Berlin-LichtenbergNach dem Schlusspfiff eines gutklassigen, aber vor allem turbulenten Regionalliga-Duells tanzten die Spieler von Gastgeber Lichtenberg 47 im Kreis und ließen sich von ihren Anhängern feiern. Mit 3:2 hatte die Mannschaft von Trainer Uwe Lehmann den Favoriten aus Leipzig besiegt, wobei das Resultat für Lok noch schmeichelhaft ausfiel. „Wir hätten vier, fünf oder sechs Tore machen müssen“, sagte Lehmann, 38, nach dem aufreibenden Spiel. Lok-Trainer und Sportdirektor Almedin Civa sprach hernach von einem „spektakulären, sehr munteren Match für die Zuschauer.“

966 Fans, beinahe ausnahmslos die gesamte Spielzeit hinter Mund-Nasen-Schutz versteckt, darunter etwa 170 Anhänger des 1. FC Lok, waren im Hans-Zoschke-Stadion dabei. Lok trat überhaupt zum ersten Mal in dieser Arena an. In der Saison 2019/20 hatten sich beide Teams in Leipzig 2:2 getrennt, das Rückspiel fiel wegen des Coronavirus aus. Lok war später nach der umstrittenen Quotientenregel vor der VSG Altglienicke zum Meister der Staffel Nordost gekürt worden. Anschließend aber scheiterte Lok, damals unter der Führung von Cheftrainer Wolfgang Wolf, in der Relegation um den Aufstieg in die Dritte Liga denkbar knapp am SC Verl aus der Staffel West (2:2, 1:1). Der personelle Umbruch nach dieser „heftigen Enttäuschung kurz vor dem großen Ziel“, so Lok-Präsident Thomas Löwe, war im Sommer gewaltig. Dennoch können die Leipziger weiter unter profihaften Bedingungen arbeiten.

Ziel für Lichtenberg 47: Klassenerhalt

Die disziplinierten Zuschauer im Zoschke sahen 47 schon nach zwei Minuten in Führung gehen (Torschütze: Marcel Rausch) und nach knapp einer halben Stunde die Rote Karte für den Leipziger Djamal Ziane. Der war viel zu rüde in einen Zweikampf gegangen. Lichtenberg aber vergab in Überzahl reihenweise beste Torchancen und musste nach 50 Minuten sogar den Ausgleich hinnehmen. Luca Sirch hatte mit einem Drehschuss getroffen. Erst ein Doppelschlag mit feinen Toren durch die 47er Tarik Gözüsirin (54.) und Philipp Grüneberg (55.) sorgte für klare Verhältnisse. Da aber die Gastgeber weiter zu schludrig mit ihren Chancen umgingen und Lok-Keeper Jannes Tasche einige starke Paraden zeigte, kam Lok durch den schnellen Gabriel Boakye, Zugang vom 1. FC Köln II, noch zum 2:3. Lichtenberg zitterte bis zum Schlusspfiff und Keeper Niklas Wollert reagierte großartig bei einer Chance von Lok in der Nachspielzeit.

Für den 1. FC Lok ist Berlin im Moment keine Reise wert. Schon die Partien bei Hertha BSC II (1:3) und bei der VSG Altglienicke (0:5) gingen verloren. Nur Aufsteiger Tennis Borussia wurde zuletzt zu Hause mit 4:0 besiegt. „Läuferisch und kämpferisch bin ich mit meiner Mannschaft trotz des 2:3 zufrieden“, sagte Chefcoach Almedin Civa, „unser Keeper hat uns im Spiel gehalten.“

Civa, 48, einst sechs Jahre beim SV Babelsberg, hatte am 1. Juli den Posten in Leipzig übernommen, musste 21 Abgänge verkraften und bekam 16 neue Spieler. Nach der verlorenen Relegation besaß Lok in Mittelfeldmann Paul Schinke nur einen Spieler, der einen Vertrag über den 30. Juni 2020 hinaus aufwies. Immerhin sieben Akteure aus der starken Mannschaft der Vorsaison konnten gehalten werden. Präsident Löwe sagte dieser Zeitung: „In dieser Spielzeit gehören wir definitiv nicht zu den Aufstiegskandidaten. Wir werden versuchen, im oberen Drittel der Tabelle zu landen und wir wollen ein Team aufbauen, dass 2021/22 wieder um den Aufstieg mitmischen kann.“

Gegner Lichtenberg 47, reine Amateurspieler, die einem Beruf nachgehen, hat dagegen nur ein Ziel – den Klassenerhalt. Für Trainer Uwe Lehmann gibt der hochverdiente 3:2-Sieg gegen Lok „viel Kraft für die englische Woche“. Am Mittwoch muss 47 zum BFC Dynamo, am Sonnabend kommt Hertha BSC II ins Zoschke.