Im Training am Anfang der Woche hatte Felix Kroos sichtlich Spaß. Es läuft beim 1. FC Union. Und Kroos ist der Inbegriff des Aufschwungs An der Alten Försterei. Freitag(18.30 Uhr) geht es in Hamburg gegen den FC St. Pauli. Dass Union dort noch nie gewonnen hat, soll eine Statistik der Vergangenheit sein. „Freitagspiele sind immer gut. Wenn wir gewinnen, legen wir vor, setzen die anderen damit unter Druck und können das Wochenende entspannt genießen“, sagt er.

Abseits des Platzes wirkt Kroos, 25, weniger aufgedreht als auf dem Rasen. Ist ruhig. Gelassen. Bescheiden. Keine Spur vom Druck, sich elf Spiele vor dem Saisonende nicht mehr vom zweiten Tabellenplatz vertreiben lassen zu wollen. „Ich würde es eher Vorfreude nennen. Vorfreude auf noch mehr richtig große Spiele“, erklärt Kroos.

Alles richtig gemacht

Der Kapitän der Eisernen ist in seine Rolle als Führungsspieler im Laufe der Saison hineingewachsen. Seit Kroos im Januar vorigen Jahres von der Weser an die Wuhle wechselte, kann er sein Potenzial endlich voll ausschöpfen. Hinaus aus dem Schatten seines berühmten Bruders, Weltmeister Toni Kroos von Real Madrid, hinein ins eigene Rampenlicht. „Bei einem seiner Spiele war ich aber noch nicht. Das ist überfällig, genau wie andersherum. Aber unsere Zeitpläne, vor allem der von Toni, lassen es einfach nicht zu im Moment“, sagt Felix, „wir wissen beide, wenn es zeitlich nur irgendwie möglich ist, ist der andere sofort da. Da brauchen wir keine gegenseitige Aufforderung, das ist einfach normal bei uns.“

Die Bühne Union scheint für den kleinen Kroos perfekt zu sein. Runter von der Reservebank, rauf auf den Platz. Unkten am Anfang noch hier und da die Fans, dass es für den Mann mit 65 Bundesligaspielen für Werder Bremen ein Rückschritt wäre, in die Zweite Liga zu gehen, ist die aktuelle Situation für Kroos rückblickend die Bestätigung, alles richtig gemacht zu haben.

Engagement in der Stiftung

Im Sommer bekam er vom neu zum Team gestoßenen Trainer Jens Keller die Kapitänsbinde. Seit dem brilliert der Mittelfeldmotor noch mehr als schon im halben Jahr zuvor. „Konstanz ist immer ein Thema“, sagt Kroos, „in der Hinrunde war das bei mir noch nicht optimal. Aber mit der Rückrunde bin ich bisher ganz zufrieden.“

Dabei ist für den gebürtigen Greifswalder Fußball nicht alles im Leben. Ungeniert gibt er zu, dass sein Job daheim im Wohnzimmer keine Rolle spielt. Das Spiel, seine Leistung, die Analyse beider findet bei Union statt. Ausschließlich. „Am Anfang der Karriere war es sicherlich so, dass ich Meinungen von außen wichtig fand. Mittlerweile will ich nach dem Spiel einfach nur abschalten. Das geht nur, wenn ich mich privat ganz anderen Dingen widme“, sagt er. Hund Barney ist so eine Ablenkung. Freundin Lisa freilich auch. Kroos schaut gern NBA, ist Riesen-Fan von Dirk Nowitzki. Alles Dinge, die neben dem Fußball viel Platz in seinem Leben haben.

Das ist wohl auch der Schlüssel zum Erfolg, das Geheimnis hinter dem coolen, abgezockten Felix Kroos, der so erwachsen wirkt und doch erst 25 Jahre jung ist. Er sitzt da in der Haupttribüne des Stadions, erzählt vom Engagement in der Stiftung seines Bruders, erzählt von Besuchen im Hospiz in Berlin, die ihm eine Herzensangelegenheit sind. „Nächste Woche bin ich wieder da“, sagt er, „wenn du so etwas machst, dann musst du es aus Überzeugung tun. Dass macht auch Toni mit seiner Stiftung. Und deshalb ist es mir sehr wichtig, ihn zu unterstützen.“