„Spaß“-Bayern im Angriffs-„Flow“ - Kahns Primus-Ansprüche

Beim 6:2 gegen Mainz funkelt Bayerns gesamtes „Tafelsilber“. Die Chefetage stimmt Lobeshymnen aufs Team an - aber Union Berlin kontert.

Bayerns Jamal Musiala (r) jubelt mit Alphonso Davies über sein Tor zum 2:0 gegen den FSV Mainz 05.
Bayerns Jamal Musiala (r) jubelt mit Alphonso Davies über sein Tor zum 2:0 gegen den FSV Mainz 05.Sven Hoppe/dpa

München-Berauscht vom kraftvollen Tore-Sixpack seiner Spaß-Bayern wagte Oliver Kahn eine Prognose, die trotz des kraftvollen Last-Minute-Konters von Union Berlin keineswegs gewagt klang.

„Die Mannschaft hat sich das vorgenommen, als Tabellenführer in die WM-Pause zu gehen - und das sieht man jetzt einfach auch“, sagte der Vorstandschef nach dem furiosen 6:2 (3:1) gegen Mainz 05, mit dem der deutsche Fußball-Serienmeister in der Bundesliga aber nur für eine Nacht Platz eins zurückeroberte. Denn Union Berlin gelang am Sonntag beim 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach mit dem Siegtor tief in der Nachspielzeit ein weiteres irres Fußball-Kunststück. Die Bayern verharren einen Punkt hinter dem Liga-Primus.

Der FC Bayern München im „Attackemodus“

Sechs Wochen nach dem Sturz aus den Champions-League-Rängen im Anschluss an die erste und bislang einzige Saisonniederlage in Augsburg ist die Bayern-Welt wieder in Ordnung. Und die Chefetage um Kahn befindet sich nach der kurzen, aber intensiven nationalen Krisenlage Mitte September ebenso wie das Starensemble um den plötzlichen Dauer-Goalgetter Eric Maxim Choupo-Moting voll im Attackemodus. „Es ist immer unser Anspruch, Tabellenführer zu sein“, tönte Kahn.

Die Bayern-Profis erfüllen auch die Alltagsarbeit in der Liga wieder mit Hingabe. „Es ist eine gute Energie, die wir auf dem Platz haben“, sagte der ebenso wie Weltstar Sadio Mané gerade besonders aufblühende Serge Gnabry. Die Bayern sind wieder eine Siegmaschine. „Das war unser großes Ziel bei den ganzen Englischen Wochen, dass wir uns in einen Flow reinbringen“, sagte Leon Goretzka, der betonte: „Dazu gehört extrem viel Arbeit. Und den Flow wollen wir beibehalten bis zur WM.“

Im Moment flutscht es. Selbst die Ausfälle der verletzten Anführer Manuel Neuer (Schulter) und Thomas Müller (muskuläre Probleme) werden scheinbar mühelos weggesteckt. Wer auf dem Platz steht, liefert. Und wer reinkommt, zündet. Von „müden Beinen“, die nicht nur Youngster Jamal Musiala kurz nach dem intensiven 3:0 beim FC Barcelona verspürte, war bei der leichtfüßigen Münchner Torgala gegen überforderte Mainzer nicht wirklich etwas zu sehen.

Salihamidzic schwärmt vom „erwachsenen Fußball“

„Großes Kompliment, was die Mannschaft gerade abreißt. Die Jungs haben einfach Spaß gerade“, lobte Julian Nagelsmann. Der Trainer hatte nach der Champions League nicht rotiert, was die Mainzer überraschte und was sie leidvoll zu spüren bekamen. „Die Bayern hatten ihr gesamtes Tafelsilber auf dem Platz“, staunte Sportchef Martin Schmidt. Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic schwärmte nach dem nächsten Sieg von „erwachsenem Fußball“, vorne gierig, hinten gallig.

Sechs verschiedene Torschützen - Gnabry, Musiala, Mané, Goretzka, Mathys Tel und Choupo - dokumentierten das Formhoch auf breiter Basis. „Das spricht für eine Topqualität im Kader, wenn Torgefahr von allen Seiten kommen kann“, meinte Goretzka. „Das sagt aus, dass wir schwer berechenbar sind“, sagte Kahn.

Nicht mal er, der ewige Mahner und Immer-weiter-Antreiber, sah einen Kritikpunkt: „Es ist im Moment egal, wer reinkommt, es funktioniert einfach. Es gibt keinen Abfall mehr. Jeder bringt seine Leistung.“ Goretzka notierte zumindest die Gegentore von Silvan Widmer und Marcus Ingvartsen auf der knappen Mängelliste: „Sechs erzielte Tore sind super - und zwei Gegentreffer nicht ganz so super.“

Neuer und Müller vor Rückkehr

Wenn sich jetzt noch die Verletzungs- und WM-Sorgen um Torwart Neuer und Angreifer Müller wie von Kahn, Salihamidzic und Nagelsmann felsenfest erwartet im Laufe der kommenden zwei Wochen verflüchtigen, dann kann nicht nur der Rekordmeister mit verheißungsvollen Perspektiven in die WM-Pause gehen.

Auch der Bundestrainer könnte dann am 14. November seine Turniermission mit einem starken Bayern-Block antreten. Die Torschützen Gnabry, Musiala und Goretzka bereiteten Hansi Flick als Tribünengast in der Allianz Arena schon mal vorab viel Freude. „Das schadet der Nationalmannschaft sicherlich nicht, dass auch wir wieder besser in Fahrt kommen“, bemerkte Goretzka. „Das, was Hansi gesehen hat, wird ihn sicherlich positiv stimmen“, sagte auch Kahn Richtung Bundestrainer. Aber dann kam noch ein „Halt“ vom Münchner Oberboss: „Jetzt ist die Konzentration voll und ganz auf das gerichtet, was noch vor uns liegt. Wir haben noch drei Bundesligaspiele und ein Champions-League-Spiel. Wir wollen als Tabellenführer in die Pause gehen.“