Es war ein Willkommensgruß der etwas unangenehmeren Art. Sechs Sekunden stand Jonas Mattisseck im ersten Viertel gegen ZSKA Moskau auf dem Feld, da hatte er sein erstes Negativerlebnis. Nach einem Einwurf an der eigenen Grundlinie vertändelte Alba Berlins Aufbauspieler den Ball, Mike James bestrafte diesen Fehler mittels Korbleger prompt. „Willkommen gegen einen der besten Point Guards Europas“, sagt Marco Baldi zu der Aktion, „das hat aber einen unschätzbaren Effekt: Ich garantiere, das wird ihm so nicht mehr passieren, nicht, wenn er aufs Feld kommt. Da wird er so konzentriert und wach sein.“

Mattisseck ist erst 19 Jahre alt und hat gegen Moskau gerade einmal sein viertes Euroleague-Spiel bestritten. Geschäftsführer Baldi weiß, dass solche Aktionen, so sehr sie einen jungen Spieler in diesem Moment auch ärgern, für die Zukunft helfen. „Das sind eben die Dinge, die man leider durchleben muss, sonst kommt man als Spieler nicht weiter“, so Baldi. Auch James hat zu Beginn seiner Karriere sicherlich solche Erlebnisse gehabt, hat daraus gelernt und gehört in Europas Eliteliga mittlerweile zu den Besten auf seiner Position. In insgesamt sechs Euroleague-Saisons bringt es der 29-jährige US-Amerikaner auf durchschnittlich 14,3 Punkte, und eine Sache, die wohl noch schwerer wiegt als Statistiken in Duellen mit Neulingen, wie den meisten Spielern von Alba: Erfahrung. So ziemlich jeder Gegner in der Euroleague hat davon mehr vorzuweisen. Auch Armani Mailand, Gegner am Dienstag (20 Uhr) in der Arena am Ostbahnhof, reist mit hochdekorierten Spielern an.

Leistungsabfall in Hälfte zwei

Allein Sergio Rodriguez und Luis Scola haben als Einzelspieler mehr Euroleague-Einsätze vorzuweisen als das gesamte Alba-Team. „Mailand ist auch ein talentiertes Team, wo jeder Bankspieler weiß, wie man auf diesem Niveau spielt“, sagt Albas Flügelspieler Luke Sikma, „wir haben keine andere Wahl, als uns noch weiter zu verbessern und zu versuchen, 40 Minuten mit voller Intensität und Energie zu spielen.“

Gegen die Top-Favoriten aus Barcelona und Moskau ist das den Berlinern jeweils in der ersten Halbzeit gelungen. Gut mitgehalten, zwischenzeitlich geführt, aber dennoch mit einem knappen Rückstand in die Pause gegangen, drehte sich das Spiel danach. Nicht etwa, weil sich die Gegner extrem steigerten, sondern weil sie ihr Niveau halten und eigene Fehler minimieren konnten. „Wir haben gesehen, dass wir immer dann Probleme bekommen, wenn wir unseren Spielfluss nicht aufbauen können“, sagt Baldi, „wenn Mannschaften wie Moskau mal ihren Fluss etwas verlieren, weil sie mal zwei Würfe nicht treffen, den Ball ins Aus werfen oder sich auf den Fuß dribbeln, geht bei denen die Intensität keinen Millimeter runter. Und wir waren manchmal etwas emotional, haben uns geärgert.“

Moskauer Bestrafung

So wie Mattisseck nach seinem Ballverlust gegen James. Es war nur einer von zweien in der ersten Hälfte, während die Moskauer sich deren zwölf leisteten – zu diesen gezwungen wurden. Aber es ist eben auch noch die Frage, was man aus solchen Ballgewinnen macht. Die Moskauer bestraften nahezu jeden Berliner Ballverlust mit Punkten, während Jonas Mattisseck und seine Teamkollegen daraus nicht den Profit schlagen konnten, der möglich gewesen wäre. Aber auch das ist ein Reifeprozess, in dem Fehler manchmal sogar mehr bringen als Erfolgserlebnisse. Wenn man denn richtig damit umgeht.