Hamburg - Am 30. Juni 2016 erschien Bakery Jatta zu seinem ersten offiziellen Training als Profifußballer des (damaligen Erstligisten) Hamburger SV. Die Fans, Mitspieler und vor allem auch Reporter im Volkspark schauten gespannt auf die ersten Schritte des Neulings. Jatta stellte sich hinterher vor, höflich, zuvorkommend, der Körper athletisch und muskulös, der Händedruck fest. Schon damals gab es Zweifel am Alter des Flügelstürmers, der im Sommer 2015 als Flüchtling hierher kam, der älter wirkte, seinerzeit aber erst 18 Jahre alt war.

Bakery Jatta wurde am 6. Juni 1998 in Gunjur/Gambia geboren – oder besser: soll geboren worden sein. Nach einem Bericht der Sportbild sind die Zweifel an der Identität des Kickers erneut aufgekommen. Demnach könnte Jatta eine Vergangenheit als Bakary Daffeh haben und bereits am 6. November 1995 geboren worden sein. Er wäre also schon 23 statt 21. Das Magazin beruft sich auf zwei Trainer aus Gambia, die Jatta als Daffeh identifiziert hätten.

Jatta weist die Vorwürfe allerdings zurück, beteuert, als Minderjähriger nach Deutschland gekommen zu sein und zuvor nie in einem Verein gespielt zu haben. Einen Asylantrag, das vermeldete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, hat Jatta nach seiner Ankunft nicht gestellt. Für seine Anstellung beim HSV erhielt er eine dreijährige Aufenthaltserlaubnis, die kürzlich um drei weitere Jahre verlängert wurde.

Youtube-Video zeigt Bakary Daffeh

Auf Youtube gibt es ein zehnminütiges Video von Daffeh, der für mehrere afrikanische Klubs spielte, auch für die U20 Gambias. Die Ähnlichkeit ist allerdings marginal. Beim HSV, den der (mutmaßlich) 17-jährige Jatta im Winter 2015 in Probetrainings überzeugte, war man damals skeptisch. Juristen prüften den Fall. „Es wurde festgestellt, dass die biologische Entwicklung abgeschlossen ist“, sagte der damalige Sportchef Peter Knäbel.

Der seltsame Fall des Bakery Jatta liegt nun bei den Behörden. Sollte sich der Verdacht erhärten, drohen dem Gambier der Entzug der Aufenthaltsgenehmigung und eine Sperre durch den DFB. Bis dahin bleibt zu hoffen, dass Jatta, der als Musterbeispiel für Integration gilt, in den Stadien nicht die hässlichen Anfeindungen erhält, die im Netz kursieren. Von den eigenen Fans erhielt er im Training jedenfalls viel Zuspruch.