls schon lange mit Sané befreundet sein. Das gilt auch für den neu installierten Trainer Abu Njie, dessen Bruder Momar als Assistenztrainer agiert. Detlef Wilde hält sich wegen seines Nachfolgers bedeckt, dem Vernehmen nach soll es sich um den Unternehmer Almir Numic handeln. Numic ist Geschäftsführer eines großen internationalen Unternehmens (Hotelservice und Facility Management) mit Hauptsitz in Berlin. Fest steht, hätten Trainer Jauer und sein Assistent Elvir Cocaj nicht ihre Posten geräumt, wäre der Einstieg der neuen Partner gescheitert. Wilde sagt: „Jauer musste in den sauren Apfel beißen und hat das loyal für den Verein getan.“

Abu Njie ist neuer Trainer

Pikant bei der Neubesetzung durch den gebürtigen Gambier Abu Njie, 46, ist die Tatsache, dass der ehemalige Zweitligaspieler von Wattenscheid 09 und vom VfL Osnabrück, schon einmal für fast vier Jahre bei Tasmania als Trainer agierte und im März 2015 vor die Tür gesetzt worden war. Offiziell hieß es damals wegen „Zerwürfnissen“ mit dem Verein. Nun also ein Neuanfang, der den Projektnamen „TAS_2020“ verpasst bekam. Detlef Wilde sagt, es werde sich herausstellen, wie weit und in welcher Form Souleymane Sané Einfluss nehmen wird.

Konkreter ist da der neue Trainer. Abu Njie sagte auf Spreekick.TV unter anderem: „Stand jetzt wird er keinen Posten im Verein übernehmen.“ Weiter der Trainer: „Das ist alles keine Übernahme. Tasmania will sich breiter aufstellen, die Jugendarbeit deutlich forcieren und sich wieder besser im Kiez einbinden. Die Männer-Mannschaft hat jetzt die Pflicht, als Aufsteiger in der Oberliga zu bleiben.“ Sein Vorgänger Jauer habe eine intakte Mannschaft hinterlassen. „Sein Rücktritt ist eine große Geste.“

Anfrage beim Berliner AK

Kurios ist, dass vor einem Jahr die Gruppe um Souleymane Sané eine Etage höher beim Regionalligisten Berliner AK einsteigen wollte, Verhandlungen geführt hatte, die aber zu keiner Zusammenarbeit führten. BAK-Präsident Mehmet Ali Han wollte darüber auf Nachfrage nicht mehr reden. Man wolle sich beim BAK lieber in der „eigenen Küche“, sprich mit eigenen Mitteln, weiter entwickeln, so der schon lange im Fußball engagierte Bauunternehmer.

Dass ein Verein wie Tasmania durchaus Potenzial gerade im Marketing-Bereich besitzt, ist unstrittig. Denn auch ein vor allem negatives Image aus dem nunmehr 55 Jahre zurückliegenden Intermezzo in der Ersten Bundesliga kann hilfreich sein. Tasmania kennt ganz Fußball-Deutschland wegen seiner Handvoll Rekorde als „erfolglosester Verein der Bundesliga“. Immerhin besetzt man etwa den letzten Platz in der „Ewigen Bundesliga-Tabelle“, ist der einzige Bundesligist ohne Auswärtssieg oder hatte im Heimspiel im Januar 1966 gegen Borussia Mönchengladbach mit 827 Fans die wenigstens Zuschauer aller Zeiten.

Nun soll dieses Image wieder einmal aufgebessert werden. Detlef Wilde sagt: „Wir wollen Tasmania wieder den Stellenwert geben, den wir vor langer Zeit in Berlin hatten.“ Man kann davon ausgehen, dass dies ein langwieriger Prozess sein wird.