Marko Stamm wird eine tragende Rolle spielen müssen, damit Spandau 04 im Rennen bleibt.
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BerlinAm frühen Mittwochmorgen werden die Wasserballer von Spandau 04 wie gewohnt ins Becken der Sport- und Lehrschwimmhalle Schöneberg springen, Trainer Petar Kovacevic seine Anweisungen geben. Anschließend steigt die Mannschaft gemeinsam in den Bus nach Hannover. Im besten Fall bleibt dann vor Ort noch ein wenig Zeit zum Spazierengehen oder Entspannen. Um 18 Uhr steht schließlich der bis dato wichtigste Termin dieser ungewöhnlichen Saison an. In Spiel vier der Finalserie gegen Waspo braucht Spandau einen Sieg, um ein entscheidendes fünftes Spiel am Sonnabend zu Hause zu erzwingen. Andernfalls müssten Kapitän Marko Stamm & Co. ertragen, dem großen Rivalen beim Feiern im Volksbad Limmer zuzuschauen. „Das wollen wir natürlich unbedingt vermeiden“, sagt er.

Ein wenig erinnert die Situation an 2018, als Hannover Champion wurde. Spandau hatte Spiel eins vor zwei Jahren auswärts verloren, genauso wie Spiel zwei in der Heimat. Mit dem Sieg im dritten Match aber gewann das Finale an Spannung, die Berliner gewannen anschließend in Hannover und glichen zum 2:2 aus. Der Titel war im abschließenden Heimmatch greifbar, das aber verloren die Hauptstadt-Wasserballer und Hannover wurde Deutscher Meister.

Was 2018 geschah, interessiert Stamm dieser Tage herzlich wenig. Für ihn und seine Kollegen zählt allein die Gewissheit, dass die Saison noch nicht beendet ist. Weil die Wasserfreunde beim 12:9 am Sonntag zum ersten Mal in dieser Best-of-five-Serie als Kollektiv harmonierten. „Wir haben als Mannschaft angefangen, waren wesentlich konzentrierter und motivierter als zuvor“, sagt der Sohn des Klubpräsidenten Hagen Stamm. Der hatte die Auftritte in den beiden ersten Partien vor allem in Sachen Überzahlspiel als „unterirdisch“ klassifiziert. Den Unterschied machte zudem Dimitri Kholod. Der Russe zeigte mit sechs Treffern seine bislang beste Leistung unter der 04-Kappe und war stärkster Mann im Becken.

Die Bedingungen in Hannover werden am Mittwoch aber gänzlich andere sein. Anders als die Spandauer richtet Waspo seine Heimspiele in einem Becken unter freiem Himmel aus. Hier sind mehr Zuschauer zugelassen als in Berlin, weshalb Stamm junior „eine andere Atmosphäre erwartet“. Je nach Wetterlage fliegt der Ball anders, auch Wind und Regen könnten das Spiel beeinflussen. „Man braucht bei den Temperaturen auch etwas länger, um auf Betrieb zu kommen“, weiß der Nationalspieler.

Auch die Beckentiefe wertet Stamm als wesentlichen Unterschied: „In der Schöneberger Halle kann niemand stehen. In Hannover allerdings kann man sich vom Becken abstoßen, was die Hannoveraner Center auch nutzen, obwohl das eigentlich verboten ist.“ Einmal mehr müssen sich die Spandauer als Team den wuchtigen Einzelkönnern entgegenstellen.

Nur so lassen sich auch die Defizite kaschieren, die die ungewöhnliche Vorbereitung aufgrund der Coronapandemie hinterlassen hat. „Es ist ein deutlicher Unterschied zu sonst im Finale“, sagt Stamm, „wir sind definitiv nicht in Höchstform.“ Nach den beiden intensiven Partien am Wochenende habe er den Montag dringend benötigt, um wieder zu Kräften zu kommen.

Umso schwieriger wird die Aufgabe am Mittwoch, nach Frühtraining und Busreise abends bei brisanter Stimmung die Nerven zu behalten und die Kräfte zu bündeln, und sich mit einem Endspiel um den Titel zu belohnen.