Spandau 04 baut auf die Paraden von Torwart Laszlo Baksa. 
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BerlinSpandau 04 hat den großen Ballsportvereinen in Berlin einiges voraus. Albas Basketballer mussten sich beim Geisterturnier in München zum Meister küren, Union und Hertha die Saison vor leeren Rängen die Saison zu Ende spielen. Wenn die Wasserballer am Dienstagabend ihre Wiederauferstehung im Becken der Sport- und Lehrschwimmhalle Schöneberg (19 Uhr) feiern, dürfen sie von den Rängen ähnlich unterstützt werden, wie sie es gewohnt sind.

Um die unterbrochene Saison irgendwie zu Ende zu bringen, haben die Wasserballer mit dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV), der den Ligabetrieb nun ausrichtet, ein aufwendiges Hygiene- und Turnierkonzept erarbeitet. Und dieses sieht vor, dass im Spiel gegen den Dauerrivalen Waspo Hannover 220 Zuschauer zugelassen sind. Zahlreiche Titel der vergangenen Jahre wurden vor ähnlicher Kulisse eingefahren. Auch wenn die Fans sich natürlich nicht wirklich nahekommen dürfen wie früher.

Spandau o4 landet „Blitztransfer-Coup“

Unterstützung von den Rängen werden die Spandauer jedenfalls gut gebrauchen können. Denn das erste Pflichtspiel seit dem 4. März in der Champions League (7:11-Niederlage gegen Piräus) hat wenig zu tun mit einem lockeren Test, um zu sehen, wie es nach der langen Pause um die Form steht. Die beiden herausragenden deutschen Wasserballteams der vergangenen Jahre spielen in dieser einen Partie natürlich einen prestigeträchtigen Sieg aus. Es geht aber auch darum, wer als Erster und Zweiter ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft mit Hin- und Rückspiel gehen darf. Aber was noch viel wichtiger ist: Wer in der Finalserie Heimrecht genießen wird, wenn sich diese beiden Mannschaften mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit wiedersehen werden und im gewohnten Best-of-five Modus antreten.

Das Niveau dieses Spiels wird nicht an frühere Aufeinandertreffen anknüpfen, so viel ist klar. Ansonsten können auch die Betroffenen schwer abschätzen, wie es um die körperliche Verfassung nach der langen Pause steht. Spandaus Torwart Laszlo Baksa macht sich nach den letzten Eindrücken vom Training keine falschen Hoffnungen: „Es ist schon auffällig, wie viele Fehler wir in allen Mannschaftsteilen noch machen.“ Das offenbarte auch der Trainingsbesuch des französischen Meisters aus Straßburg in der vergangenen Woche. Für den Ungar ist deshalb entscheidend, dieses Spiel irgendwie erfolgreich zu überstehen und zu analysieren, wo es bis zum Finale noch den größten Verbesserungsbedarf gibt.

Ein Sieg wäre auch deshalb so viel wert, weil der Gegner im Halbfinale am Freitag und Sonntag OSC Potsdam hieße. Den Ausscheidungswettbewerb um zwei weitere Play-off-Plätze in eigener Halle schlossen die Brandenburger als Zweite ab, die White Sharks Hannover gewannen das Turnier und treffen nun auf den Verlierer in der Partie zwischen Spandau und Waspo. „Nach Potsdam fährst du 20 Kilometer mit dem Auto, nach Hannover musst du einen Bus mieten und fährst drei Stunden über die Autobahn, das ist schon ein großer Unterschied“, sagt Baksa.

Baksa sieht den Rekordmeister aus Spandau keineswegs im Vorteil. „Wir sind jetzt seit einem Monat wieder im Mannschaftstraining“, sagt der 34-Jährige, „Hannover bereits seit sieben, acht Wochen.“ Präsident Hagen Stamm ergänzt: „Die Jungs haben schon gemerkt, dass unser Trainer in den letzten Tagen das Training angezogen hat.“

Für den Fahrradunternehmer, der zudem als Bundestrainer die Nationalmannschaft noch mal zu Olympia führen will, war es bei allen Rückschritten dennoch das richtige Signal, in der Hochphase der Pandemie den Spielern Auszeiten zu gönnen, die über die Einschränkungen des Trainings hinausgehen. „Es war total wichtig, dass man sich auch mal auf andere Dinge konzentriert hat.“

Die große Herausforderung besteht für die Spandauer allerdings nicht nur darin, nach der langen Pause wieder in Form zu kommen, sondern die Mannschaft umzubauen. Neben einer erneuten Verletzung von Center Mateo Cuk müssen sie verkraften, dass mit dem Rumänen Tiberiu Negrean ein Schlüsselspieler kurz vor dem Restart darum gebeten hat, den Vertrag aufzulösen. Um sich zu Hause intensiver um die Familie kümmern zu können. „Im Wasserball schreiben wir keine Ausstiegsklauseln von 700 Millionen Euro in die Verträge“, scherzt Stamm. Soll heißen: Bei derart persönlichen Bedürfnissen wollte der Verein dem Spieler entgegenkommen. „Auch wenn es natürlich schöner gewesen wäre, wenn wir diese Entscheidung früher gehabt hätten.“

Zusammen mit seinem Trainer brauchte Stamm allerdings nicht lange, um Ersatz zu finden. Nur fünf Tage nach dem Abschied vermeldeten die Spandauer einen „Blitztransfer-Coup“. Ivan Zovic, zuletzt beim Champions-League-Rivalen Jedran Split unter Vertrag, wo er beim letzten Aufeinandertreffen mit den Berlinern geglänzt hatte, konnte vor zehn Tagen verpflichtet werden. Aber natürlich reichte die Zeit nicht aus, um ihn voll ins Spielsystem zu integrieren. Zudem er als Linkshänder eigentlich auf der rechten Seite besser einsetzbar ist, aber mangels Alternativen auf der anderen Seite spielen soll.

Dennoch sind die Spandauer froh, dass sie nun endlich wieder aus der Versenkung auftauchen können. „Es ist unglaublich wichtig für unsere Spieler, dass sie wieder in den Wettkampfmodus kommen“, weiß Stamm. Denn am 11. November soll es auch wieder losgehen mit der Champions League. „Und diese soll anders als der Karneval kein Scherz werden.“