Hat große Pläne mit Universum: Ismail Özen-Otto.
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HamburgKleider machen Leute, heißt es. Und Bilder suggerieren das, was der Stratege damit erreichen möchte. Namen oftmals übrigens auch. So ist es kein Wunder, dass sich Ismail Özen auf seiner Homepage als Profiboxer in weißem Hemd, mit Krawatte, Anzug, teurer Uhr und Gel in der Frisur als seriöser Geschäftsmann in Boxhandschuhen inszeniert. Seriosität ist das Geschäftsmodell, auf das der 38-Jährige aus Hamburg seit neuestem setzt. 

Mittlerweile boxt er auch längst nicht mehr selbst auf Kleinring-Veranstaltungen in der Sporthalle Hamburg-Wandsbek oder der IFCO-Arena in Berlin-Köpenick. Er lässt jetzt boxen. In einem schicken Gym an der Großen Elbstraße in Fischmarktnähe und unter einem großen, jahrelang klingenden Namen, den er mit Zustimmung des Insolvenzverwalters nutzen darf: Universum.

Nummer eins in Europa

Universum Boxpromotion war bis 2011 unter Führung von Klaus-Peter Kohl der große Gegenspieler der Sauerland Event GmbH, beide galten damals als die größten und profitabelsten Profiboxställe Europas. Fritz Sdunek hielt bei Universum die Tatzen, schrieb die Trainingspläne und ließ die Athleten schwitzen. Universum machte die Klitschko-Brüder groß, dort wurden Dariusz Michalczewski und Regina Halmich Weltmeister. Doch dann stieg das Fernsehen aus, das Geld, dem Vernehmen nach ein zweistelliger Millionenbetrag pro Jahr, floss nicht mehr. 2013 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

„Wir wollen die Nummer eins in Europa werden“, lautet die Devise des in Hamburg geborenen Kurden. Das ZDF hat sich nach neun Jahren Pause nun wieder dem Boxen zugewandt. An diesem Sonnabend (0.25 Uhr) sendet es direkt nach dem Aktuellen Sportstudio den Kampf zwischen Artem Harutyunyan, der als Amateur bei Olympia 2016 in Rio eine Bronzemedaille für den deutschen Boxsportverband gewann, gegen den Russen Islam Dumanow.

Es geht in der Kuppel in Hamburg-Bahrenfeld um den International-Titel des Boxverbandes IBO, die beide eher minderwertig einzustufen sind. Aber zumindest das Versprechen von Kämpfen auf Augenhöhe, das der neue Universum-Chef gegeben hat, könnte das Duell im Superleichtgewicht einlösen. Im Anschluss folgt eine Aufzeichnung des Duell zwischen Universum-Boxer Toni Kraft und Leon Bauer aus dem Sauerland-Stall. „Universum is back! Wir sind sehr aufgeregt“, sagt Ismail Özen-Otto.

Keine gekauften Urteile mehr

Die Heirat an der Elbchaussee 2016 mit Janina Otto, der Tochter von Versandhaus-Milliardär Michael Otto, hat ihn nicht nur mit einem Doppelnamen bereichert, sondern offenbar auch mit dem Anspruch nachhaltiger Glaubwürdigkeit. Um diese soll es laut Özen-Otto künftig beim Profiboxen gehen: keine gekauften Urteile mehr, kein Heimvorteil, keine Vertreter des Boxstalls am Tisch der Punktrichter. Dafür Dopingkontrollen aller beteiligten Kämpfer. Sie hätten sich freiwilligen Tests durch die im Boxen tätige Antidoping-Agentur (Vada) unterzogen, berichtet Özen-Otto. Das habe ihn 50.000 Dollar gekostet.

Das ZDF hat sich auf eine Testphase eingelassen, auf zunächst zwei Boxabende. Dafür hat der Sender offenbar außer den Produktionskosten nicht allzu viel investiert – bis auf die Beratergage für Bernd Bönte. Der frühere Journalist und Klitschko-Manager soll die Ansetzungen fachlich bewerten, was im Fall von Fernsehkämpfer Leon Bauer schnell die Objektivitätsfrage aufwirft. Schließlich betreut Bönte den Boxer mit seiner neuen Beratungsagentur PYX Global Sports GmbH in Karrierefragen. Ist das seriös?

Ziel des ersten ZDF-Boxabends ist laut Özen-Otto ein zweistelliger Marktanteil. Ob er das schafft? Mit Harutyunyan als Hauptkämpfer? Einem smarten Kerl, der als Flüchtling aus Armenien nach Deutschland kam, 2016 die erste Olympiamedaille seit 2002 gewann und damit eine schöne Aufstiegsgeschichte mitbringt? „Ich liebe es, die Last auf meinen Schultern zu spüren. Das war schon in Rio so. Ich bin unter Druck am stärksten, deshalb freue ich mich, dass ich ganz oben auf der Bühne stehen darf“, sagt der 29-Jährige.

Seine Gewichtsklasse, das Superleichtgewicht, ist in Deutschland allerdings noch nie populär gewesen. Der Sendebeginn kurz nach Mitternacht ist es auch nicht unbedingt. Je nach Erfolg dieser Testveranstaltung dürfte das ZDF entscheiden, ob es im Frühjahr 2020 eine zweite Chance für Özen-Ottos Universum gibt.