Gibt es Beifall, Blümchen, Händeschütteln? Die Öffentlichkeit wird es nicht erfahren, wenn der Sportausschuss des Deutschen Bundestags am Mittwoch in der 80. und letzten Sitzung dieser Legislaturperiode tagt. Falls so etwas wie eine Abschiedszeremonie geplant sein sollte für die sportpolitischen Sprecher Klaus Riegert (CDU) und Joachim Günther (FDP), wird sie abgewickelt wie seit nunmehr anderthalb Jahren fast alles in diesem Gremium: unter Ausschluss von Bürgern und Medien.

Riegert und Günther gehören nach der Bundestagswahl dem Parlament nicht mehr an. Die beiden Sportfreunde hatten im Herbst 2011 für verschlossene Türen gesorgt – tatsächlich, weil Medien sie als Kartenspieler auf dem Tablet-PC geoutet hatten; angeblich, um fortan „effizienter“ zu arbeiten.

Seither war das Binnenklima im Ausschuss stark belastet, weshalb der Ablauf der Sitzung morgen mühelos vorausgesagt werden kann: Die Regierungsparteien schalten auf Abwehrmodus. Diesmal wird es einen Antrag der Grünen treffen. Darin wird angeregt, gemeinsam mit Sport und Menschenrechtsorganisationen über Vergabekriterien für Großspektakel nachzudenken. Angesichts der Abwanderungstendenz von Events zu allerlei Auto- und Kleptokraten im einstigen Sowjetreich oder in der Golfregion könnte man dergleichen für angezeigt halten.

Der Liberale Günther hat in seiner Plenumsrede an die Grünen gerichtet gesagt: „Sie kritisieren, dass autoritäre Staaten Sportgroßveranstaltungen zu ihren eigenen Zwecken genutzt haben. Doch Sie kritisieren dies nur, weil deren Ziele den Ihren diametral entgegenstehen. Und so versuchen Sie, den Sport für Ihre Zwecke, die Gutmenschelei und die grüne Verblendung einer großen Zahl von Menschen zu instrumentalisieren. Lassen wir den Sport Sport sein.“

Mal abgesehen von dem irritierenden Umstand, dass der Liberale den Anliegen von Despoten mehr abgewinnen kann als denen des politischen Gegners – Günthers Aussage zeigt das Verständnis schwarzgelber Sportpolitik: den Sport Sport sein lassen.

Jamaika statt Deutschland

Nicht einmal eine Handvoll eigener Anträge legte die Koalition in vier Jahren vor. Der letzte trug den Titel: „Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im und durch den Sport nachhaltig stärken“. Er war offensichtlich nur dekorativ gemeint, zur innerparteilichen Bilanzkosmetik. Im Plenum ließen die Sportkameraden ihn nicht debattieren. Und selbst in der geschlossenen Ausschuss-Sitzung vor einer Woche winkte die Koalition das Papier schlichtweg durch und mied damit Fragen der Opposition.

Kritisches auszublenden und klaglos die Rolle als Zahlmeister für den Spitzensport zu spielen, das deckt sich mit den Interessen des Deutschen Olympischen Sportbundes. Thomas Bach will schließlich IOC-Präsident werden, da kann man den Sport und seine segensreiche Wirkung gar nicht genug loben.

Dabei driftete Schwarz-Gelb häufiger ins Komische ab. Etwa beim Besuch von Travis Tygart, Chef der US-Antidopingagentur. Auf der Tagesordnung der ausnahmsweise öffentlichen Sitzung stand zwar der Vergleich zwischen der Dopingbekämpfung in Deutschland und den USA, Riegert aber interessierte sich dafür, ob Tygart Kenntnisse über Jamaika habe. Dass die Nationale Antidopingagentur Nada als mittelmäßiges Unternehmen gilt, brachte der prominente Gast trotzdem zur Sprache. Na und? Die Nada erfahre „international höchste Anerkennung“, säuselten Abgeordnete im Chor mit Bach. Ein SPD-Antrag zur verlässlichen Finanzierung der klammen Nada fiel durch.

Skepsis ist angebracht

Doch dürften sich die parlamentarischen Leisetreter in den vergangenen zwei Wochen gewundert haben. Beim bislang unbeweglichen Minister Hans-Peter Friedrich (CSU) stieß plötzlich nicht nur die mangelhafte Anti-Dopinggesetzgebung auf verbale Nachdenklichkeit, sondern auch ein grüner Antrag zur Rente für Dopingopfer. „Wir prüfen mit dem Arbeits- und dem Justizministerium, ob es Anspruchsgrundlagen gibt“, sagte Friedrich der FAZ. Skepsis ist angebracht. Trotzdem war das eine gute Nachricht, hatte doch die Koalition im Ausschuss eine Pension gerade rundweg abgelehnt.

Die Diagnose lautet: Vom relevanten Geschehen sind die schwarz-gelben Abgeordneten abgekoppelt, mit ihrer Blockadepolitik hinter verschlossener Tür haben sie den Ausschuss seiner Legitimation beraubt. Zuletzt zeigte sich das ausgerechnet bei einem Antrag der Linken. Eine Debatte über die Ziele staatlicher Sportförderung ist überfällig seit dem Desaster um utopische Medaillenvorgaben und dem Dauerlamento des DOSB über vermeintlich fehlende Wettbewerbsfähigkeit. Die Linke schlug Ende 2012 vor, ein Sportministerium zu schaffen. „Ich wüsste nicht, wann die Einrichtung eines neuen Ministeriums jemals zu weniger Bürokratie geführt hätte“, erregte sich FDP-Mann Günther. „Das ist so falsch, dass man so etwas auch einmal ganz offen als Murks bezeichnen muss.“

Inzwischen wird die Zentralisierungsidee von einer internen Arbeitsgruppe des DOSB unter Vorsitz eines Funktionärs präferiert, der in der DDR sozialisiert wurde. Eigentlich schade, dass man Sportsprecher Günther zu den Plänen aus dem Haus von Parteifreund Bach nicht noch einmal hören kann. Beifall hätte er verdient.