Marius Bülter (r.) beim Trainingsduell mit Cedric Teuchert.
Foto:  Michael Hundt

Bad WörishofenDer Knall am Trainingsplatz auf dem Sportplatz des FC Bad Wörishausen war nicht zu überhören. Nicht nur Marius Bülter, der zusammen mit seinen Kollegen in der Vormittagseinheit Befreiung aus dem Pressing und schnelles Umschaltspiel übte, zuckte ein wenig zusammen. Doch keine Wolke war zu sehen, kein Gewitter tobte durch das Unterallgäu. Selbst von Pyro-Einlagen war keine Spur. Achselzucken, weitermachen, heißt die Devise auf dem Feld.

Des Rätsels Lösung ist wohl in der nahe gelegenen Kreisstadt zu verorten. Dort, in Memmingen, befindet sich seit den 30er-Jahren ein Fliegerhorst, der, anders als der Flughafen der Kneipp-Stadt, weiterhin militärisch genutzt wird. Mancher Kampfflieger sorgt dann halt für einen Überschall-Flug, was sich in den Ohren weithin bemerkbar macht. So eben auch beim Training der Eisernen.

In Spanien blieb Bülter unerkannt

Für Bülter ist das ebenso wenig ein Problem wie die frische Landluft, die die Nasen der Union-Profis bisweilen dort umschmeichelt. „Das stört mich nicht. Ich komme ja selber vom Land“, meint der 27 Jahre alte Spätentwickler, der sich im Sommerurlaub in Spanien erholt hat. Zum Glück tat er das, bevor das beliebte Urlaubsland wieder zum Corona-Risikogebiet erklärt wurde. 

Großer Aufmerksamkeit erfreute er sich da – anders als in Köpenick – nicht: „Erkannt hat mich keiner.“ Und das trotz seiner Meriten, die er sich in der Bundesliga mit sieben Toren erworben hat. Treffern wie denen beim Sensationssieg gegen Dortmund in der Hinrunde, die sein Selbstbewusstsein deutlich verbessert haben. Was Auswirkungen auf die neue Spielzeit haben wird. Denn: Mit breiter Brust spielt es sich oft besser. „Ich habe das Jahr natürlich in der Sommerpause schon Revue passieren lassen und war da ein bisschen stolz. Denn damit hatten wohl die wenigsten gerechnet, ich selber auch nicht unbedingt. Der Urlaub tat dann gut, um abzuschalten, das Ganze mal sacken zu lassen, aber erden muss mich keiner. Ich weiß, dass ich weiter an mir arbeiten muss“, meinte Bülter aufrichtig.

Mich muss keiner erden.

Marius Bülter

Das könnte für den gebürtigen Ibbenbürener in neuer Rolle passieren. So wie im letzten Test vor der Abfahrt nach Bad Wörishofen zu sehen war, als Bülter rechts wirbeln durfte. „Es ist ja kein so großer Unterschied im Vergleich zu links. Von daher fand ich es gut, dass ich da auch mal spielen durfte. Für mich ist es ja auch eine Chance, mich weiterzuentwickeln. Ich fand auch, dass es ganz gut geklappt hat gegen Dresden“, meinte der 1,88 Meter große Flügelspieler. Er kann also links wie rechts.

Es könnte eine Option für die ganze Spielzeit werden, wenn sich Urs Fischer links für Keita Endo entscheiden sollte. Rechtsseitig klafft derzeit ein größeres Loch bei den Eisernen, das sich so nicht wirklich abgezeichnet hatte. Marcus Ingvartsen laboriert immer noch an seinen Rückenproblemen, absolviert mehr Rehatraining denn Teamübungen. Sheraldo Becker sucht nach seinem durchwachsenen Jahr in Köpenick die Bindung zum Team, Suleiman Abdullahi wurde nach Braunschweig verliehen und Akaki Gogia, den man vollständig wiederhergestellt glaubte, darf sich mehr mit den Fitnesstrainern denn mit den Kollegen auf dem Feld vergnügen. Die Doppelchance für Marius Bülter – rechts wie links.