Leroy Kwadwo (rechts) von den Würzburger Kickers und Lucas Cueto von Preußen Münster während des Drittliga-Spiels Preußen Münster - Würzburger Kickers.
Foto: dpa/Carsten Pöhler

Münster - Die Fans des Drittligisten Preußen Münster haben am Freitagabend ein bemerkenswertes Zeichen gesetzt, berichtet die dpa. Als in der Schlussphase im Spiel gegen die Würzburger Kickers Gäste-Profi Leroy Kwadwo von einem Mann auf der Tribüne mit Affenlauten beleidigt wurde, meldeten andere Fans den Zuschauer den Ordnungskräften. Zudem riefen zahlreiche Fans „Nazis raus“. Dadurch konnte die Polizei und Sicherheitskräfte den Mann sofort ausfindig machen und aus dem Stadion führen.

Ein Sprecher der Polizei bestätigte dem „Spiegel“ die Beleidigungen. Demnach soll gegen den Mann eine Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt werden. Wie der „Spiegel“ weiter schreibt, soll der Mann nach Informationen der Polizei Kwadwo auch zugerufen haben: „Geh zurück in dein Loch.“ Nach Angaben der „Westfälischen Nachrichten“ vom Samstag handelt es sich um einen 29-Jährigen aus Steinfurt.

Kwadwo bedankt sich bei Instagram bei den Fans

Am Tag nach den Ereignissen meldete sich Kwadwo in einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort und lobte das Verhalten der Fans in einem Beitrag bei Instagram: „Eure Reaktion ist vorbildlich - Ihr könnt Euch gar nicht denken, was diese mir und auch allen anderen farbigen Spielern bedeutet.“ Am Ende seines Eintrags schrieb er zudem: „Danke für Eure Menschlichkeit.“

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Liebe Fußballfreunde, leider ist es bei unserem Auswärtsspiel bei Preussen Münster zu einem bedauerlichen Zwischenfall gekommen. Ich wurde von einem einzelnen Zuschauer rassistisch beleidigt. Dies macht mich einfach nur traurig. Ich habe zwar eine andere Hautfarbe, aber ich bin hier geboren, in diesem wunderbaren Land, das mir und meiner Familie so viel gegeben und erst ermöglicht hat. Ich bin einer von Euch, ich lebe hier und darf hier meine Berufung und Leidenschaft als Profi der Würzburger Kickers ausleben. So etwas wie gestern macht mich einfach nur traurig und wütend, weil jeder wissen muss: #Rassismus gehört nicht in UNSERE Welt. Wir alle haben die Möglichkeit, dagegen anzugehen und das Ganze zu unterbinden, wenn’s passiert. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei allen Menschen im Stadion, den Verantwortlichen und Spielern von Preußen Münster und ganz besonders meinem Team und den Kickers bedanken, die mir sofort zur Seite gestanden sind. Eure Reaktion 🙌🏾 ist vorbildlich - Ihr könnt Euch gar nicht denken, was diese mir und auch allen anderen farbigen Spielern bedeutet. WIR müssen alle weiter dagegen angehen, wie IHR es getan habt und dies im Keim ersticken lassen! Danke für jede einzelne Nachricht! Ich hoffe, dass sowas endlich ein Ende hat. Danke für Eure Menschlichkeit Euer Leroy

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Die Beleidigung selbst habe ihn aber „einfach nur traurig und wütend“ gemacht, teilte Kwadwo mit. „Ich habe zwar eine andere Hautfarbe, aber ich bin hier geboren.“ Und der Abwehrspieler hob hervor: „Ich bin einer von Euch, ich lebe hier und darf hier meine Berufung und Leidenschaft als Profi der Würzburger Kickers ausleben.“

Der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger vom FC Chelsea twitterte: „Wahnsinn... und schon wieder ein Vorfall. Unfassbar. Aber Respekt vor den Reaktionen der Zuschauer.“

Der Deutsche Fußball-Bund verurteilte die Tat, lobte die Reaktionen und verwies auf das richtige Handeln von FIFA-Schiedsrichterin Katrin Rafalski. „So traurig und beschämend der rassistische Vorfall gegenüber Leroy Kwadwo“ gewesen sei, „so vorbildlich waren die sofortigen Reaktionen darauf“, twitterte der DFB auf seinem Account zur 3. Liga. Rafalski habe gemäß der Drei-Stufen-Regel der Europäischen Fußball-Union UEFA eine Stadiondurchsage veranlasst und versucht, Kwadwo zu beruhigen. Auf Fotos ist zu sehen, dass Kwadwo die Unparteiische aufmerksam machte und in Richtung Tribüne zeigte.

Preußen Münster entschuldigt sich bei Kwadwo

Die Gastgeber entschuldigten sich sofort bei Kwadwo und den Gästen aus Würzburg. „Das ist nichts, was auf den Fußballplatz und schon gar nicht in unser Stadion gehört. Solche Leute wollen und brauchen wir hier nicht“, sagte Preußen-Vereinspräsident Christoph Strässer, der von 2002 bis 2017 für die SPD im Bundestag saß und von 2014 bis 2016 Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung war.

Auch die Würzburger hoben die Reaktion von Zuschauern und Club hervor. „Das hat nirgendwo etwas verloren, das tolerieren wir als Verein nicht, und niemand in Deutschland sollte so etwas tolerieren. Wir sagen Danke an die Zuschauer, wie die Reaktion darauf war“, sagte Kickers-Trainer Michael Schiele auf der Pressekonferenz.