Die gute Laune war sichtbar. Ein Lächeln hier, ein entspanntes Gespräch dort, ein kleines Wettrennen zwischen Landry Nnoko und Johannes Thiemann. Anders als zuletzt breitete sich eine Entspanntheit in der Trainingshalle von Alba Berlin aus, niemand wirkte getrieben. Aus dem Nebeneffekt, mit zwei statt drei Spielen das Eurocup-Finale erreicht zu haben, ist eine große Wirkung geworden. Mehr als eine ganze Woche haben die Berliner dadurch Zeit gewonnen, um sich auf die Partie am Sonntag (18 Uhr) in Bamberg vorzubereiten.

Nach Wochen, in denen die Spieler mehr Zeit in Hotelzimmern als in der eigenen Wohnung verbracht hatten, taten diese Tage gut. „Die Woche war sehr wichtig für Körper und Geist. Wir hatten eine unglaubliche Belastung durch die ganzen Reisen und Spiele. Jetzt hatten wir mal wieder eine Woche ohne Doppelspieltag und viel Zeit zur Vorbereitung auf das nächste Spiel“, sagt Johannes Thiemann, der Profi aus Trier, der früher mal zum Kader der Bamberger gehörte.

Gelöster Center

Während seiner Stretchingübungen wirkt der Center gelöst, lächelt viel. Neben fünf weiteren Alba-Akteuren ist Thiemann einer von den Spielern, die diese Zeit des Runterkommens besonders nötig hatten. Thiemann war zusätzlich mit der Nationalmannschaft unterwegs. Mitte Februar zum Beispiel: Im Pokalendspiel unterlagen die Berliner in Bamberg knapp. Wenige Stunden später ging es für Niels Giffey, Joshiko Saibou, Jonas Mattisseck und Johannes Thiemann zur deutschen Nationalmannschaft, Martin Hermannsson (Island) und Rokas Giedraitis (Litauen) flogen zu ihren Nationalteams. Freie Tage? Keine. Eine Woche mit nur einem Spiel? Gab es zuletzt Anfang Dezember.

Durch den Sieg in Andorra vor gut einer Woche änderte sich die Lage. Seitdem hält mal wieder der Alltag Einzug in das Leben eines Spielers. Joshiko Saibou etwa wurde mit zahlreichen Paketen, die er für seine Freundin abgeholt hatte, jonglierend in der Stadt gesehen. Auch Johannes Thiemann tat Dinge, die mit seinem Beruf direkt nicht zusammenhängen. „Ich gehe gerne mal ins Spa“, erzählt er.

Leben aus dem Koffer

Thiemann spricht von einem „ganz anderes Gefühl, wenn man mal morgens nicht zum Training muss oder weiß, dass man am Abend mal etwas trinken gehen kann.“ Abschalten, in ein Café gehen: Wenn er mit der Mannschaft während der Saison unterwegs sei, vermisse er gewisse Dinge. „Am meisten aber das eigene Zuhause. Im eigenen Bett zu schlafen, das essen zu können, was man möchte“, sagt er. Das könne man zwar in einem Hotel auch tun, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Über sein Leben beschwert er sich natürlich nicht, weiß um die Vorzüge eines Profisportlers. Das Leben aus dem Koffer, die Reisen und dadurch entstehende Belastungen für Körper und Geist sind „Teil des Profigeschäfts. Aber trotzdem freut man sich, wenn man mal wieder eine Woche zu Hause ist.“

Erst recht, wenn man vom Trainer zwei freie Tage bekommt. „Es war gut, eine Woche zu haben, um zu trainieren, aber auch, um sich etwas zu erholen“, sagt Aito Garcia Reneses, „wenn man in so vielen Wettbewerben spielt, ist es schwer, sich zu fokussieren.“ Genau dieser Fokus ist für jetzt enorm wichtig. Im Eurocup hat Alba das Endspiel erreicht, in der Bundesliga (BBL) soll noch die bestmögliche Platzierung in der Hauptrunde herausspringen. Denn: „Die Saison geht schließlich nicht mit dem Eurocup-Finale zu Ende, sondern im Juni mit den BBL-Play-offs“, sagt Reneses.
Aktuell belegt seine Mannschaft in der BBL-Tabelle den fünften Platz, auch weil sie weniger Spiele bestritten hat. Bleibt es dabei, hätte sie in den Play-offs keinen Heimvorteil. Dadurch gewinnt das Duell in Bamberg zusätzliche Brisanz. Beide Mannschaften gehen am Sonntag mit zehn Minuspunkten in ihr drittes Aufeinandertreffen dieser Saison. Daheim in Berlin gewann Alba, auswärts unterlagen die Berliner im Pokalfinale. Aber: „Der Pokal ist vorbei“, sagt Coach Aito und lacht.

Bamberger Serie

Die Konstellation hat sich seitdem geändert. Luke Sikma ist wieder gesund, Peyton Siva nahezu bei 100 Prozent seines Leistungsvermögens und Derrick Walton mittlerweile sehr gut in die Mannschaft integriert. „Jetzt sind wir ein besseres Team als damals“, sagt Johannes Thiemann mit Blick auf jenen 17. Februar und einen schmerzhaften Abend in Bamberg. Doch: „Auch Bamberg hat sich stetig verbessert, der Trainerwechsel hat der Mannschaft gut getan.“

Seit Federico Perego das Team übernommen hat, haben die Franken auch acht Bundesligaspiele in Serie gewonnen. Am Mittwochabend gelang Bamberg zudem im Viertelfinalhinspiel der Champions League, dem dritten kontinentalen Wettbewerb, ein Heimsieg gegen AEK Athen.

Normalerweise schaut sich Johannes Thiemann die Spiele seines ehemaligen Vereins auch schon mal an. Das Ergebnis habe er diesmal aber nur bei Instagram gesehen und stattdessen „lieber den freien Abend genossen“, sagt er. Die Energie daraus kann für die kommenden Wochen schließlich noch von großer Bedeutung sein.